Nicht nur von Seiten der Europäischen Kommission droht Polen Ungemach. Auch die Europäische Rundfunkunion EBU beschäftigt sich mit dem Land: Als bekannt wurde, dass die nationalkonservative Regierung die Chefposten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Zukunft direkt besetzen wollten, protestierte die EBU öffentlich. Die Generaldirektorin der Rundfunkunion, Ingrid Deltenre, forderte den polnischen Präsidenten Andrzej Duda auf, die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender zu bewahren, berichtet das Magazin Politico. Mittlerweile ist das Gesetz in Kraft, vier Senderchefs sind inzwischen zurückgetreten.

In der Financial Times kündigte der Präsident der Rundfunkunion, Jean-Paul Philippot, jetzt Konsequenzen an: "Wenn sie die Statuten der EBU verletzen, bekommen wir ein Problem mit ihnen." Sollte Polen die Pressefreiheit einschränken, droht im äußersten Fall der Ausschluss aus der Organisation. Das würde unter anderem bedeuten, dass Polen nicht mehr am Eurovision Song Contest teilnehmen kann. Der EBU richtet die Veranstaltung aus, die Teilnahme ist nur Mitgliedsländern erlaubt.

Fraglich ist, ob die Maßnahme der Rundfunkunion der nationalkonservativen Regierung nicht eher in die Hände spielt. Die Regierungspartei PiS versteht sich als konservatives Bollwerk, das polnische Traditionen gegen äußere Einflüsse verteidigt. 2014 hatte der regierungsnahe Journalist Jacek Kurski die österreichische Sängerin Conchita Wurst nach ihrem Sieg beim ESC 2014 als "kulturelle Aggression" bezeichnet, die gegen "die Grundlagen des guten Geschmacks und das Prinzip der polnischen Familie" verstoße. Unter der neuen Regierung hat Jacek Kurski jetzt die Aufgabe, die polnische TV-Landschaft auf Linie zu bringen.