Links: Kevin Spacey als Frank Underwood in der Politserie "House of Cards" © Netflix

Niemand muss sich Donald Trump mehr ausdenken. Es gibt ihn ja schon in echt. Unter den Anhängern von House Of Cards scheint der Durst nach Trump jedoch kaum löschbar zu sein. Im Vorfeld der vierten Serienstaffel gehörte zu den meistdiskutierten Fragen, was die Autoren des Politdramas wohl aus dem republikanischen Präsidentschaftsanwärter machen würden.

Es ist Wahlkampfzeit, im wirklichen Leben wie auch im Paralleluniversum von House Of Cards. Wie also würde die Serie, deren Erfolg auf der Überdramatisierung des realen politischen Alltags beruht, einen Kandidaten thematisieren, der im Grunde jegliche Parodie vorwegnimmt?

Die Antwort lautet: gar nicht. Zwar bemühte sich die House Of Cards-Autorin Laura Eason im Gespräch mit der ZEIT darum, Parallelen zwischen Trump und Serienpräsident Francis Underwood (Kevin Spacey) herzustellen. Aber wohin sollten die führen? Underwood bleibt auch in den neuen Folgen von House Of Cards ein Politiker der Hinterzimmer, ein Intrigant, der Allianzen auf Zeit schmiedet. Trump hingegen ist, wenn überhaupt, ein Politiker des Rednerpults. Ein Einzelkämpfer, bei dem man sich kaum vorstellen kann, was er in Hinterzimmern überhaupt macht. Däumchen drehen? Ins Nichts starren?

Die besseren Nachrichten

Um nicht enttäuscht zu werden von House Of Cards, muss man einsehen, dass die Serie über den mit Leichen gepflasterten Erfolgsweg eines demokratischen US-Präsidenten kein Spiegelbild echter Macht- und Verführungsspielchen in Washington ist. Es gibt Menschen, die das noch immer glauben, sie haben früher auch die Daily Show mit dem Satiriker Jon Stewart geguckt und für die bessere Tagesschau gehalten.

Dabei ist doch das Tolle an House Of Cards, dass es so unrealistisch ist: so unverfroren, absurd und lächerlich. Die Serie ist reiner Eskapismus. Sie erlaubt einem, endlich einmal nicht an Donald Trump zu denken.

Ein republikanisches Wunderkind

Für die vierte Staffel der erfolgreichen Netflix-Produktion gilt das mehr denn je. House Of Cards umarmt seine Bestimmung als Seifenoper, gleich mit der ersten Folge geht es aufs Ganze: Vor lauter Krebs- und Knastgeschichten kommt der Präsident kaum noch dazu, sein Kabinett vor den eigenen Karren zu spannen. Die First Lady (Robin Wright) lässt ihn sitzen, ein politischer Untoter kehrt zurück, und der Russe muckt auch wieder auf. Während Underwoods Partei noch den Liebesentzug probt, tütet ein republikanisches Wunderkind bereits Vorwahlsieg um Vorwahlsieg ein.

Dieses Wunderkind ist Will Conway (Joel Kinnaman), ein Präsidentschaftskandidat, den sich – im Gegensatz zu Trump – tatsächlich nur die Autoren einer Fernsehserie ausdenken konnten. Wenn Underwood morgens seine Medikamente sortiert, vögelt Conway seine Frau vor dem Badezimmerspiegel. Anschließend albert er mit der ganzen Familie im ungemachten Bett herum und stellt Videos dieser bürgerlichen Idylle ins Internet. Nicht mal seine dubiosen Kontakte zu den Datensammlern des Silicon Valley scheint ihm das Volk zu verübeln. Der Kandidat steht für einen potenten politischen Neuanfang.