Es war wirklich schwer, ihn loszuwerden, diesen Fernseher. Niemand wollte ihn haben, nicht mal geschenkt. Dabei war das ein schönes, wenn auch knapp 20 Jahre altes Gerät. Fast schon Vintage, fast schon ein Designklassiker. Aber eben nur fast.

Vintage und Designklassiker: Da horchen ja diejenigen Leute auf, die in ihren Küchen auf 50 Jahre alten Eames-Plastic-Chairs sitzen und in ihren Wohnzimmern auf 50 Jahre alten skandinavischen Teak-Sofas. Deren Vorstellung von zeitgenössischem Design beginnt und endet bei Apple-Produkten, denn: Minimal ist maximal toll. Eine Saturn-Filiale betreten diese Menschen nur dann, wenn sie wieder mal dringend ein neues Macbook brauchen und der viel schönere Apple-Store leider gerade zu weit weg ist. Sie gehen da aber definitiv nicht hin, um für den Gegenwert von zehn Laptops ein 88-Zoll-4K-Smart-TV zu kaufen, das eigentlich ein eigenes Zimmer braucht.

Fernseherverweigerer hingegen sind Leute, die typischerweise in großen Städten leben und einer, wie man früher gesagt hätte, bürgerlichen Schicht angehören, deren Mitglieder heute das tun, wozu sich ihre ebenso bürgerlichen Eltern letztlich nie haben durchringen können: den Fernseher abschaffen. Raus damit, du hässliches Teil, Scheißflimmerkiste.

Antennchen eingefahren, Mülltonne auf, TV-Zeitalter vorbei

Vor ein paar Jahren haben sich genau diese Leute dann aber doch einen DVB-T1-Stick für ihr viertes bis sechstes Macbook gekauft, um ihn hin und wieder zwischen all dem Internetsurfen in den USB-Port zu friemeln und heimlich Fußballländerspiele zu gucken und Tatort und bei plötzlich hereinbrechenden Katastrophen auch mal Brennpunkt. Nun stehen diese Leute da mit ihrem doofen DVB-T1-Stick und können neuerdings nicht mal mehr sonntagabends Professor Boerne terrestrisch dämlich finden. Weil der neue DVB-T2-Standard ihren drei Zentimeter kleinen Fernsehadapter unbrauchbar und also zu Elektroschrott gemacht hat, den man im Gegensatz zu einem richtigen Fernseher aber immerhin im Hausmüll entsorgen kann. Antennchen eingefahren, Mülltonne auf, TV-Zeitalter vorbei.

Jetzt müssen diese Leute dann wohl die Mediatheken von ARD und ZDF leergucken. Oder mit ihren Freunden beim Wein abends wirklich nur noch über diese viel, viel klügeren Streaming-Serien auf Netflix oder Amazon Prime reden. Bis sie auch an denen was zu bemäkeln haben: Wo bleibt das nächste Breaking Bad, das nächste The Wire?

Ja, so sind diese Leute – wir, die deutschen Fernsehverächter.

Wer nicht aufpasst, kriegt von uns gleich noch eine Tirade auf die GEZ hinterhergebrüllt: Zwangsgebühr, Öffentlich-Rechtliche nie geguckt, okay, fast nie. Übrigens sind amerikanische Podcasts aus dem Internet auch besser als deutsches Dudelfunkradio. Und die Privatsender sind noch viel üblerer Mist, für die sollen wir jetzt bei DVB-T2 auch noch Gebühren bezahlen, um die Aasfresserei bei der Dschungelprüfung demnächst in HD sehen zu können? Nicht mit uns.