Erinnert sich noch jemand an die depressive Vulva aus Sex and the City, jene Serie über vier Frauen um die Jahrtausendwende? Eine von ihnen glaubt, eine vaginale Pilzinfektion zu haben ("juckt, schmerzt, brennt"), aber ihre Frauenärztin verschreibt ein stimmungsaufhellendes Medikament. Beim gemeinsamen Mittagessen scherzen ihre Freundinnen, wie sich so eine Depression wohl auswirkt: "Ist deine Vulva unpünktlich? Will sie ständig Schokolade?" Dann werden sie ernst: "Vielleicht ist sie traurig, weil du sie nie richtig anschaust?" 

Das ist jetzt 15 Jahre her. Aber es reicht, ein paar Folgen gesehen zu haben, um bei der neuen Serie Insecure ziemlich oft zu meinen: Das kommt einem bekannt vor! Zum Beispiel gleich zu Anfang. Da unterhalten sich die beiden Protagonistinnen Issa und Molly in einem Restaurant. Molly fragt sich, wie sie Sex richtig dosieren kann, damit Typen nicht gleich wieder abhauen. Issa überlegt, ob Molly schlicht pussy broken ist, zu Deutsch: zu oft von Männern enttäuscht worden. 

Willkommen zurück beim Pussy-Talk! Lange hat niemand mehr so offen und unterhaltsam im Fernsehen über weibliche Alltagssorgen gesprochen wie jetzt bei Insecure. Es geht um Fremdgehen, darum, wie man zweifelhafte Berühmtheit auf YouTube erlangt, um Sex in einem Musikstudio, um den richtigen Lippenstift. Es ist so wichtig, das zu betonen, denn es könnte leicht passieren, dass man all dies nur verschwommen wahrnimmt. Dass sich stattdessen das besondere politische Merkmal dieser Serie in den Vordergrund schiebt und alles überdeckt: Dass nämlich sämtliche wichtige Rollen mit schwarzen Darstellerinnen und Darstellern besetzt sind – im Zentrum Issa Rae, die die Serie auch schreibt und produziert. Man könnte also versucht sein, Insecure vor allem als "schwarze" Serie zu sehen.

Gleich vorweg: Insecure macht keinen Hehl daraus, dass Schwarzsein ein großes Thema ist. Die Hauptfigur Issa (Issa Rae), gerade 29 geworden, arbeitet für einen Verein in Los Angeles, der sich um benachteiligte schwarze Jugendliche kümmert. Issa ist die einzige schwarze Mitarbeiterin, und sie ist genervt davon, dass ihre Kolleginnen von ihr erwarten, eine Art Übersetzerin für die Bedürfnisse der Kids zu sein, die sie alle betreuen. Ihre beste Freundin Molly (Yvonne Orji) arbeitet als Anwältin in einem Unternehmen und soll einer neuen schwarzen Mitarbeiterin verklickern, nicht so affektiert "schwarz" zu reden.

Issas Freund Lawrence (Jay Ellis) hat einen Uniabschluss, doch mit seinem Start-up klappt es nicht. Schließlich heuert er als Computerverkäufer an – immer noch besser als arbeitslos zu sein. Dieses Bild: Der blaue Overall, der Ton, in dem sein weißer Boss ihn herumkommandiert – es zeigt einen tiefen Zweifel. Es ist das titelgebende Gefühl von Unsicherheit und Hilflosigkeit: Denn für Schwarze in Amerika ist im Herbst 2016 noch immer einiges im Argen.

Wenig Platz für schwarze Frauen in den Medien

Die Gewalt gegen Schwarze durch Polizisten und Richter; die Wut vieler schwarzer Bürger auf das System; die Protestbewegung #BlackLivesMatter; die Studierendenaufstände gegen Diskriminierung an den Unis – all das hat in den letzten Jahren gezeigt, wie latent rassistisch die amerikanische Gesellschaft denkt und handelt.

Die Medien sind da keine Ausnahme: Weiße Schauspieler, Produzenten, Comedians dominieren das Fernsehen. Schwarze bekommen nur selten eine eigene Fernsehshow. 2014 gewann zwar 12 Years a Slave den Oscar für den besten Film, aber in den letzten zwei Jahren wurde kein schwarzer Schauspieler nominiert. Schwarze Frauen sucht man in der Branche noch mühsamer als schwarze Männer. Straight Outta Compton, einer der wichtigsten Filme der letzten Jahre über Polizeigewalt an Schwarzen ist fast ausschließlich mit Männern besetzt.