Der Dorfpolizist im Zwiespalt zwischen Dienstpflicht und Freundschaft © Arte

Vier Opfer hätten die Bergretter bei der Übung im stillgelegten Bergwerk finden sollen. Sie finden fünf. Barbara Prantl (Jana Thomaschütz), genannt Babsi, gehört hier nicht her. Ein funkelndes Diadem liegt neben ihrem Kopf auf dem Boden, in dem weißen Kleid sieht sie aus wie eine Braut.

Alle drei Jahre, immer am ersten Sonntag nach Pfingsten, führen die Bergbauernknappen in Hüttenberg im Kärntner Hinterland ihren traditionellen Reiftanz auf. Eine junge Frau, die Reiftanzbraut, steht dabei für den Frühling. In diesem Jahr war es die Dorfschönheit Babsi, die 16-jährige Tochter des Landtagsabgeordneten des Ortes. Zu Beginn des Arte-Krimis Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist liegt sie tot im Schacht.

Das Genre des Dorfkrimis haben die Drehbuch-Autoren Stefan Hafner und Thomas Weingartner nicht revolutioniert. Natürlich muss der Mörder einer aus dem Dorf sein, diesem Mikrokosmos, in dem sich alles Unmoralische konzentriert. Natürlich verhört die Polizei die üblichen Verdächtigen: den Freund der Toten, die Jungs aus dem Jugendheim, den Wirt, der gerne junge Mädchen in seine Hütte holt. Und am Ende ist unter der schönen Oberfläche nichts so, wie es scheint.

Doch der Film ist trotzdem sehenswert und das liegt an den grandiosen Bildern und an Gerhard Liebmann, der den Polizisten Hannes Muck spielt. Muck ist eine Figur, die schlechtere Schauspieler lächerlich gemacht hätten: Der Postenkommandant des Ortes, der Schlager hört und unglücklich verliebt ist. Doch Gerhard Liebmann spielt ihn mitreißend.

An einer Stelle kommen die beiden Qualitäten des Films zusammen: Hannes Muck rekonstruiert Babsis Heimweg von der Feier, auf der sie nach dem Reiftanz gewesen ist. Mit einer Pinzette zupft er blutiges Moos aus dem Waldboden. Der hebt sich ein wenig, wie ein Pullover, aus dem man einen Fussel zieht. Rot und Grün, die Farben kennt man. Es sind die Farben der Trachten und der mit Laub geschmückten Tanzreifen beim Reiftanz.

Nicht nur in solchen Details gehen die Bilder in diesem Film über das hinaus, was man normalerweise von der Ästhetik eines Krimis, der auf dem Land spielt, erwarten würde. Andreas Prochaska begnügt sich nicht damit, ein paar Wiesen und Kühe einzublenden. Der Regisseur hat schon mit dem Alpen-Western Das finstere Tal Bilder geschaffen, die die Landschaft zu etwas Erhabenem gemacht haben. In Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist greift er diese Ästhetik wieder auf. Häufig liegt ein grau-blauer Schleier über dem Dorf und der Landschaft. Er will sagen: Hier stimmt etwas nicht.

Zu Anfang zeigt der Film einige Dorfbewohner im Porträt. Sie alle wirken, als würden sie auf etwas warten. Es sind Fernsehbilder wie Gemälde.

"Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist" läuft am Freitag den 22. Januar, 20.15 Uhr auf Arte.