Immer wieder hat sich das Kino ein Bild vom Jenseits gemacht, oft in regenbogenbunt kitschigen Farben. So wie Vincent Wards Hinter dem Horizont (1998), dessen Originaltitel What dreams may come eine ziemlich gute Vorstellung vom Traumkonzept der anderen Welt verriet. In Hirokazu Koreedas After Life (1998) hatten die frisch Verstorbenen dagegen eine Woche lang Zeit, um eine Lebenserinnerung für die Ewigkeit auszuwählen. Und in der Netflix-Serie Black Mirror konnte man sich in der Folge San Junipero rechtzeitig vor dem Tod für einen alternativen Lebensentwurf entscheiden. Wie so oft verspricht das Jenseits auch in Die Hütte, der kommende Woche bei uns anläuft, vor allem körperliche Schwerelosigkeit und seelische Unbeschwertheit.

Im Grunde geht es im Kino immer darum, dem Tod seinen Schrecken zu nehmen, statt dunklen Ängsten lichte Hoffnung zu verbreiten. Der Film The Discovery mit Robert Redford, der jetzt auf Netflix angelaufen ist, geht das Thema wissenschaftlich an. Der Physiker Thomas Harber (Robert Redford) hat nachgewiesen, dass ein Teil des menschlichen Bewusstseins nach dem Tod in eine neue Existenzebene übergeht.

Harbers titelgebende Entdeckung löst weltweit eine gigantische Welle von Suiziden aus, mehr als vier Millionen Tote in zwei Jahren. Auch wenn sie nicht wissen, was genau sie erwartet, erscheint vielen Menschen allein die Vorstellung eines anderen Lebens nach dem Tod als erstrebenswerte Alternative zur Mühsal ihres irdischen Daseins. 

Nach dem Skandal um die massenhaften Selbstmorde hat sich Harber auf Rhode Island zurückgezogen. In einer alten Burgfestung schart er Assistenten und Jünger um sich und unterhält dort eine Art Reha für Selbstmordkandidaten, denen er neuen Lebenssinn gibt. Nun reist sein Sohn Will (Komiker Jason Segel in einer ungewohnt ernsten Rolle) zu ihm, in der Hoffnung, seinen Vater zum Abbruch der Forschungen bewegen zu können, die sie einst gemeinsam begonnen hatten.

Mit Wills skeptischen Augen betritt auch der Zuschauer die Welt des Films: "Die Menschen machen immer wieder und wieder dieselben Fehler" sagt er. "Warum sollte das in einer anderen Welt nicht ganz genauso sein?" Trotzdem bleibt die Sehnsucht auf zweite Chancen und alternative Versionen, in denen sich erlittenes Leid und aufgebürdete Schuld neutralisieren lassen.

Diskurs über Leben und Tod

Schmerz und Verlorenheit verbinden alle Mitarbeiter des Projekts, das gilt auch für Isla, die zusammen mit Will auf der sonst menschenleeren Fähre auf die Insel kommt. Gespielt wird sie von Rooney Mara, die schon in Filmen wie Die Millennium Trilogie, Carol und momentan in dem Missbrauchsdrama Una und Ray innere Verwundungen vielschichtig gegen äußere Entschlossenheit ausgespielt hat. In The Discovery lässt sie diesen Balanceakt noch einmal in neuen Facetten aufschimmern. Zwischen Ernüchterung und Hoffnung eröffnen Will und Isla einen Diskurs über Leben und Tod, Ewigkeit und Existenz, dessen Gedanken im Laufe des Films in immer neuen Variationen aufgenommen und weitergeführt werden.

Wie bereits in seinem Debütfilm The One I love nutzt Charlie McDowell nun auch in The Discovery ein Science-Fiction-Szenario als Ausgangspunkt für eine vielschichtige Reflexion über ethische und philosophische Fragen der menschlichen Existenz. Ging es damals um alternative Perspektiven auf die Liebe, spielt er sie jetzt in Bezug auf Tod und Jenseits durch, wobei ziemlich bald klar wird, dass Verlust, Trauer und Schmerz mit streng wissenschaftlichen Mitteln kaum beizukommen ist.