Der bekannte polnische Filmemacher Andrzej Wajda ist tot. Wie das polnische Filminstitut auf seiner Webseite mitteilte, starb er im Alter von 90 Jahren. "Es ist ein riesiger Verlust für die polnische Kultur", befand das Institut und würdigte Wajda als "große und außerordentliche Persönlichkeit der polnischen Filmkunst".

Der Theater- und Filmregisseur hatte bis zuletzt gedreht – vor wenigen Monaten erst waren die Arbeiten an seinem jüngsten Werk Powidoki (Nachbilder) beendet worden. Der von der Biografie des Avantgardekünstlers Władysław Strzemiński (1893-1952) inspirierte Film ist Polens Oscarkandidat für den besten fremdsprachigen Film. "Ich habe einen Film gemacht, der zeigt, dass das Eingreifen in die Kunst nicht Aufgabe der Regierung ist", hatte Wajda in einem Interview gesagt.

Zahlreiche polnische Schauspieler und Filmschaffende, die mit Wajda zusammengearbeitet hatten, trauerten um den verstorbenen Theater- und Filmregisseur. Sie würdigten ihn als "Meister seiner Kunst", "große Autorität" und "Mentor". Das polnische Kino werde lange um ihn trauern, hieß es. Medienberichten zufolge war Wajda krank gewesen und vor wenigen Tagen in ein Krankenhaus gebracht worden. "Wir haben gehofft, dass er wieder rauskommt", sagte der polnische Drehbuchautor und Regisseur Jacek Bromski dem Sender TVN 24. Wajdas Tod sei für ihn überraschend gekommen.

Die komplizierte Geschichte seiner polnischen Heimat prägte immer wieder Wajdas Werk. Der in Suwałki in Nordostpolen geborene Wajda hatte an der Filmschule in Łódź studiert. Bereits seine ersten Filme – Eine Generation (1955), Der Kanal (1957) und Asche und Diamant (1958) – gelten bis heute als Meisterwerke und Klassiker der polnischen Filmschule. In diesen Filmen setzte sich der Regisseur, der selbst am Widerstand gegen die deutsche Besatzung teilgenommen hatte, mit der Kriegszeit und der Machtübernahme durch die Kommunisten nach 1945 auseinander.

Oscar für das Lebenswerk im Jahr 2000

Sein Klassiker Der Mann aus Marmor aus dem Jahr 1977 war eine schonungslose Kritik am stalinistischen System in Polen. Der Mann aus Eisen arbeitete 1981 die Geschichte der Streiks an der polnischen Ostseeküste und das Ringen um freie Gewerkschaften auf. Abschluss der Danziger Trilogie war vor drei Jahren die Filmbiografie Wałęsa. Mann der Hoffnung.

Wajda porträtierte Janusz Korczak, den Schriftsteller und Pädagogen, der mit seinen Schützlingen des Waisenhauses im Warschauer Ghetto im deutschen Vernichtungslager Treblinka ermordet wurde. Mit Das Massaker von Katyn (2007) setzte Wajda Tausenden polnischen Offizieren, die 1940 vom sowjetischen Geheimdienst erschossen worden waren, ein Denkmal. Es war auch die filmische Aufarbeitung eines ganz persönlichen Traumas: Unter den Opfern des Massakers befand sich auch Wajdas Vater, ein Kavallerieoffizier.

Manche Kritiker warfen Wajda vor, er sei bis zum Ende des Kommunismus im Jahr 1989 zu viele Kompromisse mit den Kommunisten eingegangen. "Ich war die Stimme der Nation, die nicht frei sprechen konnte", konterte der Regisseur. Ohne seine Filme hätte es 1980 die Freiheitsbewegung Solidarność nicht gegeben.

Wajda machte auch einen vorübergehenden Ausflug in die Politik und saß zwei Jahre lang als Senator für die Solidarność in der zweiten Kammer des polnischen Parlaments. Im Jahr 2000 wurde der Regisseur für sein Lebenswerk mit dem Oscar ausgezeichnet. Im Jahr 2006 würdigte ihn die Berlinale mit dem Goldenen Ehrenbären.