Nach der Kritik an der diesjährigen Auswahl der Oscarkandidaten reagiert die amerikanische Academy of Motion Picture Arts: Sie will die Zahl der Frauen und Angehörigen von Minderheiten unter ihren Mitgliedern bis 2020 verdoppeln. Das teilte Akademie-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs mit und sprach von "historischen Maßnahmen".

In der Führung der Organisation soll der Wandel sofort beginnen. Es würden drei neue Vorstandsposten geschaffen, um dort mehr Vielfalt zu erreichen. "Die Akademie wird führen und nicht darauf warten, dass die Branche aufschließt", erklärte sie. Sie reagierte damit auf die Kritik, die Akademie spiegele den Mangel an Vielfalt in der Filmindustrie wider, die weiß und männlich dominiert sei.

Hintergrund des Beschlusses der Akademie sind Boykottandrohungen schwarzer Künstler gegen die Oscarverleihung Ende Februar, weil das zweite Jahr in Folge kein schwarzer Schauspieler in den Darstellerkategorien nominiert wurde. Neben anderen will Regisseur Spike Lee die Verleihung meiden, ebenso wie Schauspieler Will Smith und dessen Frau Jada Pinkett Smith. 

Die Akademie, die den Oscar vergibt, hat rund 7.000 Mitglieder auf Lebenszeit. Sie entscheiden über die Oscarnominierungen und später auch die Gewinner. Offiziell ist nicht bekannt, wie viele von ihnen Minderheiten angehören. Die Los Angeles Times ermittelte im Jahr 2012, 94 Prozent seien weiß, 77 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liege bei 62 Jahren. Es gilt als sicher, dass Männer und Weiße in der Überzahl sind. Dies wird als Grund angesehen, dass Minderheiten weniger Chancen auf die Filmtrophäe haben. 

Laut Mitteilung stimmte der Vorstand der Akademie nun für neue Regeln. Das bisherige lebenslange Stimmrecht soll auf zehn Jahre beschränkt werden. Eine Verlängerung ist nur dann möglich, wenn das Mitglied weiterhin aktiv im Filmgeschäft tätig ist. Bei der jährlichen Berufung neuer Mitglieder soll aus einem vielfältigeren Pool geschöpft werden.