"Rome: Bevölkerung: 5.544" steht auf dem Ortsschild. In dieses Kaff in West Virginia verirrt sich höchstens, wer auf dem Highway die falsche Abfahrt genommen hat. Oder in eine aktuelle Mystery- oder Horrorserie geraten ist. Die Orte, an denen diese Geschichten spielen, heißen Bon Temps (True Blood), Mapleton (The Leftovers), Banshee (Banshee – Small Town. Big Secrets), Jupiter (American Horror Story, vierte Staffel) oder – wie im Fall der neuen Serie des The Walking Dead-Autors und Showrunners Robert Kirkman – eben Rome. Hier nistet sich das Böse bevorzugt ein.

In Outcast handelt es sich um einen Dämon, der von verschiedenen Bewohnern des Ortes Besitz ergreift. Zwei Männer versuchen ihn aufzuhalten: Kyle Barnes (Patrick Fugit), der selbst von den Geistern seiner Vergangenheit heimgesucht wird, und der trinkfeste Prediger Reverend Anderson (Philip Glenister).

Eine tragende Rolle kommt in Outcast auch dem Städtchen Rome zu. Das Ortsschild vor dem idyllischen Waldpanorama erinnert nicht zufällig an die Mutter aller Kleinstadtmystery-Szenarien, David Lynchs Twin Peaks. Es ist naheliegend, einen Zusammenhang zwischen dem Mythos der amerikanischen Kleinstadt und der aktuellen Popularität von Horrorserien zu sehen. In den vergangenen Jahren hat sich in den USA die Kluft zwischen den Städten und dem Hinterland nicht zuletzt politisch weiter vergrößert. Abseits der Metropolen, wo die Uhren anders ticken und Demoskopen das Herz des konservativen Amerikas verorten, ist das Leben noch überschaubar und unkompliziert. Hier gibt es von jedem Berufsstand genau einen Vertreter, der Sheriff kennt die Menschen beim Vornamen und Lokalpolitik wird mit robuster Bürgernähe praktiziert.

Der Horror, der sich im unmittelbaren, vermeintlich sicheren sozialen Umfeld manifestiert, übt in der Populärkultur seit jeher eine perverse Faszination aus. Amerikanische Kleinstädte erzählen pars pro toto auch die Mentalitätsgeschichte des Landes, denn im Vertrauten kommen die Abgründe besonders schön zur Geltung. Ähnlich wie im HBO-Hit The Leftovers fungiert auch bei Outcast die Kleinstadt als Nährboden für Gewalt und Paranoia. Die Provinz schlägt zurück.

Lyrische Splatter-Ornamente

Seit dem Blockbuster-Erfolg von The Walking Dead und dem Spin-off Fear the Walking Dead gilt Robert Kirkman neben dem Game of Thrones-Schöpfer George R. R. Martin als treibende Kraft hinter der wachsenden Popularität des  Mystery- und Fantasy-Genres. Fans von Kirkmans Zombie-Geschichten sollten ihre Erwartungen allerdings zurückschrauben. Outcast setzt weniger auf harte Survival-Pragmatik als auf düstere Southern-Gothic-Atmosphäre und psychologischen Horror – mit durchaus lyrisch anmutenden Splatter-Ornamenten.

Die Verunsicherung, der Horror und die Gewalt entspringen bei Outcast dem Hort der Familie. Als Kind wurde Kyle von seiner psychotischen Mutter schwer misshandelt, aber nur der Reverend kennt die wahren Hintergründe ihres Verhaltens. Die Mutter war von einem Dämon besessen, der Kyle seitdem zu verfolgen scheint. Er bemächtigte sich auch Kyles Frau, die von ihrem Ehemann nur unter größten, nun, Kraftanstrengungen exorziert werden konnte. Seitdem liegt gegen Kyle eine einstweilige Verfügung wegen häuslicher Gewalt vor, der ganze Ort tuschelt hinter seinem Rücken. Einziger Kontakt zur Außenwelt ist seine Halbschwester Megan. Als der Dämon nach Jahren wieder aktiv wird, bittet der Reverend Kyle um Hilfe.