ADHS, Drogen oder doch Depressionen: Seit Jahren fragen sich Milans Eltern, was mit ihrem Sohn los ist. Der 17-jährige Milan (Merlin Rose) war schon immer ein Problemkind, wenn auch ein liebenswertes. Der Grund: Milan ist schwul, traut sich aber nicht, das auszusprechen. In der Schule wird er trotzdem verspottet, auch ohne sich geoutet zu haben.

Jugendliche können grausam sein, zumindest in den Filmen des Drehbuchautors Jan Braren und des Regisseurs Stefan Schaller. Braren hat als Autor von Homevideo (2011) bereits einen Film über Jugendliche gemacht, in dem es um Mobbing ging. Schaller schrieb für den Saarbrücker Tatort: Hilflos (2010) ein Drehbuch mit einer ähnlichen Thematik. Und jetzt wird auch Milan, der Protagonist ihres neuen ARD-Films Aus der Haut, von seinen Mitschülern malträtiert.

Das zentrale Thema des Films ist jedoch ein anderes: Es geht um die Suche nach einer konsistenten Identität und um die innere Zerrissenheit, die diese Suche so oft begleitet. Als Milan versucht, seinen besten Freund Christoph zu küssen, weist der ihn brutal zurück. Aus Enttäuschung und Wut lässt Milan sich volllaufen und rast mit dem Auto seines Vaters durch die Stadt. Der Wagen überschlägt sich, Milan landet im Krankenhaus. Bald stellt sich heraus: Das war kein Unfall, sondern ein Selbstmordversuch.

Das Verständnis bröckelt

Die Eltern können sich das nicht erklären. Milan hat doch alles. Nette Eltern, ein schönes Zuhause, gute Noten. Als er ihnen schließlich sagt, dass er schwul ist, reagieren sie überrascht, aber verständnisvoll. "Milan schwul, endlich normal", sagt Milans Vater erleichtert. Jetzt könnte alles gut werden. Wird es aber nicht, was zum Beispiel daran liegt, dass sich Milans Mitschüler auf der Klassenfahrt nicht mit einem Schwulen das Zimmer teilen wollen. Das Verständnis der Eltern bröckelt, als sie erkennen, dass Milans Homosexualität nicht von allen positiv gesehen wird. "Warum kann denn unser Sohn nicht einfach ganz normal sein?", sagt Susann.

Milans Zerrissenheit drückt sich auch in der Wahrnehmung der Eltern gegenüber ihrem Sohn aus: Seine Mutter sieht in ihm nur das Positive, die guten Noten, die nette Freundin. Sein Vater sieht immer nur das Negative, die Depression, die Drogen. Als die Eltern über ihr Kind sprechen, klingt es so, als ginge es um zwei Milans. Bildlich fällt es dem Film dagegen schwer, diese Zweiteilung seines Protagonisten darzustellen. An einer Stelle beschimpft Milan sein Spiegelbild. Besonders originell ist das nicht.

Und irgendwie kommt einem Aus der Haut bekannt vor. Erst vor Kurzem hat Claudia Michelsen, die hier die Mutter spielt, in dem Film Im Zweifel eine Pfarrerin und Unfallseelsorgerin verkörpert, die befürchtete, ihr Mann habe nach einem Unfall Fahrerflucht begangen. In beiden Filmen fliegt zu Beginn ein Auto in Zeitlupe von der Seite ins Bild. Und in beiden Filmen droht der Wunsch der Figuren nach Selbstverwirklichung die Familie zu spalten. Und in beiden Filmen spielt Michelsen eine zweifelnde und besorgte Ehefrau und Mutter. Sie spielt diese Rolle gut. Etwas Abwechslung würde trotzdem nicht schaden.

"Aus der Haut" läuft am Mittwoch, den 9. März um 20.15 Uhr im Ersten.