Nach dem Putschversuch in der Türkei wurden Zehntausende Staatsbedienstete suspendiert und mehr als 8.500 Menschen festgenommen, bevor der Ausnahmezustand verhängt wurde. Unter den Festgenommenen ist auch eine Richterin, die dagegen Klage am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einreichte. Die  30-Jährige war zwei Tage nach den Ereignissen vom 15. Juli entlassen und vorläufig festgenommen worden. 

Der Gerichtshof, der sich zum ersten Mal mit den Ereignissen vom 15. Juli in der Türkei befasste, entschied, dass die Klägerin zunächst vor dem türkischen Verfassungsgericht gegen ihre Festnahme klagen müsse.  Das Ausschöpfen aller nationalen Instanzen ist eine der Voraussetzungen, damit Beschwerden in Straßburg angenommen werden. Gegen die Entscheidung gibt es keine Rechtsmittel.

Insgesamt hat die türkische Führung mehr als 60.000 Menschen entlassen. Mehr als 36.000 befinden sich Medienberichten zufolge in Untersuchungshaft. Ihnen werden Verbindungen zu der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, den die türkische Führung für den Putschversuch verantwortlich macht.

Beim Menschenrechtsgericht sind in diesem Zusammenhang bereits 3.000 Beschwerden eingegangen.