"Eine Schlacht ist unnötig", sagt Ramsay Bolton. "Steig einfach von deinem Pferd ab und knie nieder, ich bin ein Mann der Gnade." – "Du hast recht", antwortet Jon Snow. "Tausende von Männern müssen nicht sterben. Es muss nur einer von uns beiden sterben. Lass es uns auf die alte Art beenden: Du gegen mich."

Wie, fragt sich der geneigte Zuschauer, keine Schlacht? Dabei trägt diese neunte Folge der sechsten Staffel von Game of Thrones das Versprechen doch schon im Titel: Battle of the Bastards, Jon gegen Ramsay, Gut gegen Böse, unehelicher Sohn gegen unehelicher Sohn. Aber doch bitte nicht bloß im Duell zweier Männer!

Dafür haben die beiden Antagonisten doch ihre vielköpfigen Heere nicht Aufstellung nehmen lassen für den Kampf um die Festung Winterfell, das verlorene Zuhause der Familie Stark. Der Besetzer Ramsay Bolton weiß die zahlenmäßig überlegenen Truppen hinter sich; der potenzielle Befreier Jon Snow bloß das Recht: Die Boltons hatten den Starks Winterfell ebenso wie den Titel des "Wächters des Nordens" geraubt. 

Nun ist die Zeit der Rache gekommen und die der Abrechnung. Das Unrecht hatte in einer anderen neunten Folge seinen Lauf genommen, in der dritten Staffel von Game of Thrones. Während der legendären Red Wedding hatte unter anderem Ramsays Vater Jons Halbbruder Robb Stark ermordet. Blut muss wieder fließen, und zwar in großen, nein, riesigen Mengen.

Tut es dann auch. Gleich nachdem im weit entfernten Meereen alles so läuft, wie es vorauszuahnen war: Daenerys lässt ihre Drachen los gegen die Flotte der Sklavenhalter und unterwirft so einen weiteren Gegner auf ihrem Weg zur Weltherrschaft.

Etwas rascher als vielleicht vorauszusehen erreichen Yara Greyjoy und ihr Bruder Theon mit ihrer Flotte jene Stadt Meereen, um Daenerys ein Bündnis anzutragen: Die Drachenmutter hilft der mindestens drachenherzigen Yara bei der Rückeroberung der Iron Islands aus den Händen ihres Onkels und damit auf den Salt Throne in Pyke; Yara ihrerseits hilft Daenerys mit ihrer Flotte bei der Invasion von Westeros und damit auf den noch erheblich bedeutenderen Iron Throne.

Macht und Sex gehen Hand in Hand

Klingt nach einem guten Deal. Darauf geben sich die beiden Frauen die Hand, und diese Geste ist so zweideutig gefilmt, dass sie wie eine arg plumpe Andeutung der Dinge wirkt, die da kommen mögen: Macht und Sex, sagt dieses Szene, gehen bei Daenerys und Yara buchstäblich Hand in Hand (dass Yara auf Frauen steht, wissen wir spätestens seit vorvergangener Woche).

Den männlichen Protagonisten von Game of Thrones fehlt seit geraumer Weile die Zeit und Muße für sexuelle Aktivitäten, ihre Fleischeslust drückt sich fast nur mehr in Gewalt aus. Und was für eine Orgie nun folgt! Wohl seit der Eingangssequenz von Steven Spielbergs Der Soldat James Ryan, die die Landung der Alliierten in der Normandie aus der unmittelbaren Soldatenperspektive nacherzählte, hat es keine so brutal direkten Schlachtenbilder mehr gegeben, nicht im Kino und schon gar nicht im Fernsehen.