Es gibt diesen Spruch aus der amerikanischen Unterhaltungsbranche: Work so hard that you don’t have to introduce yourself no more. (Arbeite so hart, dass du dich nicht mehr vorstellen musst.) Bis Jan Böhmermann in den USA eine gewisse Gesichtsbekannheit erlangt hat, wird er noch eine Weile arbeiten müssen. Immerhin, eins kann sich Deutschlands aktuell wohl smartester Unterhalter ab sofort in den Colt ritzen: Gast in einer US-Late-Night-Show gewesen zu sein.

Im grauen Sessel auf der Bühne der Late Show with Seth Meyers sitzen normalerweise Hollywood-Größen wie Scarlett Johansson oder Morgan Freeman oder der Rapper Ice-T. Montagnacht um 0:30 Uhr New Yorker Ortszeit war es nun der schmalschultrige Junge aus Bremen im blauen Anzug.

Böhmermann hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, zu einem Auftritt in einer Late-Night-Show in die USA reisen zu wollen. Nach dem Rechtsstreit mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in der Schmähgedichtsaffäre hatte er ihn jedoch abgesagt.

Im Studio der Late-Night-Show wollte sich Böhmermann, wie er sagte, einen Kindheitstraum erfüllen: einmal im US-Fernsehen ein Schimpfwort loswerden und die Regie der vorher aufgezeichneten Sendung zu einem Beep zwingen. Eine freiwillige Selbstzensur sozusagen.

Schon im Herbst war der deutsche Satiriker in den USA unterwegs gewesen für eine Sendung des Neo Magazin Royale zur Präsidentschaftswahl. Und natürlich witzelten auch Böhmermann und Meyers über den neuen US-Präsidenten. Die deutsche Meinung zu Donald Trump? Da müsse man schon sehr diplomatisch rangehen, sagte Böhmermann, schließlich könne Trump ja mit dem nächsten Tweet einen Weltkrieg auslösen.

Den Gag, dass er als Deutscher lieber nicht über die Staatschefs anderer Länder urteilten sollte, hatte Böhmermann schon ein paar Tage zuvor im Livevideo mit der New York Times gebracht. In dem halbstündigen Gespräch mit der Zeitung hatte er noch ein paar der Sprüche getestet, die er dann in der Late-Night-Show brachte.

"Es war ein knappes Ergebnis"

In den wenigen Minuten, die Böhmermann als letzter Gast bei Seth Meyers hatte, konnte er nur  ein paar eher belanglose Späße über deutschen Humor loswerden: "Comedy wurde in Deutschland erst vor zwei Jahren per Referendum legalisiert. Es war ein knappes Ergebnis", sagte Böhmermann. Und: "Ironie ist immer noch illegal."

Zum Besuch von Angela Merkel bei Trump sagte er: "Oh my God, is he going to grab her by the pussy? And we were pretty surprised that he didn't even grab her by the hand!" Beim Studiopublikum kam das gut an, aber als deutscher Zuschauer hatte man nach diesem Auftritt das Gefühl, dass Böhmermann ein besserer Gastgeber als Gast ist. Zu Hause in Deutschland macht Böhmermann Satire mit dem Tranchiermesser: Fast jeder Schnitt sitzt, wenn er seine Opfer zerlegt. Die fünf kurzweiligen Minuten auf dem Sessel von Seth Meyers waren dagegen eher ein nettes Gastspiel mit dem Taschenmesser.