So geht also alles dahin in Tanzmariechen, es ist immer was los, aber eigentlich passiert nichts. Man kann sich in aller Ruhe überlegen, wie man diese Form des Krimis nennen würde, säße man in universitären Seminaren und müsste mit tollen neuen wissenschaftlichen Beschreibungen auf sich aufmerksam machen (postpsychologisch? güterwaggonistisch?), weil man erst fünf Minuten vor Schluss mit der Täterin geweckt wird. Die Musik (Stephan Massimo) ist zwischendurch ein wenig traurig, das ruft so schöne Gefühle hervor (ein paar Karnevalshits werden freilich auch angespielt).

Darf er das auch?

Aber dann gibt es in diesem Kölner Tatort noch ein Nebenthema, das an der armen, weil völlig überdeterminierten Tobias-Reisser-Figur demonstriert wird. Tobias soll ja schwul sein, weshalb Tanzmariechen sich berufen fühlt, als Anwalt von AfD-Mutti und -Vati zu Hause die entscheidende Frage zu stellen: Darf er das auch? Zu diesem Zwecke wird Tobias' Freund (Marc Rissmann) zum Dauergast auf dem Revier (am Ende ist er beim Betriebskarneval dabei als einziger Partner) und Fab Five Freddy zum Tugendwächter. Schenk guckt erst komisch, als Tobias und sein Freund sich küssen, versichert später aber, dass er keine "Schwulenphobie wie Putin" habe.

Damit wird Tanzmariechen für viele zu einer im wahrsten Sinne des Wortes perfiden Angelegenheit. Sich ein Problem zu machen, wo keines ist, indem man sagt, dass da keines ist – das ist "unterste Schublade" (Rudi Völler). Oder anders: Was kann Homosexualität dafür, dass es solche schlechten Drehbücher gibt?