Es sind keine Szenen für all jene, die ansatzweise Angst vor Schlangen haben. Dutzende Nattern jagen frisch geschlüpfte Leguan-Babys über den Strand einer Galapagosinsel. Kaum steckt ein Echsen-Junges den Kopf zum ersten Mal aus dem körnigen Sand, lauern die Schlangen schon darauf, dass sich das Kleine auf den Weg zur Kolonie der Erwachsenen macht. Das Leben der meisten Leguan-Jungen endet Minuten nach dem Schlüpfen.

Die Bilder der nervenaufreibenden Jagd haben sich im Netz rasant verbreitet, schon nachdem die neue Naturdokumentation in der BBC erstmals ausgestrahlt wurde. Mit dem neuen Jahr ist Terra X – Eine Erde, viele Welten im ZDF angelaufen.

Gigantismus in 4K

Die Bilder sind opulent: Glühende Lava fließt im Zeitraffer zu Hans Zimmers dramatischen Orchesterklängen. Unter Wasser grasende Echsen prusten nach dem Tauchgang in schier unnatürlich scharfer 4K-Auflösung Wasser aus ihren Nasen. Drohnen zeigen tropische Inseln aus der Luft und zoomen in Sekunden an das moosbewachsene Haar eines Zwergfaultiers heran. Schärfer, dramatischer, aufregender und erstaunlicher kann eine Tierdokumentation wohl kaum sein. All das ist unterlegt mit tragenen Worten, gesprochen von Christian Schult. Im BBC-Original stammt die Stimme aus dem Off von Tierfilm-Ikone David Attenborough.

Im Mangrovengürtel des Eilandes verbringen pelzige Sonderlinge den Tag im Langsam-Modus.
Christian Schult, "Terra X"-Sprecher über Zwergfaultiere

Auf schaurige Jagdszenen folgen Sequenzen, die überzogen niedlich und vermenschlicht sind. So begleitet der Zuschauer ein Faultier, das – einsam in seinem Mangrovenhain auf der winzigen Insel Escudo de Veraguas vor Panama – plötzlich den Ruf eines Weibchens aus der Ferne hört. Um es zu erreichen, muss der katzenkleine Zwergfaultier-Mann weit klettern. Und schwimmen. Endlich am Ziel, dann die Enttäuschung: Die Angebetete hält ein Junges im Arm, von einem anderen. Mit ihm, der so weit für sie geschwommen ist, will sie sich nicht paaren.

Spannend machen es die Feenseeschwalben, die ihre Eier ohne Nest auf einem Ast in schwindelerregender Höhe ablegen. Oder die Fledermäuse, die Skorpione jagen – halb so groß wie sie selbst und so giftig, dass deren Stich einen Menschen töten könnte. Und man kann sich kaum wehren gegen das Mitleid, das aufkommt, wenn man die Zügelpinguine auf Zavadovski Island sieht, die sich nach ihren Jagdausflügen im eisigen Südatlantik die steilen Klippen hinaufwerfen und dabei die Knochen brechen. Blutüberströmt kehren einige der Überlebenden zu den Nestern zurück, wo der Nachwuchs hungrig in der Kälte ausharrt.

Die sechsteilige Dokumentation (Inseln, Wüsten, Berge, Dschungel, Grasland und Städte) konzentriert sich auf Tiere in extremen Lebensräumen, an die sie sich mit ungewöhnlichen Strategien anpassen mussten. So jagen Gruppen von Adlern zu Fuß zwischen Kakteen im dürren Ödland nach Kleinsäugern. Geckos und Wüstenkäfer lassen das Wasser des Morgennebels auf ihren Körpern kondensieren, um es trinken zu können. Und ein Wüstenvogel spießt Säugetiere und Reptilien zum Trocknen an Kakteengewächsen auf, um sich Vorräte für härtere Zeiten anzulegen.