Der Schauspieler Hilmar Thate ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 85 Jahren, wie die Akademie der Künste in Berlin unter Berufung auf den Familienkreis mitteilte. Um Thate und seine Ehefrau, Paul-und-Paula-Star Angelica Domröse, war es still geworden: Seit 40 Jahren waren sie das glamouröse Film-Traumpaar der DDR, zuletzt lebten sie aber sehr zurückgezogen.

Thate hatte von Anfang der 1950er bis Ende der 1970er Jahre das Theater der DDR mit Rollen in Stücken von Brecht oder Shakespeare geprägt, zudem war er ein wichtiger Darsteller in Filmen von Kurt Maetzig und Konrad Wolf. Nach seinem Protest gegen die Ausweisung von Wolf Biermann wurde er aber kaum noch besetzt, woraufhin er die DDR 1980 mit Angelica Domröse verließ. Eine zweite Karriere begann Thate im Theater der BRD sowie in Filmen von Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff.

Als aufmüpfiger Landwirt Daniel Druskat stellte er sich im DDR-Fernsehen Manfred Krug als Gegenspieler entgegen. Im wiedervereinigten Deutschland gewann Thate als Der König von St. Pauli ein großes Fernsehpublikum. Am Theater brillierte der Darsteller als Mephisto und feierte als Richard III. einen seiner größten Bühnentriumphe.

"Hilmar Thate war ein leidenschaftlicher Schauspieler, der seine körperlich kraftvollen Darbietungen oft mit Ideenwelten verband, die das Gezeigte infrage stellten oder kommentierten", sagte Akademie-Präsidentin Jeanine Meerapfel. "Wir werden ihn, seine sonore Stimme, seine glasklare Haltung zum gesellschaftspolitischen Geschehen, seine unverwechselbare Figur, sehr vermissen."

Ob shakespearescher König, halbseidene Rotlicht-Größe oder Vorsitzender einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft in der DDR – Thates Bandbreite als Schauspieler war legendär. Nach außen eher ruppige Charaktere mit großer emotionaler Tiefe waren die Spezialität des Darstellers.

"Ein Kriegskind und nicht verwöhnt"

Für Rainer Werner Fassbinder stand er für das Drama Die Sehnsucht der Veronika Voss vor der Kamera, das 1982 den Goldenen Bären der Berlinale gewann. In Volker Schlöndorffs Der neunte Tag (2004) spielte Thate den Bischof Philippe: In nur wenigen, zurückgenommenen Auftritten gelang es dem Schauspieler mit seinem feinen Spiel, die Not eines Gottesmanns im Banne des deutschen Faschismus zu reflektieren.

Sein Debüt hatte Thate 1949 am Theater in Cottbus gegeben. Schon drei Jahre später spielte er erstmals in Berlin – rasch wurde er einer der gefeierten Bühnenstars der DDR. "Ich bin ein Kriegskind, nicht verwöhnt und hatte Glück", sagte Thate.

Von 1959 bis 1970 war Thate am Berliner Ensemble, danach bis 1980 am Deutschen Theater in Berlin. Parallel zu seiner Theaterarbeit stand er regelmäßig vor der Kamera. Es entstanden Kinofilme wie Das Lied der Matrosen (1959), Der geteilte Himmel (1964) und Wahlverwandtschaften (1974). Mit TV-Filmen wie dem Mehrteiler Daniel Druskat (1976) wurde Thate zum Publikumsliebling.

Protest gegen Biermanns Ausbürgerung

Dann schob das SED-Regime Thate und Domröse aufs künstlerische Abstellgleis. Grund war die spektakuläre Protesterklärung von zahlreichen DDR-Künstlern gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976, die auch die beiden unterzeichnet hatten. "Ich bereue im Nachhinein nicht eine Sekunde, diese Unterschrift geleistet und nicht zurückgenommen zu haben", sagte Thate. Doch der Druck wurde zu groß: Das Ehepaar stellte einen Ausreiseantrag und siedelte 1980 in den Westen über.

Dort fanden Thate und Domröse eine neue Heimat am Westberliner Schillertheater und am Schlosspark Theater, wo sie in Wer hat Angst vor Virginia Woolf? auf der Bühne standen. Die Hauptrolle in Peter Zadeks Sensationserfolg Jeder stirbt für sich allein (1980) und sein packender Auftritt in Die Sehnsucht der Veronika Voss sicherten Thate auch in Westdeutschland einen unangefochtenen Starstatus.

Thate arbeitete mit Regisseuren wie George Tabori und Ingmar Bergman zusammen. Zuletzt war er in dem Kinofilm Hitlerkantate (2005) zu sehen: Darin spielt er einen regimekritischen Komponisten, der sich in eine glühende Hitler-Verehrerin verliebt.