Ferris MC und Eko Fresh in der ZDF-Comedyserie "Blockbustaz" © ZDF

Selbst das ZDF weiß: Intimrasuren macht man besser nicht im Hauptprogramm. Dafür gibt es das Internet und die Spartenkanäle, die anstaltseigene Mediathek und den Innovationssender ZDFneo, wo nahezu alles vorstellbar ist. Zum Beispiel seit Neustem: eine Comedyserie mit Deutschrappern und anderen Laiendarstellern über geile Zeiten im sozialen Wohnungsbau. Blockbustaz heißt die Ballade vom Kölner Taugenichts Sol und seinem Kampf um das Recht auf Arbeitslosigkeit und dem Liebesleben seiner Mutter, die sich unten herum schön macht für ihre Onlinedates.

Das Beste an dieser überdrehten Milieudraufsicht sind noch die Beleidigungen. Im Sekundentakt fliegen sie durch das ranzige Zweizimmer-Apartment von Sol und seiner wohlmeinenden Freundin Jessica. Große Schwester gegen kleine Schwester, Mieter gegen Hausverwalter, Baby gegen Jugendamtsvertreter, Prostituierte gegen andere Prostituierte. Sol erklärt seinem Freund Hardy seelenruhig, warum er, rein technisch betrachtet, ein Hurensohn ist. Mit glückskeksverdächtigem Gleichmut stellt er fest: "Deine Mutter ist vielleicht ein Assi. Aber sie ist wenigstens deine Mutter."

Warum das ZDF auf einmal so poetisch ist? Das müsste man seine Zuschauer fragen. Vor knapp zwei Jahren setzte sich Blockbustaz im hauseigenen Entwicklungsformat TVLab gegen die Piloten einer Serie über Alibivermittler und einer Sitcom über Gevatter Tod in der Lebenskrise durch. Den neusten Versuch Junger-Leute-Bespaßung hat sich das ZDF von der Zielgruppe vorab legitimieren lassen.

Verkappte Sketchparade

Besser wird Blockbustaz deshalb nicht. Schon die erste Folge zeigt, dass der TVLab-Erfolg nicht auf lustigen Drehbüchern oder inhaltlichen Wagnissen beruhen kann. Eher dürfte er mit der zugkräftigen Besetzung zu tun haben: Hauptrollen spielen die Rapper Eko Fresh und Ferris MC sowie die millionenfach geklickte YouTube-Komikerin Joyce Ilg. Hinzu kommt eine Reihe von Gastauftritten, im Folgenden geordnet nach abfallender Zurechnungsfähigkeit: Jürgen Drews, Frederick Lau, die Straßenrapper Celo & Abdi, Hans Sarpei, dann lange nichts und dann Moritz Bleibtreu.

Dieses Staraufgebot der deutschen Gemischtwarenunterhaltung trollt sich durch eine verkappte Sketchparade, die immer nur bis zum nächsten Brüller vorausgeplant scheint. Sol träumt von einer Rap-Karriere, aber erkennen kann man das höchstens an seiner schief sitzenden Mütze. Musik spielt keine Rolle in Blockbustaz, dafür jedoch die Frage, ob Jessicas Brüste groß genug sind. Wer jetzt noch mal Jessica war? Auch egal. Charakterentwicklung heißt in Blockbustaz, dass jemand erst "Spast" sagt und später "Alpha-Kevin".

Ein Überraschungserfolg wäre möglich gewesen

Die Welt wird deshalb nicht untergehen. Blockbustaz hat seine anarchischen Momente, eine Handvoll haarsträubende Szenen, die den Gebührenzahler genüsslich mit seiner Mittäterschaft konfrontieren. Besonders in der Bloßstellung deutschen Beamtentums entwickelt die Serie eine ungeahnte Liebe zur Klischeeüberhöhung: Sozialarbeiter, Vermieter, Jobvermittler und Polizisten erscheinen als Aneinanderreihung von Trenchcoats, Halbglatzen und Aktenkoffern, die "Emil" sagen, wenn sie "E-Mail" meinen. Den Spielregeln des Blocks stehen sie mit ihren Paragrafenzetteln und Gerichtsanordnungen hilflos gegenüber.

Könnten sich die Autoren Niklas Hoffmann, Benjamin Seiler und Jakob Schreier im gleichen Maße für das eigentliche Kernmilieu von Blockbustaz begeistern, wäre ein Überraschungserfolg möglich gewesen. In den USA zeigt die Serie Shameless seit mittlerweile sechs Staffeln, dass man poppig und albern über verkorkste Verhältnisse erzählen kann, ohne es auf Kosten seiner Protagonisten zu tun. Noch im Angesicht der größten Katastrophen wahrt die Adaption einer britischen Vorlage Stolz und Trotz. Shameless ist deshalb sogar berührend.

Um ähnliche Höhenflüge zu unternehmen, müsste Blockbustaz ein Mindestmaß an Interesse für seine Figuren und ihre Geschichten aufbringen. Die Serie begnügt sich jedoch mit dem nächstbilligen Kalauer. Um die dargestellten Lebensbedingungen schert sie sich nicht. Themen mit gesellschaftlicher Sprengkraft sind zwar in die Ausgangsposition eingeschrieben, Blockbustaz greift sie aber nicht einmal spielerisch auf. Stattdessen erschöpft sich die Vorstellungskraft in zwei verräterischen Annahmen: In einer Hochhaussiedlung wohnen ausschließlich Vollidioten. Und Vollidioten sind das beste Kanonenfutter der Comedy.

"Blockbustaz" läuft ab Dienstag, den 22. März, um 22.30 Uhr auf ZDFneo und in der Mediathek.