Der Ablauf dieses Films ist flott erzählt. Erstens: Eine Familienidylle. Zweitens: Der Teufel tritt auf. Drittens: Sehr ausgiebiges und spektakuläres Feuerwerk, reichlich garniert mit "Oh shit"-, "Oh my God"- und "Holy shit"-Ausrufen. Viertens: Ein gemeinsames Gebet. Und fünftens: Die Familienidylle, leicht getrübt durch einen Schleier aus Tränen. Ziemlich viel Gott und dessen Gegenspieler also, aber warum nicht? Schließlich geht es hier auch um ein Verbrechen an der Schöpfung. Am 20. April (noch so ein unheiliges Datum!) 2010 kommt es auf der Bohrplattform Deepwater Horizon, 70 Kilometer südöstlich der US-Küste im Golf von Mexiko zu einem so genannten Blowout: Gas und Öl schießen unkontrolliert an die Oberfläche; die Folge sind gewaltige Explosionen, elf getötete Arbeiter, Millionen Liter ausgelaufenes Öl und eine Umweltkatastrophe gewaltiger Dimension. Ein Stoff wie gemacht für ein Heldendrama, für Männer in ärmellosen Shirts mit rußigen Gesichtern und unbändigem Überlebenswillen.

Die Drehbuchautoren Matthew Sand und Michael Carnahan haben aufwändige Recherchearbeit geleistet; der Regisseur Peter Berg hat daraus dann einen maßgerechten Blockbuster gezimmert, der wie am Schnürchen herunterläuft. Erstens: Die Idylle. Ingenieur und Chef-Elektroniker Mike Williams (Mark Wahlberg) hat ein Häuschen, eine schöne Frau (Kate Hudson) und die unvermeidliche schlagfertig-altkluge Tochter. Wer auch immer dafür gesorgt hat, dass dieser Typus des unerträglich smarten Kindes zum Pflichtinventar gehört – es möge ihn der Blitz treffen. Das Schlimmste für Mike: Seine Familie immer wieder verlassen zu müssen, um an seinen Arbeitsplatz auf der Plattform zuzurückzukehren. Das Schönste für Mike: Immer wieder zu seiner Familie zurückzukehren. Freude und Leid sieht man Mark Wahlberg im Übrigen nur mit Mühe an, weil er im Grunde nur über einen einzigen, nicht allzu cleveren Gesichtsausdruck verfügt.

Kino - "Deepwater Horizon" (Trailer) © Foto: Studiocanal

Ab auf die Plattform also, zusammen mit einigen anderen Figuren. Der Bohrinsel-Arbeiterin Andrea Fleytas (Gina Rodriguez) zum Beispiel, die später diejenige sein wird, die das Unglück nach draußen meldet. Oder der ebenfalls unvermeidliche alte Haudegen: Mr. Jimmy, der Offshore Installation Manager und Übervater der Bohrinsel. Das erledigt ein zum knurrenden alten Wolf gealterter Kurt Russell, und zwar ziemlich großartig: rotes Gesicht, Reibeisenstimme, kurze Ansagen. Instinktgeleitet, schmerzbefreit. Dann der Teufel, Donald Vidrine, BP-Vorstandsmitglied. BP hatte die Deepwater Horizon von der Firma Transocean gemietet. Die Arbeiten waren in Verzug geraten. BP erwartete Geld.

Und da kommt Vidrine ins Spiel. John Malkovich kann ja bekanntlich einen Kleiderständer spielen und wäre trotzdem noch großartig. Hier hat er natürlich eine Paraderolle. Er ist der Mann, der die Crew unter Druck setzt, die Probebohrungen entgegen allen Warnungen fortzusetzen. Dieses dünne, schmallippige Lächeln, das das Zahnfleisch am Oberkiefer leicht entblößt. Diese undurchdringliche Firnis von Höflichkeit und geheucheltem Interesse am Wohlergehen der Belegschaft. Selbstverständlich ist auch Vidrine die Klischeefigur eines gierigen, rücksichtslosen Managers. Nur merkt man das Malkovich nicht an.

Ob mit oder ohne Bein

Alles geht seinen Gang. Williams bastelt vor sich hin und skypet zwischendurch mit seiner Frau; Jimmy flucht, weil mal dies, mal das nicht funktioniert, Vidrine lächelt vor sich hin – und irgendwann tut es dann den gewaltigen Knall. Von diesem Zeitpunkt an ist der Film Deepwater Horizon ein Fall für die Pyroabteilung, die Maskenbildner und die Spezialeffekte. Es rumpelt und explodiert, brennt und zischt an allen Ecken und Enden. Holy shit! Kurt Russell wandelt sich vom Leitwolf zum Schmerzensmann; Marky Mark Wahlberg darf sehr oft sehr viele Muskeln zeigen und rettet am Ende natürlich auch das Leben von Andrea Fleytas, indem er sie dazu zwingt, ihre Ängste zu überwinden. Wenige Schurken auf der Deepwater Horizon, dafür aber ziemlich viele Helden und Märtyrer. Und Sätze, die im Gedächtnis haften bleiben dürfen: "Du kommst mit, ob mit oder ohne dieses Bein."

Kaum ein Land definiert die eigene Stärke und Identität so sehr über Katastrophen wie die USA. Der Einbruch des Katastrophischen, selbst wenn dieses hausgemacht sein sollte, stärkt den Zusammenhalt, den Korpsgeist, den Familiensinn. Als das große Feuerwerk vorbei ist und fast alle, bis auf elf, wieder beisammen sind auf dem Rettungsschiff, knien sie nieder und beten gemeinsam das Vaterunser, während über ihren Köpfen die amerikanische Flagge weht. Mehr Schwulst geht nicht mehr. Regisseur Berg vereint die Sphären des Fiktionalen und des Dokumentarischen, indem er seinen Film mit Tonprotokollen aus dem Deepwater-Prozess beginnen und mit der Einblendung von Fotografien der getöteten Arbeiter enden lässt. Gerade Letzteres hat etwas zutiefst Manipulatives einerseits und Sentimentales andererseits. Da wünscht man sich fast das gewaltige Pyrofeuerwerk zurück.