Ove (Rolf Lassgård) kontrolliert gerne. Jeden Tag prüft er, ob alle Garagentore abgeschlossen sind. Er schreibt Falschparker auf und brüllt die Frau an, die ihren Hund auf den Gehweg pinkeln lässt. Am schlimmsten trifft es diejenigen, die es wagen, mit dem Auto durch die Wohnsiedlung zu fahren. Auch das ist verboten. Ove ist der kauzige Nachbar, der mit seiner übertriebenen Ordnungsliebe allen auf die Nerven geht. Dieser alte Griesgram ist der Held der schwedischen Komödie Ein Mann namens Ove von Hannes Holm. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Fredrik Backman und verdrängte beim Filmstart in seiner Heimat gar Star Wars vom ersten Platz der Kinocharts.

Seitdem seine Frau tot ist, verzweifelt Ove immer stärker an der Welt, die seiner Meinung nach zugrunde geht, weil sich niemand mehr an die Regeln hält. Als er dann auch noch im Alter von 59 Jahren seine Arbeit verliert, reicht es Ove. Er will Schluss machen, sich das Leben nehmen. Er hat sich die Schlinge bereits um den Hals gelegt, als er sieht, wie jemand versucht, einen Wagen mit Anhänger vor seinem Fenster zu parken. Ove unterbricht sein Vorhaben, um die neuen Nachbarn zusammenzustauchen.

Dreimal wird sich Ove die Schlinge wieder vom Hals ziehen. Auch alle weiteren Selbstmordversuche bricht er ab. Nicht einmal beim Sterben findet er Ruhe. Fast immer stört jemand, der Oves Hilfe braucht. Meist ist es Parvaneh (Bahar Pars), die neue Nachbarin, die gerade mit ihrem Mann und zwei Kindern eingezogen ist. Sie fragt nicht lange, sondern spannt Ove einfach ein. Bald gibt er Parvaneh Fahrunterricht, passt auf ihre Töchter auf und repariert ihre Spülmaschine. Seitdem die Familie eingezogen ist, gibt es in Oves Leben wieder mehr zu tun.

In einer Komödie wie Ein Mann namens Ove kann es nicht anders sein: Natürlich steckt in dem alten Mann mit der harten Schale ein großer butterweicher Kern. Das Motiv des Misanthropen, der sich als hilfsbereiter Menschenfreund entpuppt, kennt man etwa aus Besser geht's nicht mit Jack Nicholson, Gran Torino mit Clint Eastwood und St. Vincent mit Bill Murray. Oder aus Weihnachts- und Familienfilmen wie Der kleine Lord oder den zahlreichen Verfilmungen von Charles Dickens' A Christmas Carol. Häufig ist es ein Kind, das es schafft, das harte Herz eines alten Scheusals zu erweichen. In jedem Fall braucht es eine Figur, die von außen die Mauern durchbricht, die der Griesgram sorgfältig um sich herumgezogen hat. Mit einem solchen Impuls von außen arbeiten auch Culture-Clash-Komödien wie Ziemlich beste Freunde. Dass Oves neue Nachbarin Iranerin ist, spielt jedoch gar keine Rolle.

Vorsicht, Kitschgefahr!

Der böse alte Mann mit dem großen Herz: In diesem Motiv steckt viel Klischee- und Kitschgefahr. Ein Mann namens Ove kombiniert es mit dem Thema Suizid, das an sich kein lustiges und damit kein besonders dankbares für eine Komödie ist. Die Gefahr der Verharmlosung schwingt dabei immer mit. Oves Selbstmordversuche müssen scheitern. Wäre das anders, wäre es mit dem Lachen schnell vorbei. Tatsächlich gelingt es dem Film, durch das einfache Mittel der Wiederholung komische Effekte zu produzieren. "Es ist doch wirklich verrückt, wie schlecht du im Sterben bist", sagt Parvaneh zu Ove. Das Spiel mit dem Tabuthema verpflichtet die Komödie zu schwarzem Humor. Die Frage ist, ob der Film damit die Kurve schafft.

Das Potenzial ist da: Der Wallander-Darsteller Rolf Lassgård zieht Oves Grundgrantigkeit auch dann noch durch, als der alte Mann längst weich geworden ist. Und Bahar Pars spielt die Nachbarin Parvaneh als Pragmatikerin ohne großen Hang zur Rührseligkeit. Die Erzählung der Gegenwart verzichtet weitgehend auf Sentimentalität.

Das Problem sind die Rückblenden auf Oves Leben, mit denen seine Selbstmordversuche direkt verknüpft werden. Denn dass Ove ein schlecht gelaunter Pedant ist, ist nicht sein eigentliches Problem. In seinem Umfeld fällt er durch seine Liebe zu Vorschriften und Gebrauchsanweisungen nicht einmal unbedingt negativ auf. Welche spießige Wohnsiedlung kommt schon ohne ihren Grantler aus? Ein Pedant war Ove schon immer, lediglich seine Griesgrämigkeit nimmt mit dem Alter zu. Oves Problem ist, dass ihm der Lebenswille verloren gegangen ist, seitdem seine Frau Sonja (Ida Engvoll) nicht mehr lebt. In den Rückblenden zeigt der Film Oves Beziehung zu ihr, und dass ihm ohne sie etwas Entscheidendes fehlt: Sie war die Positive, Spontane, Romantische, Lebensfrohe und damit all das, was Ove nicht ist.

Die Ästhetik der Rückblenden erinnert an jene aus Filmmärchen wie Die fabelhafte Welt der Amélie. Die Bilder aus der Vergangenheit sind allzu bonbonfarben, das Lächeln auf den knallrot geschminkten Lippen der jungen Sonja allzu unermüdlich. Jede Episode allzu happy ending. Entschuldigend könnte man sagen, dass in der Erinnerung immer alles viel schöner, prächtiger und romantischer ist, als es in Wirklichkeit war. Doch diese Entschuldigung zählt hier nicht. Die Rückblenden sind nichts anderes als kitschig und ihre direkte Verbindung mit Oves Suizidversuchen fatal, weil sich bei diesem Thema jede Form von Verharmlosung schon allein wegen des großen Nachahmungspotenzials verbietet. Da kommt der Film selbst mit schwarzem Humor nicht mehr heil raus.