Zwei Alben, ein Unplugged-Konzert, ausverkaufte Tourneen, Mottos für Millionen Jutebeutel und unüberlegte Tattoos: der Musiker Cro aus Stuttgart hat mit seiner Mischung aus Rap und Pop, "Raop" genannt, den Soundtrack für eine ganze Generation und für Mittelstufenpartys zwischen dem Schwarzwald und Schleswig-Holstein geschaffen. Er selbst versteckt sich hinter einer Tiermaske, nur sein Klarname Carlo Waibel und ein frühes Foto sollen zeigen, dass hinter dem Image ein echter Mensch steckt.

Was will dieser Panda? Das ist genau die Frage, die der Film Unsere Zeit ist jetzt nicht beanwortet. Als Kinodebüt des Stuttgarter Rappers angekündigt, erzählt die Komödie eigentlich die Geschichte dreier junger Menschen, die nach sanften Gefühlsgewittern lernen, was sie im Leben wollen: sie selbst sein nämlich. Was das heißt, das lernen sie von Cro, dem netten Pandageist. Der Spielfilm ist ein zweistündiger Werbeclip für Cros Musik, als Kunst und als Lebensgefühl.

Anlass für die Handlung des Films ist eine fiktionale Werbekampagne. Cro und sein Label Chimperator, das auch in echt sein Label ist, schreiben einen Wettbewerb für die beste Filmidee aus, die sich um die Figur – das Produkt – Cro dreht. Kreative aus dem ganzen Land folgen dem Sirenenruf, der Film konzentriert sich auf drei von ihnen. Die Regiestudentin Vanessa (Peri Baumeister) schlägt eine eher banale Konzertdokumentation vor; der liebenswerte Schwerenöter Dawid (David Schütter) eine Satire auf einen imaginierten alten, in die Jahre gekommenen Cro, der es noch einmal wissen will. Der von seinem Versicherungsjob frustrierte Comiczeichner Ludwig schließlich will in einem Zeichentrickfilm die Vorgeschichte von Cro erzählen. Weil Labelboss Sebastian Schweizer (er spielt sich selbst) und Cro diese Ideen so gut gefallen – und weil es sonst keinen Film gäbe –, bekommen alle drei die Chance, ihre Konzepte zu verwirklichen.

Das gibt Regisseur Martin Schreier in seinem ersten Kinofilm die Gelegenheit, den Cro-Komplex von drei Seiten anzugehen. Nicht unelegant verzahnt er authentische Konzertaufnahmen, die Cartoon-Vorgeschichte und die Satire über den alten Cro. Der letzte Teil ist der erhoffte Coup des Films: Til Schweiger mimt den alten Cro, der mit 50 nicht mal ein Bierzelt füllen kann. Schweiger spielt diese Rolle gekonnt schweigerhaft, abwechselnd glatt und vage hoffnungslos. Dass man auch aus dem Klischee des abgehalfterten, selbstsüchtigen Stars etwas Neues machen kann, zeigt die Netflix-Serie BoJack Horseman, in der ein schauspielerndes Pferd auf zwei Beinen gegen Depression und verblassten Ruhm kämpft. Im Vergleich dazu hat Unsere Zeit ist jetzt nicht mehr zu erzählen als die Banalität, dass keine noch so große Villa das Loch in der Seele füllen kann. Das Cartoonpferd hat mehr Seele als der Panda.

Vielleicht ist dieser Hang zur Oberfläche auch nur ein Metakniff, denn Dawid, die Figur dahinter, dümpelt im gleichen Selbstmitleid umher: Er schläft mit Frauen, die er nicht liebt, und die Frau, die er liebt, mit der kann er nicht schlafen. Das gleiche Problem hat Cartoonist Ludwig, nur mit weniger Sex. Das Objekt der Begierde und der Erlösungshoffnungen ist Vanessa, das emotionale Herz des Films.

Vanessa wird als sympathisch zwangsneurotisch und etwas "merkwürdig" eingeführt und erklärt dann dem flirtenden Dawid und dem Publikum, dass sie das Asperger-Syndrom hat und Autistin ist. Deswegen hat sie Probleme mit Ironie und wortloser Kommunikation, mag dafür aber Popcorn. Die Figur ist ein Wagnis, und tatsächlich verrät der Film die Lebensrealität einer Person mit Autismus, Zwangsneurosen und Angststörungen immer wieder an einen vermeintlich poetischen Effekt.

Dem traurigen Protagonisten die Traurigkeit nehmen

So wird Vanessa während eines Konzerts, das sie filmt, von Publikum und Sinnesreizen überwältigt und erleidet eine Panikattacke. Sie läuft davon und macht einen Handstand. "Ich versteh das schon", beruhigt sie der Cartoonist Ludwig großzügig, "deine Welt steht Kopf und deswegen musst du Kopf stehen, damit sie wieder in die Balance kommt." Tatsächlich gibt es reale Übungen, mit denen Angstpatienten Attacken kontrollieren und eindämmen können, indem sie zum Beispiel mit schnellen Drehbewegungen Schwindelgefühl erzeugen, um sich selbst zu desensibilisieren. Dass jedoch noch diese Technik aus der Verhaltenstherapie putzig verkitscht wird, belegt, dass dem Film trotz aller Schulterklopfer für den scheinbar normalen und aufgeklärten Umgang mit einer Asperger-Figur wenig daran gelegen ist, ein ehrliches Bild des Symptoms zu zeigen.

Der Filmkritiker Nathan Rabin nennt solche Figuren Manic Pixie Dream Girl: Sie haben kaum eine eigene Reise, sondern vor allem die Aufgabe, dem traurigen Protagonisten die Traurigkeit zu nehmen. Sie springen mit 25 noch Hüpfseil, hören die Musik, von der sich ernsthafte junge Männer wünschen, dass ihre Freundinnen sie hören, und haben lustige Marotten. Deswegen darf Vanessa den anderen Protagonisten bei deren emotionalen Durchbrüchen helfen, aber nicht die eigentliche Hauptfigur sein. Schließlich ist das ein Jungsfilm.