Als Carlo Pedersoli alias Bud Spencer im Jahr 2011 ein letztes Mal durch Deutschland gereist ist, um seine Autobiografie vorzustellen, verblüffte er die Journalisten mit seiner unerschütterlichen Ausgeglichenheit, seinem Langmut und seiner gütigen Aura. Er war damals schon über achtzig, ein massiger Mann, das Gehen fiel ihm schwer, er hätte allen Grund zum Klagen gehabt. Aber er wirkte, als wüsste er nicht einmal, wie man das anstellen soll, als habe er sich in seinem ganzen Leben noch nicht beschwert.

Das Buch stieg damals sofort auf Platz eins der Bestsellerliste, dabei lagen Pedersolis größte Erfolge schon mehr als zwanzig Jahre zurück. Aber die Deutschen hatten ihn nicht vergessen, seine Filme liefen immer noch, auf YouTube, in Kino-Retrospektiven-Marathons, im Nachtprogramm. Und es war immer noch ein besonderes Glück, über einen Bud-Spencer-Film zu stolpern, am besten allein, und am besten unerwartet.

Man wusste dann, was man in kommenden zwei Stunden tun würde: Man würde sich sofort wieder hineinbegeben in diese Zeitkapsel, in der sich der Dicke und Dünne, der Langsame und der Flinke, der Begriffsstutzige und der Trickser ihren Weg durch eine feindselige Welt kalauern, unaufhaltsam wie eine physikalische Kraft. Bud Spencer würde jemandem mit der Faust auf den Kopf hauen, er würde jemanden durch ein Fenster werfen, er würde ein paar Backpfeifen verteilen und alle würden sie es verdient haben. Man wusste vorher, dass es passieren wird, und dann passierte es auch, und in gewisser Weise ist das genau das Maß an Ordnung und Gerechtigkeit, das die wirkliche Welt nicht zu bieten hat.

In Deutschland trugen diese Filme höchst alberne Titel, die von ganz allein ihren Weg in den Wortschatz fanden: Vier Fäuste für ein Halleluja, Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle, Sie nannten ihn Plattfuß. Den deutschen Synchronisatoren ist oft vorgeworfen worden, die Filme banaler und klamaukiger zu machen, als sie sind. Die ständigen Sprüche aus dem Mundwinkel, der unentwegte Unernst, für den die Streifen bekannt sind, all das war in der deutschen Version sehr viel stärker als in den italienischen Originalen. Dem Erfolg hat es nicht geschadet.

Er brauchte Geld und blieb

Pedersoli hat sich über seine Rolle in der Filmgeschichte nie Illusionen gemacht. Er hat sich nie für einen Schauspieler im engeren Sinne gehalten, sondern sich bis zum Schluss darüber gewundert, warum es all diese Profis eigentlich dulden, dass jemand wie er am Set herumsteht. In der Blütezeit des Italowesterns ist er einmal bei einem Dreh gelandet, weil er gehört hatte, dass eine korpulente, männliche Person gesucht wurde. Er erfüllte alle Anforderungen, er brauchte dringend Geld, also blieb er dabei.

Seine Auftritte galten den kleinen Leuten, schrieb er in seiner Autobiografie, und die liebten ihn aus einem einfachen Grund: Weil "du auf der Leinwand jemanden für sie darstellst, der sie in der Realität auch gern wären. In meinem Fall war der Identifikationsmechanismus sehr elementar: Ich war der Starke, der den arroganten Bösewichten Ohrfeigen verpasste und so die Schwachen rächt."

Dabei hatte er schon zwei oder drei Leben hinter sich, bevor es mit dem Film überhaupt losging: Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er mit seiner Familie in der Emigration in Südamerika, nachdem die Fabrik seines Vaters in Neapel den Bomben zum Opfer gefallen war. Als der Krieg vorbei war, kehrte er nach Italien zurück, legte das Jura-Staatsexamen ab, trat zwei Mal als Schwimmer bei den Olympischen Spielen an und schwamm als erster Italiener die hundert Meter Freistil unter einer Minute. Dann geriet er in eine Lebenskrise, ging zurück nach Südamerika und verdingte sich ein paar Jahre lang als Straßenarbeiter.

Erfinder der dreiläufigen Flinte

Pedersoli erzählte all diese unglaublichen Geschichten mit derselben Lakonie, die auch seiner berühmtesten Filmfigur zu Eigen war: Wie er einmal bei einer Preisverleihung von Deneuve und Depardieu geschnitten wurde, bis auf der Bühne nicht ihr Name fiel, sondern seiner. Wie er einmal im Apartheid-Südafrika einen schwarzen Jungen in ein weißes Restaurant brachte und daraufhin fast des Landes verwiesen wurde, woraufhin sich spontan eine Bud-Spencer-Solidaritätsdemo herausbildete. Und haben wir den Hubschrauberführerschein eigentlich schon erwähnt? Oder die dreiläufige Flinte, die er erfunden hat?

Carlo Pedersoli hat immer gesagt, dass ihn die Leute liebten, weil er auf der Leinwand etwas Einfaches, Einfältiges darstellte, mit dem sie sich leicht identifizieren konnten. Aber womöglich stimmt das nicht. Womöglich haben die Leute ihn nicht deshalb geliebt, weil sie in ihm das Gewöhnliche sahen, sondern das Besondere und Außergewöhnliche: Bescheidenheit im Angesicht großen Ruhms, Selbstironie, Nahbarkeit. Womöglich sahen sie in ihm genau die Größe, die er sich selbst bis zum Schluss nie angerechnet hätte. Am Montag ist Carlo Pedersoli im Alter von 86 Jahren gestorben.