Der eine will die Welt dank seiner Superkräfte im Alleingang retten (Henry Cavill als Superman, rechts), der andere (Ben Affleck als Batman) würde diese Supermacht gerne kontrollieren. © Warner Bros

Früher, während des Zweiten Weltkrieges und auch später während des Kalten Krieges, schien alles viel einfacher. Da kollaborierten Helden wie Captain America und die Justice Society of America mit der amerikanischen Regierung im Kampf gegen Nazis, Sowjets, Aliens und andere Schurken. Superhelden waren ein Symbol der Hoffnung und Typen wie Captain America gute Kerle, die Adolf Hitler verdroschen oder einen Lex Luthor bekämpften, weil der nach der Weltherrschaft gierte. Alles schlichte Geschichten. Aber der Ton der Comicbücher begann sich zu ändern und mit ihnen ihre zunehmend traumatisierten Superhelden, die ihre Rolle in der Gesellschaft und die Wirkung ihrer Kräfte fortan überdenken mussten. "Eine gute Idee", sagt der Filmhistoriker Jonathan Kuntz von der University of California in Los Angeles. "Wenn Superhelden sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, dann ist das ein komplexer und vielleicht viel modernerer Ansatz." Wenn jetzt also auch im Kino Batman gegen Superman kämpft und kurz darauf Captain America gegen Iron Man (in The First Avenger: Civil War), dann ist die Frage, inwiefern das den Superheldenmythos gewinnbringend verkompliziert.

Wenn man es realistisch betrachtet und ein Außerirdischer auf der Erde leben würde, der genauso aussähe wie wir, uns aber dank seiner Megakräfte mit einem Atemzug ausradieren könnte, also jemand wie Superman, dann lässt sich Bruce Waynes Paranoia nachvollziehen. "Diese Angst, der Feind könnte jeder von uns sein, reicht zurück bis in die 1950er Jahre, als die Angst vor den Roten umging", sagt Johnny Brillantes von Meltdown Comics in Hollywood, "und sie ist nach 9/11 und unserer Angst vor Terroristen wieder eine große Sache in der amerikanischen Gesellschaft." Aus Angst vor den Taten eines gottgleichen Superhelden, stellt sich der düster vergrübelte Batman also dem quietschsauberen Superman in den Weg.

Zeitgleich dazu hat im Paralleluniversum von Marvel das Wüten der Avengers zu verheerenden Kollateralschäden geführt. Die Regierung dort entscheidet deshalb, dass Superhelden streng überwacht werden müssen. Damit spalten sich die Superhelden in zwei ideologische Lager auf: Während Iron Mans Kader die Entscheidung, Superhelden unter staatliche Kontrolle zu stellen, unterstützt, wollen Captain America und seine Gefolgsleute die Arbeit der Avengers im Dienste der Menschheit vor jedweder Einmischung der Regierung schützen. Ein Bürgerkrieg bricht aus – und auf unserer eigenen kleinen Erde so was wie eine Kassenschlacht von Disney mit Marvels gesamter Avengers-Besetzung gegen Warner Brothers' kultigste Helden aus dem DC-Katalog.

Kino - "Batman vs. Superman: Dawn of Justice" (Trailer)

Ist das die logische Konsequenz des Superheldenverfilmungswahns? Ja. In vielerlei Hinsicht ist es der nächste Schritt nach den Ursprungsgeschichten und Superheldenkonferenzen. Bedenkt man, wie weit verbreitet die Praxis des Helden gegen Helden in gedruckten Comics schon ist, sollte es nicht überraschen, dass dieses Subgenre nun ebenfalls auf die Leinwand kommt. Der Vergleich zweier Superhelden ist ein klassisches Streitthema unter Comicfans. Ganze Websites widmen sich Fehden, die seit mehr als einem halben Jahrhundert Teil der Comics sind. Hulk vs. The Thing oder Giant-Man vs. Spider-Man. Stan Lee hatte diese Fehden in den 1960er Jahren populär gemacht. Eine der ersten Crossover-Serien war The Avengers/Defenders War im Jahr 1973, die den Weg für ähnliche Konflikte ebnete bis zu jüngeren Titel wie Civil War (2006), ersonnen von Mark Millar. Die Plot-Idee, dass Superhelden Meinungsverschiedenheiten hatten, wurde so beliebt, dass sie den Spitznamen "das Marvel-Missverständnis" bekam. Der Konkurrenzverlag DC schickte in den 1960er Jahren Superman in ein Wettrennen gegen The Flash. In einer anderen unter Comicfans beliebten Serie begegnete Green Lantern, der konservative Republikaner, dem Gegenspieler Green Arrow, ein liberaler und bärtiger Demokrat.

Röntgenblick gegen den Meister der Manipulation

Der berühmteste aller solcher Dispute ist jedoch nach wie vor jener zwischen dem Dunklen Ritter und dem Mann aus Stahl. Wer ist stärker? Superman natürlich, würde der, nun ja, gesunde Menschenverstand antworten. Superkräfte, Supergeschwindigkeit, Röntgenblick. Nicht so schnell, kontern Batman-Anhänger. Batman gewinnt. Warum? Weil er ein Meister der Manipulation ist und seinen Gegnern immer fünf Schritte voraus. Vom 24. März an, balgen sich die DC-Helden nun erstmals auch auf der großen Leinwand. Dabei waren die beiden bis in die 1980er Jahre eigentlich die dicksten Freunde. Dann schrieb Frank Miller Die Rückkehr des Dunklen Ritters, eine Graphic Novel, die sowohl Christopher Nolans Trilogie wie auch den aktuellen Film von Regisseur Zack Snyder inspirierte.

Jetzt geht es also darum, wie man am besten die Welt rettet. Und wie man ein gutes Leben führt. Diese moralischen Fragen erweitern neben den persönlichen Dilemmata die Geschichte und machen die psychologisch aufgeladenen Figuren zu Helden, die man eher in einer griechischen Tragödie vermuten würde.