Der bosnische Schauspieler Nazif Mujić, preisgekrönter Berlinale-Star des Jahres 2013, hat aus Geldnot seinen Silbernen Bären verkauft. Die Entscheidung zum Verkauf des Schauspielpreises sei ihm "sehr schwer" gefallen, sagte der Schauspieler der Nachrichtenagentur AFP. "Meine Kinder hatten aber seit drei Tagen fast nichts zu essen." Er müsse auch Schulden beim Elektrizitätswerk und bei einem Lebensmittelhändler abbezahlen.

Mujić, der zur Minderheit der Roma in Bosnien gehört, lebt derzeit nach eigenen Angaben vom Schrottsammeln. Damit nehme er pro Tag etwa 3,50 Euro sein, womit er seine drei Kinder nicht ernähren könne. "Ich habe erst mein altes Auto verkauft, dann einige persönliche Gegenstände, und nun war der Bär dran", sagte er. Von dem Erlös habe er sich auch ein Busticket zur Berlinale im kommenden Monat gekauft, wo er auf sein Schicksal aufmerksam machen wolle.

Mujić hatte den Silbernen Bären im Internet für 5.000 Euro angeboten. Den Zuschlag bekam schließlich der Wirt einer Kneipe seines Heimatorts Svatovac für 4.000 Euro. "Ich bin kein Sammler, sondern ich habe die Trophäe vor allem gekauft, um Nazif zu helfen", sagte der Wirt Senadin Cosic. "Er ist ein kranker Mann, der seine Kinder ernähren muss." Cosic will den Bären an ein Museum geben.

Mujić hatte den Silbernen Bären der Berlinale 2013 für seine Rolle in dem bosnischen Film Aus dem Leben eines Schrottsammlers bekommen, in dem er weitgehend sich selbst spielt. Bei der Rückkehr nach Bosnien war er wie ein Held gefeiert worden, er verschwand aber bald wieder aus dem Rampenlicht und verarmte.

Seit drei Jahren leidet Mujić an Diabetes, er muss Insulin spritzen. 2014 wurde sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt. Bei seiner Reise zur Berlinale im Februar wolle er erneut um Asyl bitten, sagte Mujić. "Ich hoffe, diesmal bekomme ich eine Zusage. Ich will nur, dass meine Kinder normal leben."

In Bosnien leben 50.000 bis 75.000 Roma. Ein Gutachten der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch kam kürzlich zu dem Schluss, dass sie dort einer "generellen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, in der Bildung und bei der politischen Repräsentation" ausgesetzt seien.