Es beginnt mit einem Verkehrsstau, einem Anschwellen der Frustration unter den Morgenpendlern auf einem verstopften Highway in Los Angeles. Da wird das hoffnungsfrohe Selbstgespräch einer Autofahrerin plötzlich zu einem Lied. Sie erinnert sich daran, dass sie ihren Freund in ihrer Heimatstadt zurückgelassen hat, um Ruhm und Reichtum in "La La Land" zu finden. "La La Land", was für ein malerischer Spitzname für diese Stadt der Träume. Die junge Frau steigt aus ihrem Auto, beginnt zu tanzen und wird schon bald von anderen begleitet, von vielen anderen, bis der Bildschirm gefüllt ist mit jungen Hoffnungsträgern, die auf den Motorhauben und Dächern ihrer Autos tanzen und die unerschrockenen Stimmen ihrer Herzen in den blauen Himmel schicken. Es ist, als hätten sich die Tänzer von West Side Story in Jean-Luc Godards legendäre Stauszene aus Weekend verirrt.

Dann ist der Rausch vorbei, so schnell wie er begann. Jeder schrumpft zurück in sein Auto, aus dem festlichen Orchester wird ein banales Hupkonzert. Es ist ein Vorgeschmack auf den Wirbelwind von La La Land, einem schwindelerregenden Tagtraum, der von den Unvollkommenheiten des wirklichen Lebens unterbrochen wird. Sieben Golden Globes hat er gerade erhalten. Die Chancen für die Oscars stehen gut, denn der neue Film des amerikanischen Nachwuchsregisseurs Damien Chazelle handelt von einer Sache, von der Hollywood ganz besonders bezaubert ist, nämlich sich selbst.

In diesem anfänglichen Stau begegnen sich auch unsere Liebenden, Sebastian (Ryan Gosling) und Mia (Emma Stone), zum ersten Mal. Er hupt sie an. Sie zeigt ihm den Mittelfinger. Ach, die Liebe. Wir müssen noch eine Weile warten, bis sich die beiden schließlich einander annähern, auf einer Party in den Hügeln von Hollywood. Sie schlendern zusammen zu ihren Autos in der purpurnen Abenddämmerung und fallen in ein Lied mit dem Titel A Lovely Night über die Verschwendung einer so herrlichen Nacht. Natürlich wissen wir, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Nach Überwindung der gegenseitigen Abneigung wirbeln die beiden Hals über Kopf in eine Romanze.

Sie will Schauspielerin werden. Er ist ein Jazzpianist, der sich danach sehnt, seinen eigenen Club aufzumachen. Mit anderen Worten, Mia und Sebastian sind wie Tausende andere in Hollywood. Sie geht zu fruchtlosen Vorsprechen und serviert Kaffee in schmerzhafter Nähe zu den eigentlichen Stars. Er spielt die Hintergrundklaviermusik in einem Restaurant, wo er gegen den Willen seines Chefs auch seine eigene, wunderschöne Piano-Ballade ausprobiert. Die beiden haben nicht viel, aber sie haben einander, und für eine Weile schweben sie in einer regenbogenfarbenen Seifenblase der Glückseligkeit. Sie beginnt ein Einpersonenstück zu schreiben und versucht ihren Traum zu leben, während er seinen Traum an den Nagel hängt und mit einer populären Pop-Jazz-Band auf Tour geht, um die Rechnungen zu bezahlen. Er ist erfolgreich, aber kompromittiert. Ihr Stück floppt und sie fühlt sich gedemütigt. "Das ist LA", sagt Sebastian verbittert. "Sie verehren alles, und sie schätzen nichts." Von dort an erzählt der Film eine Geschichte über Kunst, Kompromisse und Ideale und sogar über die Natur dieser Ideale, und zwar auf eine Art und Weise, die hoffnungsvoll, aber irgendwie auch herzzerschmetternd ist.

Kino - "LA LA LAND" (Trailer) © Foto: Studiocanal

Damien Chazelle hat mit La La Land ein glühendes, unvergessliches Ding geschaffen, ein klassisches Hollywood-Musical, das ganz bewusst in der Farbenpracht und Melancholie der französischen Musicals von Jacques Demy schwelgt. In dieser Hinsicht ist es ein Liebesbrief an eine längst vergangene Ära. Seine Heldin Mia schläft unter einem übergroßen Plakat von Ingrid Bergman und arbeitet auf dem Studiogelände, auf dem Casablanca gedreht wurde. Sein Held Sebastian verehrt antiquierte Jazzmusiker und lebt in einer schäbigen Wohnung inmitten von Stapeln von Schallplatten. Als die beiden zum ersten Mal tanzen, macht Sebastian sogar einen kleinen Wirbel um einen Laternenpfahl wie einst Gene Kelly in Du sollst mein Glücksstern sein. Die beiden sehen sich einen James-Dean-Film an, fahren danach zum Griffith Observatory, jenen Ort, an dem Denn sie wissen nicht, was sie tun und viele weitere gedreht wurden, und tanzen wie Fred Astaire und Ginger Rogers langsam Walzer vorbei an Sternen und Planeten – ganz buchstäblich.

Stone und Gosling sind keine professionellen Sänger oder Tänzer, aber der Film behauptet das auch nicht. La La Land ist nicht glatt wie die alten Musicals. Genau das ist der springende Punkt. Was den beiden, Gosling und Stone, in der Kehle und in den Beinen fehlt, machen sie mit Leidenschaft und Zusammenspiel wett (es gibt einen Grund, warum sie bereits drei Mal zusammengearbeitet haben). Der beste Tänzer von allen ist Kameramann Linus Sandgren, der die jazzigen Tempi, die traurigen Melodien und üppigen Orchester von Komponist Justin Hurwitz mit einer verspielten Landschaft ausmalt, in der Straßenlaternen zu Leuchttürmen werden und Wolken für Smog einstehen. Los Angeles, beständiger Ort von Gangsterballaden, hat selten so begehrenswert ausgesehen, aber ist auch selten so erkennbar gewesen. La La Land ist ein Film, in dem junge Künstler zwischen demütigenden Vorsprechen und seelenlosen Jobs pendeln, Hipster in Nostalgie schwelgen, Leute sich auf Poolpartys das ganze Jahr über wichtig machen, Autos gnadenlos abgeschleppt werden und junge Menschen keine Versicherung haben.