Ein Serientrailer, der etwas auf sich hält, sieht ungefähr so aus wie ein James-Bond-Vorspann aus den nuller Jahren: Irgendetwas fliegt in Zeitlupe durch den Raum. Waffen, Frauen, Drogen, chemische Verbindungen, egal. In Der gleiche Himmel sind es geschredderte Papierstreifen aus der Stasi-Unterlagenbehörde. 

Der gleiche Himmel ist ein klassischer ZDF-Dreiteiler aus der Schmiede von Nico Hofmann (Unsere Mütter, unsere Väter; Der Turm), dem Gewährsmann für dramatische Geschichtsbebilderung im deutschen Fernsehen. Dass seine Liebesgeschichte um einen Stasi-Spion im Berlin der siebziger Jahre als eine von zwei deutschen Highlights beim diesjährigen Berlinale-Serien-Special präsentiert wurde, kann zweierlei bedeuten. Entweder: Den Deutschen fällt nichts Neues mehr ein – immerhin lief schon vor zwei Jahren Hofmanns Agentenserie Deutschland 83 auf dem Festival. Oder: Wir machen dasselbe jetzt mal 'ne Nummer größer.

Beides stimmt: Der gleiche Himmel läuft zwar zunächst als klassischer Dreiteiler im ZDF, wird aber von Netflix unter dem wesentlich griffigeren Titel The Same Sky für das englischsprachige Publikum vertrieben. Auch die italienische Rai und France 3 haben sich schon die Rechte an dem Stoff gesichert. Aufwändig produzierte historische Produktionen made in Germany gehen gut auf dem internationalen Markt.

Sex, Crime und das Berlin der Zwanziger Jahre: Szene aus "Babylon Berlin" © Frédéric Batier/X Filme

Diese Hoffnungen macht sich auch Babylon Berlin, die Verfilmung der Zwanziger-Jahre-Krimis von Volker Kutscher. Der 16-Teiler gilt inzwischen als teuerste deutsche Serie aller Zeiten. Drei Jahre lang ging es hin und her zwischen den beiden Partnern ARD und Sky, zwischenzeitlich drohte das Projekt unter der Regie von Tom Tykwer sogar zu platzen. Nach 180 Drehtagen demonstrieren die Parteien nun Einigkeit und Begeisterung. Und das Gerücht von 40 Millionen Euro Budget sei völlig übertrieben, sagte Tykwer auf der Berliner Pressekonferenz.

In dem fünfminütigen Ausschnitt, der bisher zu sehen war, präsentiert sich Babylon Berlin als Bilderrausch, der hinsichtlich seiner Opulenz auch mit Baz Luhrmanns The Get Down mithalten kann. Charleston tanzende Schönheiten, aufmarschierende Schlägertrupps, verhärmte Arbeitslose und grausig zugerichtete Leichen. Mittendrin ein morphiumsüchtiger Kommissar und eine Frau mit Vergangenheit. Kurz: Sex, Crime und History. Im Oktober wird die Serie auf Sky gezeigt, in der ARD erst 2018. "Man muss schauen, wie das funktioniert", sagt Jan Mojto, der mit seiner Firma Beta Film als Produzent beteiligt ist. "Entweder zahlt es sich für beide aus, was wir alle hoffen, dann ist es ein Erfolgsrezept. Wenn nicht, dann war es ein Experiment."

Ende des Experimentierens

Mit dem Jahr 2017 endet die Experimentierphase, die im Herbst 2014 mit dem Einzug von Netflix auf den deutschen Markt begonnen hatte. Alle wichtigen Streamingdienste und Privatsender bringen jetzt ihre Eigenproduktionen auf den Markt: Maxdome, das Videoportal von ProSiebenSat1, machte im Januar den Anfang mit der Buddy-Serie Jerks von Christian Ulmen und Fahri Yardım. Im März folgt Amazon mit dem Überwachungsthriller You are wanted von und mit Matthias Schweighöfer, TNT Serie zeigt ab Mai das Neuköllner Gangster-Epos 4 Blocks, Netflix präsentiert im Herbst das Kleinstadtdrama Dark.

Im Sommer beginnen die Dreharbeiten für das Projekt Acht Tage, produziert von der Münchner Produktionsfirma Neuesuper und Sky Deutschland. Der österreichische Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky, führt Regie bei dieser deutschen Weltuntergangsserie, einem Thema, von dem bisher jeder gesagt hätte, es habe niemals eine Chance auf dem deutschen Serienmarkt. 

Was man an der Auswahl schon erkennt: Die Themen sind sehr divers. Es geht um Cyberkriminalität, moderne Beziehungsprobleme, Integration. Bei ARD und ZDF bewirbt man indes die historische Arztserie Charité und eine weitere DDR-Stasi-Geschichte (diesmal frühlingsprogrammtauglich am Balaton) mit dem freundlichen Titel Honigfrauen.

Der deutsche Serienmarkt wird in diesem Jahr neu aufgeteilt. Interessant ist, wer sich welche Pfründe sichert. Zwei Szenarien sind vorstellbar: Die gewohnten Sehformate – nette Comedy, emotionale Historienmehrteiler, Arzt- und Kriminalserien – bleiben bei den linearen Sendern. Alles, was ein bisschen sperriger ist – Mystery, Science-Fiction, böse Comedy –, wandert ins Pay-TV und zu den Streamingportalen. Wünschenswerter wäre die andere Variante: dass es zu einem Wettbewerb aller Sender um die besten Themen und die originellste Umsetzung kommt.