Dieser Film über Sport endet stimmigerweise mit einem Tod. In Nepal verabschieden sich die Trauergäste von ihrem Angehörigen. Er starb in Katar auf einer Baustelle, wo er an einem Fußballstadion für die Weltmeisterschaft 2022 mitgebaut hatte. Offiziell ist er im Schlaf an Herzstillstand gestorben, doch an diese Version mag keiner der Trauernden glauben, denn der 28 Jahre alte Vater galt als kerngesund.

Auch Vertreter von NGOs bezweifeln die offizielle Version, weil der Sarg nicht der einzige ist, der aus Katar zurückkam. Solche Todesfälle geschehen dort ständig. NGOs vermuten, dass bis zur Fertigstellung in sechs Jahren 4.000 Arbeitsmigranten gestorben sein werden. Schuld sind die Hitze, aber auch die katastrophalen Sicherheitsvorkehrungen und Arbeitsbedingungen. Zudem arbeiten die Menschen zu niedrigsten Löhnen.

An den sklavenähnlichen Verhältnissen in Katar hat sich trotz jahrelanger Kritik nichts geändert. Auch die Fifa unternimmt nichts gegen sie. Sie verschickt lieber Hochglanzbilder wie jene, die uns bald aus Frankreich erreichen werden, wenn wieder Abermillionen Fans auf der ganzen Welt die Europameisterschaft genießen. Doch im Hinter- und Untergrund trägt das Business hässliche und kriminelle Züge. Bisweilen geht der Sport sogar über Leichen.

Dieser schmutzigen Seite widmet sich ein beeindruckender Dokumentarfilm, der jetzt in deutschen Kinos anläuft. Dirty Games ist das Debüt des 39-jährigen deutschen Fernsehjournalisten Benjamin Best, der sich einen Namen als Kenner des Sportbetrugs gemacht hat. Für seine Recherchen ist er zwei Jahre lang um die Welt gereist. Episodenhaft lässt er Aussteiger, Whistleblower und andere zu Wort kommen, die Einblicke in die Welt aus Korruption, Manipulation und rücksichtsloser Politik haben.

So entlarvt der ehemalige amerikanische Basketballschiedsrichter Tim Donaghy, der verbotenerweise auch auf eigene Spiele gewettet hatte, seinen Sport als "Broadway Show mit hübschen Cheerleadern". Detailliert schildert er, wie seine Gilde durch günstige Pfiffe die berühmten Mannschaften und Stars zu protegieren hat, damit der Umsatz steigt. Scheiden die nämlich früh aus, verdient der Verband weniger. "Es gibt nur eine Kultur in der NBA", sagt er, "die des Geldes."

Ein Höhepunkt des Films ist das Interview mit Charles Farrell, einem ehemaligen Boxmanager. Offenherzig gesteht er, Hunderte Kämpfe manipuliert zu haben. Er nennt die Codes, mit denen er Boxer zum Verlieren brachte: "Verlieren bringt Geld, Siegen kostet." Nach Farrells Darstellung war sogar Mike Tysons Sieg 1995 zum Comeback nach seiner Haftstrafe geschoben. Auf einen Tyson-Sieg nach 90 Sekunden wurden Millionen Dollar gesetzt, nach 89 war der Kampf vorbei, es war ein großer ökonomischer Erfolg für Tyson. "Es war das abgezockteste Manöver, das ich je gesehen habe", sagt Farrell. Nachdem er von der Mafia bedroht wurde, stieg er aus. Im Film hört man die Nachricht mit der verklausulierten Todesdrohung, die er auf seiner Mailbox gespeichert hat.

Zwangsenteignet für den Spaß der anderen

In einer anderen Szene steht ein Brasilianer genau auf der Stelle, wo einmal sein Haus stand. Die Regierung hat ihn für Olympia in Rio zwangsenteignet. Ähnliches passierte auch schon vor der Fußball-WM, die vor zwei Jahren in Brasilien stattfand.

Überhaupt die Fifa. Sie wird in Dirty Games besonders gewürdigt. So erzählt Bonita Mersiades von den Usancen bei der Bewerbung um einen WM-Austragungsort. Mersiades war als Mitglied des australischen Komitees verantwortlich für das Bewerbungsbuch. Das Zusammenstellen der Unterlagen hat sie viel Zeit und den Steuerzahler viel Geld gekostet. Nach der Abgabe, sagt sie, habe ein Berater, der sich mit solchen Bewerbungen gut auskennt, ihr dann erzählt, das Buch sei völlig unwichtig, werde nicht einmal gelesen. Die Mitglieder der Fifa müsse man anders überzeugen. Mit Geld.

Ein amerikanischer Staatsanwalt bezeichnet die Geschäftspraktiken der Fifa als Mafiastil. Doch er schränkt sich sofort ein. Er wolle die Mafia durch diesen Vergleich nicht diskreditieren. "Die Mafia würde nie so unverfroren und skrupellos verfahren."

Die Fifa und andere Mächtige des Sports kommen in Dirty Games nicht zu Wort. Sie neigen ohnehin zum Vertuschen und Verschweigen, zum Kleinreden und Beschwichtigen und zu Sonntagsreden auf Fairplay und die segnenden Wirkungen des Sports. Franz Beckenbauer etwa will in Katar keine Sklaven gesehen haben, wie ein inzwischen berühmt gewordenes Zitat von ihm lautet. Sogar auf das Einbinden solch selbstentlarvender Wortmeldungen hat Benjamin Best verzichtet. Sie fehlen nicht.

Dem Film wünscht man viele Zuschauer. Das könnte allerdings schwer werden, denn noch ist nicht abzusehen, ob Bests Film nach dem Kinostart auch im deutschen Fernsehen zu sehen sein wird. Ein Verantwortlicher eines deutschen Senders, sagt Best, habe ihm eine Ausstrahlung mit der Begründung abgesagt, er wolle seinen Zuschauern nicht die gute Laune am Sport verderben.