Es ist erst zwölf Tage her, da startete in den Kinos ein Film, in dem Carrie Fisher noch einmal in der Rolle zu sehen ist, die ihre Karriere bestimmte: Prinzessin Leia Organa. Allerdings wurde die weibliche Hauptfigur der Star Wars-Reihe in der Schlussszene von Rogue One gleichsam vom Computer gespielt: Weil die Handlung dieses Spin-Offs der Saga vor der Erzählung des allerersten Star Wars-Teils aus dem Jahr 1977 beginnt, brauchte man für den neuen Film das Gesicht der damals in Krieg der Sterne erst 20-jährigen Fisher. Doch vier Jahrzehnte gehen an keinem Menschen spurlos vorbei, also weckte man die junge Leia nun aus alten Bildern per CGI wieder zu neuem Leben.

Im Spielfilm geht das heutzutage, in der Wirklichkeit weiterhin nicht. Carrie Fisher ist am Dienstag an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben, den sie am Freitag auf einem Flug von London nach Los Angeles erlitten hatte. Sie wurde 60 Jahre alt.

Die Sequenz aus Rogue One wirkt angesichts dieser Todesnachricht nun etwas gespenstisch. Doch erstens wurden für diesen Film tatsächlich auch lange zuvor bereits verstorbene Schauspieler wie Peter Cushing qua Tricktechnik reanimiert; und zweitens wird man Carrie Fisher noch einmal in Fleisch und Blut als Leia sehen können, die Dreharbeiten für Episode VIII, der im Dezember 2017 starten soll, sind bereits abgeschlossen. Ob das Drehbuch des achten Teils der Saga das Ableben von Prinzessin Leia bereits vorgesehen hat, weiß niemand außer den an der Produktion Beteiligten, alles streng geheim. Sollten die Macher nicht ähnlich vorgehen wollen wie bei den etwas zombiehaft wirkenden Rogue One-Figuren aus dem Computer, wird ihnen wohl nichts anderes übrigbleiben, als die Figur der Leia in Würde sterben zu lassen.

Auf einmal weltberühmt

Wenn ein künstlerisches Lebenswerk wie bei der Schauspielerin Carrie Fisher von einer einzigen und nicht mal sehr schwierigen Rolle derart dominiert wird, ist man leicht geneigt, das für tragisch zu halten. Zudem Fisher selbst nicht verheimlichte, dass das Leben mit dieser Leia sie lange Zeit nicht gerade glücklich machte (und der Ruhm bei Fisher einen ziemlich ungesunden Lebensstil beförderte): Auf einen Schlag weltbekannt mit 20 Jahren, der Traum aller kleinen und durchaus auch größeren Jungs damals und noch viele Jahre später; die Über-Prinzessin aus dem Weltraummärchen, die spätestens mit dem dritten Teil auch zu einem eher ungewollten Sexsymbol wurde – Carries Hauptkostüm in Die Rückkehr der Jedi-Ritter war eine Art archaischer Bikini, ein ziemlich hässliches Ding noch dazu.

In gewisser Weise wiederholte sich bei Fisher, was schon ihrer Mutter widerfahren war, die ebenfalls Schauspielerin von Beruf ist. Debbie Reynolds wurde mit 19 auf einen Schlag weltbekannt neben Gene Kelly in Singin’ in the Rain, und so wie ihre Tochter auch wirkte Reynolds danach in vielen weiteren Filmen mit, bekam aber nie wieder eine derart prägende Rolle wie die Kathy Selden aus Singin’ in the Rain. Fishers größte Auftritte in mehr als 40 Spielfilmen und zahllosen Fernsehproduktionen waren eher kleine Nebenrollen. Ganz wundervoll war sie etwa als unglücklich verliebte beste Freundin in Harry und Sally (1989), da konnte sie sich dank der tollen Dialoge im Drehbuch von Nora Ephron auch mal komödiantisch beweisen; und in David Cronenbergs Maps to the Stars spielte sie sich vor zwei Jahren gleich selbst als grandios heruntergekommenes Hollywoodfossil neben der (zugegebenermaßen da noch grandioseren) Julianne Moore.

Dass Carrie Fisher auch eine fabelhafte Autorin war, von Romanen, Memoiren und gerade auch Drehbüchern wie dem für Grüße aus Hollywood, das auf Fishers eigenem autobiografischem Roman Postcards from the Edge basierte und von Mike Nichols im Jahr 1990 mit Merryl Streep und Shirley MacLaine in den Hauptrollen verfilmt wurde – dieses zweite große Talent wurde vor lauter Prinzessin Leia stets eher übersehen.

Ende November ist gerade erst Fishers neuestes, nun wohl letztes Buch in den USA erschienen. Es ist nicht ganz so gut wie das meiste, was sie zuvor geschrieben hat, und dafür mag man vielleicht auch Stoff und Thema des Buches verantwortlich machen: The Princess Diarist sind Memoiren, die auf Tagebüchern basieren, die die junge Carrie Fisher einst während der Dreharbeiten zu den ersten Star Wars-Filmen führte.

Diese Leia ließ sie selbst auch nie los, bis zuletzt nicht.