Wie lustig so eine Finanzkrise doch sein kann. Was haben wir alles schon gesehen von dieser arkanen Finanzwelt: Exzess, Hedonismus, nackte Frauen, Champagner, Zwergenwerfen. Kapitalismus macht so viel Spaß. Nur: Der Kater dauert schon ziemlich lange. Auch in The Big Short blödeln die Jungs rum, kein Wunder, kennt man Regisseur Adam McKay doch vor allem für pubertäre Jungs-Komödien wie Anchorman. Doch McKay scheint das Lachen im Halse stecken geblieben zu sein. Die Arbeit an seinem Film The Other Guys weckte sein Interesse an der Finanzwelt, er griff zu Michael Lewis Bestseller The Big Short, um endlich zu verstehen, was hier eigentlich vor sich geht. Lewis war in den Achzigern selbst Investmentbanker und erklärt in dem Buch, wie einige wenige amerikanische Hedgefonds-Manager auf den Kursverfall des Hypothekenmarktes spekulierten – sie gingen short.

McKay hat das Sachbuch in eine vergnügliche Form gegossen, eine adrenalingeladene Ensemblekomödie. Michael Burry (Christian Bale) ist ein quasi-autistischer Hedgefonds-Manager mit einem Glasauge, der barfuß und im verschwitzten T-Shirt im Büro rumläuft, das er mit Heavy Metal beschallt. Mit seinem Gespür für Zahlen entdeckt er eine Blase, worauf er prompt das Geld seiner Kunden einsetzt, um gegen die Blase zu wetten, trotz allen Widerstands. Ein Outsider, ein Held, der sich durchsetzt. Oder auch nur ein gieriger Zocker?

Da wäre auch noch der wütende Mark Baum, mit Extrakilos und falscher Nase gespielt von Steve Carell, ein anderer Trader, der dieselbe Wette nutzt, um sich endlich an der verhassten, korrumpierten Finanzwelt zu revanchieren.

Alle gegeneinander ausspielen – auch das Publikum

Als würde McKay nicht schon genug Bälle jonglieren, wirft er auch noch Charlie Geller (John Margaro) und Jamie Shipley (Finn Wittrock) in die Luft. Finanznachwuchs, der mit eigenem Geld einen winzigen Hedgefonds gestartet hat und nun endlich zu den Großen gehören will. Mit ihnen zieht etwas Superbad an die Wall Street.

Außerdem gibt es noch den schleimigen Deutschbanker Jared Venett (Ryan Gosling), der alle anderen gegeneinander ausspielt – auch das Publikum. Immer wieder wendet er sich den Zuschauern zu und lässt sie wissen, etwas sei jetzt dramatisiert dargestellt, so sei es natürlich nicht passiert – oder erstaunlicherweise gerade so. Die Jungs gingen Wetten mit Banken ein, die sich ins Fäustchen lachten ob der Idioten, die Millionen auf den Zusammenbruch der sichersten Finanzprodukte setzten, die je erfunden wurden. Sie sahen keine Blase, die Hypotheken auf dem Markt waren sicher, AAA, Tripple A, was sollte schiefgehen?

In den Siebzigern, als die Finanzwelt noch langweilig und verstaubt war, wie uns Ryan Gosling im Dreiteiler wissen lässt, erfand ein Banker bei Salomon Brothers die sogenannten mortgage backed securities, MBS, Bündel von Hypotheken, die dann zusammen gehandelt wurden. In den nuller Jahren wurden immer mehr Hypotheken an Leute vergeben, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. In Florida, dem Epizentrum des Bauboom der 2000er,  erklären schmierige Kreditagenten den erstaunten New Yorker Brokern, was Ninja-Kredite sind: "No income, no job." Wie Oprah Winfrey sagen würde: Du kriegst ein Haus, und du kriegst ein Haus, jeder kriegt ein Haus! Wie die Stripperin, die fünf Häuser besitzt ("und eine Wohnung").

Fassungslos streifen die Broker durch in sich zusammenbrechende Einfamilienhaussiedlungen, leerstehende McMansions, in deren Swimmingpools bereits die Alligatoren nisten. Sie erkennen: "Es ist eine Blase!" Die Bonität der Kreditnehmer selbst war tief, das Ausfallrisiko groß, die Hypotheken waren subprime, aber kaum jemand sah sie sich einzeln an, sie waren ja zu MBS gebündelt, und deren Kreditrating war ausgezeichnet. Die Party konnte für immer weitergehen.

Doch Burry war ein Spielverderber."Sie haben alle Hypotheken einzeln durchgesehen?", fragt ein Investor ungläubig, als Burry sich die zugrunde liegenden Zahlen anschaut. "Aber das sind doch Tausende."