Gerade wurde Gianni Infantino zum neuen Präsidenten des Fußball-Weltverbandes Fifa gewählt. Der Nachfolger von Sepp Blatter soll vor allem eines: den Ruf des Fußballs retten. Das ist eine große Aufgabe. Dass es noch mit rechten Dingen im Sport zugeht, mag kaum mehr jemand glauben. Die Zeiten, in denen man Fußball noch mit den guten alten Bolzplätzen, dem Wunder von Bern oder Roberto Baggios tragisch verschossenem Elfmeter verband, sind vorbei. Bei Fußball denkt man heutzutage zuerst an sehr viel schmutziges Geld.

Dass diese Assoziation durchaus berechtigt ist, führt der ARD-Spielfilm Auf kurze Distanz trefflich vor Augen. Der Regisseur Philipp Kadelbach begibt sich für seinen Film ins Zentrum der weltweit vernetzten Sportwettenmafia. Aus den kleinsten Winkeln einer schummrigen, verqualmten Wettkneipe in irgendeiner Seitenstraße werden da Geschäfte bis nach Asien abgewickelt, Spieler gekauft, Schiedsrichter bestochen.

Große Ambitionen

In Auf kurze Distanz wird Klaus Roth (Tom Schilling) als verdeckter Ermittler in den Kreis der serbischen Wettmafia eingeschleust. Dort gewinnt er das Vertrauen von Luka Moravac (Edin Hasanovic), dem ungeliebten Neffe des Mafiabosses Aco Goric (Lazar Ristovski). Der wiederum ist einer der Drahtzieher in der Welt des Sportwettengeschäftes, weshalb ihn der leitende Ermittler Frank Dudek (Jens Albinus) gern hochgehen lassen will. Seinen verdeckten Ermittler Klaus Roth setzt vor allem deswegen großen Gefahren aus, weil seine Ambitionen noch größer sind.

Von der inneren Statur her ist dieser Roth eigentlich nicht geeignet, um als verdeckter Ermittler den serbischen Clan auffliegen zu lassen. Aber er hat serbische Wurzeln. Das genügt: Klaus heißt ab sofort Milan. Außer der Ermahnung "Wer sich irgendwann nicht mehr an seine eigenen Lügen erinnern kann, ist ein toter Mann", gibt Dudek seinem Schützling nichts mit auf den Weg ins kriminelle Milieu dunkler Berliner Seitenstraßen.

Scherben des Schmerzes

Dort flimmern die Bildschirme, dort rauscht das Bier, dort fließt das Geld, und dort schließen auf Dudeks Geheiß Milan und Luka Bekanntschaft. Und als der nächste Auftrag lautet: "In einer Woche werden Sie und Luka Freunde!", sind sie es schon längst.

Kadelbach hat einen Fernsehfilm im besten Sinne gemacht. Er erzählt eine Geschichte, die nicht von schnellen Schnitten und krawalligen Szenen erstickt wird. "Ich wollte eine Entschleunigung, eine auflösende Kameraführung mit dem Schwerpunkt, die Geschichte aus der Perspektive von Milan zu erzählen", so Kadelbach. Dem Drehbuch von Holger Karsten Schmidt und Oliver Kienle lässt diese Herangehensweise den Entfaltungs- und Wirkungscharakter, der ihm zusteht.

Auf Eis gelegte Sehnsüchte

Luka und Milan sind alles andere als harte Jungs. Sie sind gebrochene Charaktere, und in dieser, ihrer Gebrochenheit finden sie zueinander, um aus den Scherben ihrer Schmerzen etwas Neues zusammenzusetzen. Das ist vielleicht die eigentliche Geschichte dieses Films.

Roth, alias Milan, hat sich längst innerlich aufgegeben. Er ist eine haltlose, blasse und dauerrauchende Nachtgestalt, der ihre Erwartungslosigkeit ins Gesicht geschrieben steht; dahinter ahnt man die auf Eis gelegten Sehnsüchte und Wünsche. Grandios spielt Tom Schilling den verdeckten Ermittler: wie eine müde Amöbe, der nur noch die Pistole am Gürtel das Rückgrat ist.