"Wir sind die jüdische Rache" ruft Fränkel (Anatole Taubmann) voller Genugtuung aus, als er zu den Kollegen ins Auto zurückkehrt. Zwei überteuerte Aussteuerpakete hat der Teilacher (jiddisch für Hausierer) dem Ehepaar aufs Auge gedrückt, indem er sich als Kamerad ihres an der Ostfront gefallenen Sohnes ausgab. Dass der Handelsvertreter nicht in der Wehrmacht gekämpft hat, sondern in der jüdischen Brigade der französischen Fremdenlegion, muss die Kundschaft ja nicht wissen. Der hagere Kollege Krautberg (Václav Jakoubek) wiederum versteht es, mit seinen traurigen Augen Schuldgefühle bei den Deutschen zu wecken. Der Schauspieler Szoros (Pál Mácsai) verschafft sich mit eindrucksvollen Schwächeanfällen Zutritt zu den Wohnungen vereinsamter Kriegswitwen.

Frankfurt a.M. 1947: Im Transitlager sammeln sich Juden, die den Holocaust überlebt haben. Alle wollen nichts wie weg aus Deutschland. Aber für ein neues Leben in Amerika oder Palästina braucht man ein gewisses Startkapital. Und so gründet David (Moritz Bleibtreu), dessen Familie vor dem Krieg in Frankfurt ein Textilkaufhaus betrieben hat, einen Wäschehandel. Dank der erzählerischen Fantasie seiner Teilacher floriert das Geschäft mit Damast-Tischdecken und Frottee-Badetüchern, bis David von den amerikanischen Alliierten vorgeladen wird.

Dem ehemaligen KZ-Häftling wird Kollaboration mit der SS vorgeworfen. Tatsächlich genoss David dank seines Talents als Witzeerzähler die Gunst des Lagerkommandanten; er soll sogar in Obersalzberg Hitler humoristischen Nachhilfeunterricht gegeben haben. David ist ein begnadeter Geschichtenerfinder und im Verhör reißt er genau wie in den Küchen seiner Kunden die Narration an sich. Wahrheit und Fiktion lassen sich in seinen Berichten aus dem Lager nicht trennen. "Wenn man sich das Leben nicht ein bissel schön reden würde, wäre es nicht zum Aushalten" sagt er am Ende, womit auch Gabarskis Standpunkt formuliert wird, der sich mutwillig seinem unzuverlässigen Erzähler anvertraut.

Es war einmal in Deutschland beruht auf den beiden Schelmenromanen Die Teilacher und Machloikes von Michel Bergmann und geht der unbeantwortbaren Frage nach, warum etwa 4.000 Juden nach dem Grauen des Holocausts in Deutschland geblieben sind. Gabarski, 1948 als Sohn jüdischer Eltern in München geboren und aufgewachsen, behandelt hier auch ein Stück eigener Familiengeschichte, über das er mit seinen Eltern nie reden konnte. Das Tabu wird hier jedoch nicht gewaltsam aufgebrochen. Vielmehr folgt Gabarski dem Prozess des "Sich-schön-Redens" vom erlebten Schrecken, der für David zur legitimen Überlebensstrategie wird.

Ähnlich wie in seinem ersten und bisher besten Film Der Tango der Rashevskis spürt man die biografische Nähe zum Sujet vor allem im originären Erzählton. Es war einmal in Deutschland ist eine Melanchomödie, die paradoxe Stimmungen aufnimmt und umarmt. Hinter dem Lebenselan und dem Humor der erfindungsreichen Wäschehändler schimmern immer wieder für kurze Momente Schrecken und Tieftraurigkeit hervor, ohne dass der Film dadurch aus der komödiantischen Bahn getragen wird.

Man würde gern mehr Zeit mit diesen widerspruchsreichen Charakteren verbringen: Wenn Hans Löw in der Rolle des Verständig erzählt, wie er im Exil in Shanghai sein Auge verloren hat, und so ziemlich bei jedem Satz des fabelhaften ungarischen Schauspielers Pál Mácsai. Da hätte man sich mehr Mut zum gleichberechtigten Ensemblestück gewünscht, das sich als Kaleidoskop jüdischen Lebens im Nachkriegsdeutschland versteht und weniger Rücksicht auf konventionelle Erzählvorschriften nimmt.