Der kleine Junge schaut zum Himmel, dort kreist sein ferngesteuertes knallgelbes Flugzeug. In seinen Händen hält er die Fernbedienung. Doch dann taucht ein schwarzes Monster auf, es nimmt den Jungen ins Visier. Die Perspektive wandelt sich. Nun sieht man das Kind mit den Augen des fremdartigen Wesens. Mit den Augen einer Drohne. Der Junge versucht zu fliehen. Im Fadenkreuz des Apparats sehen die Zuschauer ihn wegrennen. Doch er kann der Drohne nicht entkommen. "Die Götter sehen Dich", sagt eine Stimme aus dem Off. "An die Stelle des Spielzeuges ist eine tödliche Waffe getreten. Ist sie unser Gott geworden?"

Drohnen als Schreckensgestalten am Himmel, als unheimliche Monster, gar als Götter? Die Regisseurin Karin Jurschik arbeitet mit starken Worten und mit starken Bildern. Ihre Dokumentation Krieg & Spiele nimmt die Zuschauer mit in eine harte, erschreckende Welt. In eine Welt, in der die Maschinen dem Menschen überlegen scheinen – und es vielleicht sogar sind.

Immer wieder verknüpft Jurschik in ihrem Film Spiel, blinde Technikbegeisterung mit realen Kriegsszenarien. Sie besucht Hobbypiloten, die Häuser ihrer Nachbarn mit der Kameradrohne fotografieren. Sie reist aber auch nach Israel, dem Land, das führend in der Entwicklung von unbemannten Waffensystemen ist. Bei Israel Aerospace (IAI) trifft sie Entwickler der ersten Militärdrohne. IAI baut heute unter anderem die Heron TP, eine mit Raketen bewaffnete Kampfdrohne, für die sich auch die Bundeswehr interessiert. Die Aufklärungsdrohne Heron 1 steigt bereits seit Jahren vom Flugfeld Masar-i-Scharif auf und späht für die deutsche Armee die Lage um ihr Feldlager herum aus.

In den Labors der israelischen Rüstungsindustrie spielt Jurschik ein Versteckspiel mit der Drohnentechnik. Ein Techniker stellt einen Tracker auf die Filmemacherin ein. Nun folgt ihr die Kamera automatisch auf Schritt und Tritt. Sie kauert sich hinter eine Wand, kommt wieder hervor und schon ruht der Blick der Kamera wieder auf ihr. Kameras für Tag, Nacht und ein Laserentfernungsmesser – alles in einer Kugel, die unter den unbemannten Flugzeugen hängt. Niemand, der Böses will, kann sich der Überwachung entziehen: Terroristen nicht, ebenso wenig brutale Verbrecher.

"Jeder Jugendliche, der öfter mal spielt, kann sie fliegen", sagt der Techniker. Die Drohnenpiloten betätigen Joysticks, schauen auf den Bildschirm und steuern das Gerät. Immer wieder flimmern Bilder von Menschen aus der Vogelperspektive über die Mattscheibe. Sie gehen am Boden ihrem normalen Leben nach. Sie fahren Auto, sie sonnen sich, sie schließen ein Gatter. Die Drohne über sich bemerken sie nicht. Der Mensch ist unterlegen.

"Wer gesehen wird, hat schon verloren"

Rüstungsindustrie, Militärs und Wissenschaftler empfangen die Regisseurin – nicht nur in Israel, auch in den Vereinigten Staaten. Sie bekommt Einblicke in eine sonst hermetisch abgeschottete Welt – in die Technik und in die Gedankenwelt der Manager und Ingenieure. Die Regisseurin setzt selbst eine Drohne mit Kamera ein. Sie vertauscht die Rollen: Sie ist Beobachterin und wird beobachtet. "Wer gesehen wird, hat schon verloren", sagt sie.

Bei General Atomics, dem US-Produzenten der Predator, darf das Filmteam in die Produktionshallen. Mehr als drei Millionen Flugstunden haben die Kampfdrohnen aus dem Konzern bereits absolviert. "Je mehr wir produzieren, desto mehr wird geflogen", sagt ein Manager. "Jeden Tag sind in jeder Sekunde 57 unserer Drohnen in der Luft." Im Film folgt die Kamera einer graulackierten Drohne, ihr Brummen wirkt bedrohlich, ein mächtiger Rotor treibt sie an. Eine mächtige Waffe, mit der Kriege gewonnen, Terroristen gejagt und Sicherheit erzeugt werden sollen. Der Manager spricht von Schutzengeln.