Eine Umfrage im italienischen Teil des Freundeskreises ergab: Alle kennen Checco Zalone. Alle wissen, dass sein jüngster Film Der Vollposten in Italien unglaublich erfolgreich war. Keiner von ihnen hat den Film gesehen.

"'Leider kenne ich den Film nicht", schreibt G., selbst Drehbuchautor. "Aber Zalone ist extrem beliebt. Alle lieben ihn – außer den Cinefili, den Filmliebhabern". Deutlicher wird B., eine junge Filmkritikerin: "Ich persönlich hasse ihn, denn er benutzt die schlimmsten Vorurteile der Italiener." Unter den Facebook-Kommentaren zur Ankündigung einer Vorpremiere des Films in Berlin kann man sogar lesen: "Da flieht man aus Italien, um der Idiotie von Zalone zu entkommen, nur um sie hier wiederzufinden?!"

Wer hat Schuld an der Kinokrise?

Seit Monaten wird in Italien eine Debatte über die sogenannte Crisi del Cinema, die Kinokrise, geführt. Schuld seien die Zuschauer, meint der Regisseur Nanni Moretti , dessen jüngster Film Mia Madre eine kommerzielle Enttäuschung war. Schuld seien die Regisseure, schreibt sein Kollege Marco Giusti. Tatsache ist: Selbst die Filme eines international gefeierten Filmemachers wie Paolo Sorrentino locken keine Massen an die italienischen Kinokassen. Das schafft schon seit Jahren nur noch einer: Checco Zalone.

Mehr als 65 Millionen Euro hat die neue Komödie des Komikers in Italien eingespielt, mehr als neun Millionen Zuschauer haben ihn im Kino gesehen. Das sind mehr als bei Avatar und Titanic, das ist fast dreimal so viel wie die jüngste Fortsetzung von Star Wars, die in Italien Anfang des Jahres gleichzeitig mit Der Vollposten startete. Der Vollposten ist damit, so ist seitdem überall zu lesen, der erfolgreichste italienische Film aller Zeiten. Jetzt soll er auch in Deutschland funktionieren.

Ist das nun schlimm oder ist das harmlos? Erübrigen sich mäkelige Detailfragen, wenn Rekordzahlen eine so klare Sprache zu sprechen scheinen? Oder muss man sie dann erst recht stellen?

Zalone (der mit bürgerlichem Namen Luca Medici heißt) ist in seiner Heimat als singender Komiker der satirischen Fernsehsendung Zelig bekannt geworden. Der Vollposten ist die vierte Komödie, die er mit dem Regisseur Gennaro Nunziante gedreht und auch mit ihm geschrieben hat. Die Figur, die Zalone spielt, ist dabei stets die gleiche: Checco Zalone, Medicis Kunstfigur, ist zugleich naiv und voller Vorurteile. Manchmal gemein (zu Frauen, die ihm nicht schnell genug sein Essen bringen), noch öfter trottelig, worauf der auffällig offenstehende Mund und ein demonstrativ debiler Gesichtsausdruck unmissverständlich hinweisen. Schon allein diesen Menschen als italiano medio, als Durchschnittsitaliener, zu bezeichnen, könnte ja Diskussionen hervorrufen. Doch komischerweise scheinen sich alle einig zu sein.