In den Streit um eine vermeintlich unangemessene Satire der ARD-Sendung extra3 über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat sich nun auch der Satiriker Jan Böhmermann eingeschaltet. In der jüngsten Ausgabe seiner Sendung Neo Magazin Royale verlas er ein Erdoğan-kritisches Gedicht, das in drastischen Worten den türkischen Staatschef verunglimpft. Allein: All diejenigen, die die Sendung bei ihrer regulären Ausstrahlung nicht gesehen haben, können den Beitrag nicht mehr ansehen. Der zuständige Sender ZDF hat die Sendung aus der Mediathek gelöscht. Später tauchte er wieder auf der Videoplattform Vimeo auf. Die Wiederholung im ZDF soll allerdings ohne den Ausschnitt ausgestrahlt werden.

"Die Parodie zum Umgang des türkischen Präsidenten mit Satire entspricht nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt", begründete der Sender auf Twitter sein Vorgehen. "Aus diesem Grund wurde die Passage aus der Sendung entfernt." Dies, so hieß es seitens ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler, sei "in Absprache mit Jan Böhmermann" geschehen. Grenzen der Ironie und der Satire seien in diesem Fall überschritten worden.

In dem beanstandeten Beitrag hatte Böhmermann als Moderator der Sendung angekündigt, ein Gedicht namens Schmähkritik über Erdoğan zu verlesen, um so dem türkischen Präsidenten den Unterschied zu verdeutlichen zwischen Satire und eben einer Schmähkritik, die auch in Deutschland verboten ist.

Böhmermann zeigt Grenzen der Satire in Deutschland

"Sackdoof, feige und verklemmt, ist Erdoğan der Präsident", beginnt der Text, der auf insgesamt 24 Zeilen den türkischen Politiker verunglimpft und beleidigt. So heißt es, er sei "der Mann der Mädchen schlägt, und dabei Gummimasken trägt". Erdoğans Kopf sei "so leer, wie seine Eier, der Star auf jeder Gangbang-Feier". Das Gedicht endet mit den Worten: "Bis der Schwanz beim Pinkeln brennt, das ist Recep Erdoğan, der türkische Präsident."

Böhmermann kommentierte noch während er das Gedicht vorlas, der Ausschnitt könnte aus der Mediathek gelöscht werden. Bei Facebook schrieb er später: "Ich denke, wir haben heute am 1. April 2016 gemeinsam mit dem ZDF eindrucksvoll gezeigt, wo die Grenzen der Satire bei uns in Deutschland sind. Endlich!".

Auf Twitter wurde dem ZDF vorgeworfen, vor Erdoğan einzuknicken. User beschweren sich dort über die "Sendungspolitik der alten Herren" und die "fragwürdige Selbstzensur" des ZDF.

Bereits Mitte März hatte das Magazin extra 3 einen satirischen Beitrag über Erdoğan ausgestrahlt. Der Beitrag hatte sich kritisch mit Verletzungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei sowie mit dem Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte gegen Kurden im Südosten des Landes auseinandergesetzt. Erdoğan reagierte erbost, die Regierung bestellte deshalb den Botschafter ein und verlangte eine Löschung des Beitrags.