Als Jeans-Model mit grimmigem Blick und Waschbrettbauch prangte der Schachspieler Magnus Carlsen vor sechs Jahren auf den Werbetafeln Europas, Weltmeister ist er seit 2013, nun kommt er ins Kino. Magnus heißt der Dokumentarfilm über den Werdegang des norwegischen Wunderkindes.

Die Weglassung seines Nachnamens verspricht eine Nähe, die sich tatsächlich einstellt. Die Kamera sieht Klein-Magnus im Kreise seiner Lieben über norwegische Hügel hüpfen, den Pubertierenden das Familiensofa blockieren ("Nimm die Beine mal da weg!") und den Weltmeister samt halbnackter Schwestern auf dem Deck eines Sportbootes vor einer exotischen Küste dümpeln. Erfolg kann so schön sein.

Es ist ein Film, in dem nichts gespielt ist, aber ständig gespielt wird:  Tischtennis, Fußball, Volleyball, Karten, Schach …  Ob noch Knirps oder schon Meister, der Held ist immer in Bewegung, draußen in kurzen Hosen oder auf Flügen rund um den Globus, wenn er nicht gerade regungslos den Blick in die Ferne richtet, in Gedanken mit einer schwierigen Stellung beschäftigt.

Einmal im Film wird er gefragt, wann er an Schach denke. Eigentlich immer, sagt er. "Auch jetzt?" – "Ja."

Schach ist ein Kinderspiel, wenn man damit anfängt, und eine mörderische Herausforderung, wenn man es ernst nimmt. Magnus Carlsen ist dreizehn, als er in Island auf den früheren Weltmeister Garri Kasparow trifft und ihn ins Schwitzen bringt. Man sieht den bulligen Mann grübeln und grimassieren und sich an den Kopf fassen. Er kann nicht glauben, was das Jüngelchen vor ihm da an Zügen aufs Brett bringt. Magnus steht indessen auf und sieht sich im Spielsaal um. Das ist wirklich cool. Der Kleine trotzt dem Großen ein Unentschieden ab. Danach weiß er, was er will, und sagt es auch: Weltmeister werden.