Iggy Pop in "Gimme Danger" von Jim Jarmusch © Mike Barich/Magnolia Pictures/Amazon Studios

Wie ein hysterisches Äffchen hüpft er rum, windet sich dann auf dem Boden wie angeschossen, lutscht und saugt am Mikrophon und wandert schließlich mit nacktem Oberkörper, silbernen Handschuhen und rotem Hundehalsband über ein Meer aus Leibern. James Osterberg mutiert auf der Bühne zu einem ekstatischen Wesen, halb in Trance, aber mit sensationeller Körperbeherrschung. Osterberg ist von 1967 bis 1973 nicht nur Komponist und Sänger der Rockband The Stooges, er ist ihr Zeremonienmeister  – und viel besser bekannt unter seinem Künstlernamen Iggy Pop. "I Wiped out the Sixties", sagt er in den späten siebziger Jahren in einer Talkshow. Mit der simplen, aber aggressiven Musik und Bühnenpräsenz der Stooges will er die friedlich-freundliche Hippiekultur der sechziger Jahre ausgelöscht haben.

Iggy Pop ist schon seit vielen Jahren ein enger Freund von Jim Jarmusch und hat hier (Coffee & Cigarettes III, 1993) und da (Dead Man, 1995) in dessen Filmen mitgespielt. Jetzt hat Jim Jarmusch einen Film über Iggy Pops eher berüchtigte denn berühmte Band The Stooges gedreht, in deren Zentrum natürlich der exzentrische Frontmann steht.

Jarmusch nennt den Film nicht Dokumentation, sondern Essay, denn objektiv ist er nicht. Aus seiner Bewunderung macht er keinen Hehl. Schon im Vorspann behauptet der Film einfach mal: "The Stooges are the greatest Rock-n-Roll Band ever."

Kino - "Gimme Danger" (Trailer) © Foto: Studiocanal

Auf dokumentarischer Ebene erzählt Jim Jarmusch, wie der junge Jimmy Osterberg in einem Trailerpark in Ann Arbour unweit von Detroit aufwächst. Als er Schlagzeug lernen will, räumen seine Eltern bereitwillig das Schlafzimmer und ziehen ins beengte Wohnzimmer ihres Trailers. Noch als Teenager gründet Osterberg 1962 erst die Iguanas (von denen sein Spitzname Iggy hängenbleibt), dann die Blues-Band The Prime Movers und verdingt sich schließlich als Live-Drummer in diversen Blues-Bands. Durch seinen Job in einem gut sortierten Plattenladen entflammt in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre sein Interesse für experimentellere Musik: Er hört Frank Zappas Band The Mothers of Invention, den indischen Sitar-Meister Ravi Shankar oder Neue Musik von Harry Partch. Als er auf die Brüder Ron und Scott Asheton sowie deren Nachbarn Dave Alexander trifft – allesamt langhaarige Schulverweigerer und Gammler, wie man damals sagte – hat er die richtigen Partner gefunden, um endlich eine Band zu gründen, mit der er seinen großen Ausdruckswillen ausleben kann.

Aus Staubsaugern oder riesigen Ölfässern basteln sie sich Instrumente, sie schminken sich grell und wickeln sich in Betttücher. Der Erfolg bleibt aus. Erst als Danny Fields vom Label Elektra die Band entdeckt und Velvet Undergrounds John Cale als Produzent für die ersten beiden Alben gewinnen kann, können die Stooges mit ihrem rohen Sound und Iggys kompromissloser Bühnenpräsenz mehr  Eindruck hinterlassen. Doch mangelndes Interesse der Plattenfirma und die zunehmende Drogensucht der chaotisch organisierten Musiker führt zum frühen Zerfall der Band. Es folgt eine kurzlebige Reunion und mit Raw Power 1973 ein drittes Album, das drei Jahre später so ziemlich jede Punkband der ersten Stunde als ihren größten Einfluss nennen wird – von den Ramones über die Sex Pistols zu The Clash.