Welches Paar kann nach der Scheidung schon von sich sagen: Diese Ehe war das Beste, was uns passiert ist? Eigentlich könnten Brangelina – künftig dann wieder Brad Pitt und Angelina Jolie – sich heute gegenseitig in die schönen Augen schauen und sagen: That was great. Thank you so much!

Denn auch wenn sich Schmutzwäsche im Untergeschoss angesammelt haben mag, sind zwei Menschen dem Ideal einer Beziehung selten so nahe gekommen wie diese beiden, wenn man das Ideal mal humanistisch auffasst und danach streben will, sich Kraft gegenseitigen Respekts zu zwei besseren Menschen zu entwickeln. 

Erinnern wir uns: In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrtausends gab es ein Action-Adventure-Computerspiel mit schlechter Grafik und einer Heldin, die unnatürlich große Brüste hatte. Tomb Raider war ein Erfolg unter Gamern und wurde 2001 verfilmt mit einer Schauspielerin, die für diesen Blockbuster sicherlich auch aufgrund ihres schauspielerischen Könnens engagiert worden war, den meisten aber wegen ihrer besonders üppig geformten, äh, Lippen in Erinnerung blieb. Angelina Jolie war damals schlicht Lara Croft. Dabei hatte sie schon im Jahr zuvor einen Oscar erhalten – vorläufiger Höhepunkt ihrer Karriere, an der sie von Jugend an ehrgeizig gearbeitet hatte: Als Tochter von Schauspielern (ihre Taufpaten waren Jacqueline Bisset und Maximilian Schell) nahm sie bereits während der Schulzeit Schauspielunterricht am Lee Strasberg Institute. Ihren ersten Film drehte sie mit sieben. Ihren ersten Golden Globe erhielt sie 1998, da war sie gerade 22. Im Jahr 2003 bekam sie eine erste große internationale Auszeichnung, den Citizen of the World Award des Verbandes der UN-Korrespondenten, für ihr humanitäres Engagement in Kambodscha. Während des Drehs von Tomb Raider hatte sie offensichtlich nicht nur in der Maske gesessen. 

Drei Jahre nach Tomb Raider drehte sie einen weiteren Actionfilm. Diesmal eine Komödie, Mr. & Mrs. Smith. Jolies Filmpartner war der zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch ein wenig weltberühmtere Brad Pitt. Ein Typ, der sein Studium nur zwei Wochen vor Abschluss wegen seines Traums vom Ruhm hingeschmissen hatte und seinen Durchbruch schließlich schaffte als zuckersüßer Hallodri in Thelma & Louise. Ein Typ, der mit der ebenfalls ziemlich süßen Jennifer Aniston aus Friends verheiratet war, Hollywoods All-American-Paar des jungen Jahrtausends. Auch Angelina Jolie war zu dem Zeitpunkt schon zweimal die Ehe eingegangen, einmal mit Jonny Lee Miller, einmal mit Billy Bob Thornton, beide Schauspieler.

Als jedoch Jolie und Pitt 2004 aufeinandertrafen, schufen sie völlig neue Superlative: Die schönste Frau der Welt und der schönste Mann der Welt wurden das schönste Paar der Welt! Wow, kreischten alle und fanden's toll. Mehr als ein Jahrzehnt sollte die Beziehung halten. Die beiden hielten sich unter der Namenssymbiose Brangelina auch in Hollywoods Glamour-Gossip-Spalten, mit deren Mechanismen sie so professionell zu spielen verstanden, dass sie bald schon als Denkmal galten.  

Mehr als die Summe der beiden Teile

Das Paar verstand es perfekt, den professionellen Ehrgeiz beider zu bündeln und gemeinsam noch viel schlagkräftiger zu werden. Was jeder kennt, der schon mal heftig verliebt war, dieses Gefühl, gemeinsam die Welt aus den Angeln heben zu können, nahmen die beiden irgendwie zu wörtlich und erklärten sich und dem ganzen Rest, der ihnen zuhörte: Wir retten die Welt. 

Pitt und Jolie engagierten sich vor allem in Kambodscha und im ehemaligen Jugoslawien, aber auch für Flüchtlinge und Kinder in Sierra Leone und Tansania, in Afghanistan, in Thailand, in Ecuador. Über die Jahre adoptierten sie drei Kinder aus Krisenregionen. Sicher sollen Auftritte in einem Flüchtlingslager das Image vergülden. Das kann man eigennützig finden oder gar bigott. Immer aber lenkte der Auftritt des einen oder der anderen oder gemeinsam als Paar auch so viel Aufmerksamkeit auf die Arbeit der Hilfsorganisationen in der jeweiligen Region, dass die Spenden üppiger flossen. Auch von ihrem eigenen Vermögen spendeten Pitt und Jolie und sorgten dafür, dass die Medien davon erfuhren. Es war eine Win-win-win-Situation: für die Hilfsorganisationen, für Brangelina und für die Medien, die darüber berichteten.