Um bei den Fußball-Analogien zu bleiben: Wenn es bei einem Bundesligaclub nicht läuft, wird der Trainer gewechselt. Das ist beim Tatort ein wenig anders. Und dennoch war die Nachricht, dass der vergangene Frankfurter Tatort: Wendehammer uns zugleich den letzten Auftritt von Roeland Wiesnekkers putzigem Vorgesetzten mit dem fast genauso putzigen Namen (Henning Riefenstahl) bescherte, doch eigentlich eine gute: Denn was dieser Riefenstahl da machte, war weder lustig, noch wurde es klar.

In der neuen Folge Land in dieser Zeit (HR-Redaktion: Liane Jessen, Lili Kobbe) debütiert nun Bruno Cathomas als Fosco Cariddi in der Rolle des Chefs von Paul "Brixi" Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich). Die Hoffnung, dass sich damit etwas zum Besseren wenden könnte, geht spätestens in der Szene flöten, in der Cariddi zusammenhanglos ein erstes Ernst-Jandl-Gedicht zitiert (etude in f). Die Sportreporterin würde sagen: Der Effekt des Chefwechsels ist "verpufft".

Es gibt im Frankfurter Tatort jetzt nämlich noch einen Kasper mehr. Dabei wäre dem Schauplatz am ehesten geholfen, wenn sich eine der Stammfiguren – neben Janneke und Brixi haben der in dieser Folge der singende Assistent Jonas (Isaak Dentler), der Kriminaltechniker im weißen Schutzanzug (Sascha Nathan) und der unhöfliche Gerichtsmediziner (der keinen eigenen Credit bekommt) Auftritte – mal nachvollziehbar verhalten würde. Pustekuchen. Stattdessen singt man mit Verdächtigen dreistimmig Chorlieder und macht Witze mit Namen, die nicht deutsch sind ("Lamin" – "Laminat", "Aliou? Ah ja", "Irgendwas mit Karibik" – bezogen auf "Cariddi").

Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über "Tatort" und "Polizeiruf 110". Auf ZEIT ONLINE nun in der Kolumne "Der Obduktionsbericht". © Daniel Seiffert

Humormental kommen die Gags also aus den fünfziger Jahren – und sind schlecht platziert. Die Brixi-Frage zu Beginn an Janneke, ob sie was vom neuen Chef wisse, eben: "irgendwas mit Karibik", wäre vermutlich lustiger, wenn der Zuschauer den Namen vorher schon mal gehört hätte, wenn er sich selbst oder jemand anders schon mal verhört hätte, wenn es irgendeinen Bezug gäbe, den der Verhörer herstellte. Wobei: Cariddi – Karibik, vielleicht lassen wir es lieber.

Die nicht erst witzig gemeinten Anteile des Films fallen leider betrüblich aus. Die Geschichte geht über einen Brandanschlag auf ein Friseurgeschäft, bei dem eine Frau ums Leben kommt (die Überreste werden wenig zimperlich ins Bild gesetzt); der Tat verdächtigt wird zuerst ein Flüchtling, später Neurechte. Wer es am Ende war, ist gar nicht so leicht zu sagen (die betrunken ertrunkene Friseurin als Werkzeug der Nazi-Frauen?), den Film selbst interessiert es jedenfalls nicht. Denn erzählt wird in besinnungslosem Aktivismus, als ob ein Film dadurch besser würde, dass an jedem der möglichst vielen Drehorte immer nur fünf Sätze Dialog gewechselt werden dürfen.

Besonders ermüdend ist das duale System der Szenenverwertung, das informative Multitasking. Da hat der singende Assistent Jonas zum Beispiel Probleme mit seinem Dienstauto und schimpft über die Verwaltung (Info Nr. 1: Einblick in den ganz normalen Behördenalltag). Brixi und Janneke kommen dazu und tauschen auf dem Parkplatz vorm Revier vor dem Abfahren (Janneke) und Wieder-rein-Gehen (Brixi – ohne zu wissen, warum der überhaupt rausgekommen ist) noch beiläufig fallrelevante News aus: dass die Friseurladenbesitzerin Schulden hatte und eine Brandschutzversicherung (Info Nr. 2: mögliche Verdächtige) und dass das Handy vom verhafteten Verdächtigen John Aliou (Warsama Guled) noch ausgewertet werden muss (Info Nr. 3: Da kommt noch was). Was hat das mit einem Kriminalfilm zu tun? Was soll daran spannend sein, dass die wichtigsten Informationen permanent so locker vom Hocker nebenbei und über den ganzen Film verteilt ausgegeben werden?