Die Stimmung ist vorfreudig an diesem Montagabend, der Fritz-Lang-Saal im Untergeschoss des Dresdner Kinos Schauburg gut gefüllt. Hier feiert der Film Alles unter Kontrolle seine Deutschland-Premiere oder vielleicht doch besser: den Auftakt einer kleinen Kino-Tour mit dem Regisseur. Der heißt Philippe de Chauveron, was den meisten Leuten vermutlich weniger sagt als der Titel seines bekanntesten Films: Monsieur Claude und seine Töchter.

Zwölf Millionen Besucher in Frankreich, vier Millionen in Deutschland – Monsieur Claude war der Überraschungserfolg des Jahres 2014. Ein Blockbuster von unten, dessen Budget von 13 Millionen Euro für deutsche Verhältnisse zwar luxuriös klingen mag (so viel bekommen hierzulande selbst die Schweigers und Schweighöfers nicht zusammen), sich aber ausnimmt wie die Portokasse im Vergleich allein zu den Marketing-Etats jener Hollywood-Unternehmungen, die üblicherweise die vorderen Plätze der Jahresendabrechnungen besetzen.

Die Komödie traf den Nerv der "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Gemeinde. Vor der Plautze autochthonen Franzosentums liefen gesellschaftliche Minderheiten stereotyp auf: Ein wohlständiger Notar muss sich mit den Gatten seiner vier Töchter arrangieren – einem Juden, einem Muslim, einem Chinesen und, als dramaturgisch gesetzter Höhepunkt der Zumutungen, einem Schwarzen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb seinerzeit von einer "Rassismus-Komödie", was zwar nicht bösartig gemeint war, in seiner Direktheit die Sache aber ziemlich gut auf den Punkt brachte. Von der Fanbase wurde der Film derweil als "politisch-inkorrekt" gemocht, was immer so mutig und wider-den-Stachel-löckend tönt, in Wahrheit ja aber eine Schutzbehauptung ist, hinter der man seine Ressentiments frisch halten kann.

Kino - "Alles unter Kontrolle!" (Trailer) © Foto: Neue Visionen Filmverleih

Chauverons neuem Film wird die Begeisterung für Monsieur Claude in Dresden jedenfalls als Erwartungsfreude gutgeschrieben. Und Alles unter Kontrolle hat mit dem populären Vorgängerfilm durchaus etwas zu tun, wie der Regisseur im Publikumsgespräch erklärt: Die beiden Hauptdarsteller Ary Abittan und Medi Sadoun – der Jude und der Muslim aus Monsieur Claude, um es in den überschaubaren Charakterisierungen des Films zu sagen – verstanden sich während der Dreharbeiten so gut, dass Chauveron Alles unter Kontrolle eigens für die beiden Komiker geschrieben hat.

Abittan spielt diesmal den Polizisten José Fernandez, der Abschiebungen durchführt, aber lieber bei der Kripo wäre. Die Abschiebungen führen ihn in fremde Länder, wo sein promisker Partner (Cyril Lecomte) die Nächte durchfeiert und Frauen beflirtet, was komischerweise Josés Freundin (Reem Kherici) in Rage bringt. Aber Chauverons Filme sind eh grobmaschig gestrickt, Frauen tauchen in der machoiden Welt von Alles unter Kontrolle vorzugsweise in Dessous auf ("Sie tanzt am liebsten im Slip", heißt es über eine Stewardess auf dem Hotelzimmer), und wenn sie bekleidet sind, dann machen sie Stress und schlechte Laune.

Die Wiederversöhnung mit der Freundin ist die eine Klammer des Films. Die andere: der letzte Auftrag für José vor dessen ersehntem Wechsel zu den Kriminalisten. Ein Flüchtling namens Massoud Karzaoui (Sadoun) soll nach Afghanistan zurück, das Flugzeug muss in Malta zwischenlanden, wo sich als Variation der Buddy-Komödie ein dauerndes Fang-mich-Spiel zwischen Abschieber und Abgeschobenem entspinnt und über das Mittelmeer und ein Flüchtlingslager auf Lampedusa schließlich zurück nach Paris führt.