Mehrere tausend kreischende Mädchen kurz vor der Ohnmacht, auf einer kleinen Bühne davor vier adrett gekleidete Jungs mit ihren Instrumenten, charmant lächelnd: Die Bilder der Beatlemania sind allseits bekannt und sitzen fest in unserem kollektiven Gedächtnis. Auch die nur gut zehnjährige Bandgeschichte mit ihren vielen pophistorischen Meilensteinen ist ausgiebig beleuchtet. Was kann einem eine Dokumentation über die vier Pilzköpfe nach Hunderten von Büchern, Spiel- und Dokumentarfilmen, akribisch editierten Plattenveröffentlichungen und sogar mehreren Comics noch Neues erzählen? Zumal bereits 1995 Anthology erschien, eine bereits seit dem Ende der Beatles im Jahr 1970 geplante Dokumentation. Mit sagenhaften zehn Stunden Laufzeit gilt sie als amtliches Endergebnis der historischen Forschung, mit dem wirklich alles gesagt ist. Doch es kommt wie immer nicht nur auf das Was, sondern vor allem auf das Wie an.

Da ist es schon mal eine kluge Entscheidung von Regisseur Ron Howard, in seiner Kinodokumentation Eight Days a Week den Blick auf die touring years, also auf die erste Hälfte der Bandkarriere bis 1966 zu richten. Howard hält sich nur kurz und impressionenhaft mit den frühen Hamburger Jahren auf, als die Beatles noch Rock 'n' Roll spielten und mit Tolle, Lederjacke und Sonnenbrille wenig mit der späteren Beatband gemein hatten. Erst gar nicht erwähnt werden Pete Best, Schlagzeuger bis kurz vor dem Durchbruch der Band in England, und Stuart Sutcliffe, Gründungsmitglied und erster Bassist der Band.

Stattdessen stürzt sich der Film gleich in die Beatlemania, die von den ersten Erfolgen Ende 1962 über den Durchbruch in den USA bis zu den großen Welttourneen in den Jahren 1965 und 1966 reicht. Howard fängt das entwaffnend sonnige Gemüt der Fab Four in zeitgenössischen Interviewschnipseln und Ausschnitten von Pressekonferenzen ein, immer begleitet von der stetig zunehmenden Hysterie der Fans. In den zahlreichen Ausschnitten von Fernseh- und Konzertauftritten nimmt sich Howard Zeit, die Stücke auszuspielen. Bemerkenswert ist die Qualität des Bildmaterials: Die digital restaurierten Filmausschnitte scheinen einen in die Mitte des Konzertsaals zu tragen, während das Fotomaterial im Kinoformat eine unglaubliche Intimität suggeriert, wenn die vier Sunnyboys im Hotelzimmer chillen oder im Studio rumfeixen. Dafür hätte es nicht mal den tricktechnischen Gimmick bewegten Zigarettenrauchs gebraucht.

Den dramaturgischen Bogen vom ersten Erfolg über die gigantischen Stadionkonzerte in den USA bis zum Ende der touring years hat Ron Howard im Griff. Das kann er als  Regisseur von actionreichen Filmen wie Rush, von der Moby Dick-Adaption Im Herzen der See und den Dan Brown-Verfilmungen Da Vinci Code, Illuminati und demnächst Inferno, der nur einen Monat nach der Beatles-Doku in die deutschen Kinos kommt. Howard konzentriert sich auf den Humor der vier, auf ihre enge Freundschaft und zeigt den lockeren Umgang mit dem plötzlichen Erfolg und der sich anbahnenden Hysterie, die die Beatles bereits 1964 in der Mockumentary A hard Days Night persiflieren.

Dann stellt der Film dem grenzenlosen Jubel die Krisen der 60er Jahre entgegen. Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Attentats auf John F. Kennedy, des Vietnamkriegs und den Rassenunruhen erobern die Beatles als erste britische Band die USA. Als Durchbruch gilt ihr Auftritt in der Ed Sullivan Show Anfang 1964 vor einem begeisterten und überwiegend weiblichen Studiopublikum und 73 Millionen TV-Zuschauern.

Die Beatles zu lieben war leicht: Ihre großen Popsongs waren Liebeslieder, die auch dann noch optimistisch klangen, wenn darin "Help me if you can, I'm feeling down" gesungen wurde. Und sie hatten einnehmende Persönlichkeiten. Das wirkt bis heute: Sigourney Weaver erzählt in Eight Days a Week ergriffen von ihrem Besuch als Teenager auf dem legendären Hollywood Bowl-Konzert in L.A. (das anlässlich des Filmstarts in einer neuer Abmischung erscheint, die wie im Film das Gekreische der Fans etwas in den Hintergrund drückt). Auch Whoopi Goldberg strahlt, wenn sie sich an das Konzert im Shea Stadium in New York erinnert, das sie als Kind erleben durfte. Für Schwarze war es 1965 keine Selbstverständlichkeit, ein großes Popkonzert zu besuchen, noch dazu das einer weißen Band. "Die Beatles waren für mich nie eine weiße Band – sie waren einfach die Beatles", sagt sie.