Am Freitag werden in Berlin die Deutschen Filmpreise vergeben und es ist ein besonderer Jahrgang mit einem ungewöhnlich hohen Anteil von Frauen unter den Nominierten in den wichtigsten Kategorien beste Regie und bester Film. Das heißt, in diesem Jahr entspricht das Verhältnis in etwa der Zusammensetzung der Gesellschaft, die ja auch zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen besteht. Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. In 67 Jahren Deutscher Filmpreis wurden nur vier Frauen für Regie ausgezeichnet, zuletzt bekam Caroline Link 2002 die Lola für Nirgendwo in Afrika, im Jahr davor Esther Gronenborn für Alaska.de. Preise gewinnen Frauen sonst vor allem als Schauspielerinnen, als Kostümbildnerinnen, als Maskenbildnerinnen, als Editorinnen, vielleicht noch als Ausstatterinnen. In diesem Jahr hingegen sind von sechs für den besten Film nominierten Produktionen drei von Frauen, und im Bereich Regie muss sich gegen Maren AdesToni Erdmann, Anne Zohra Berracheds24 Wochen und Nicolette Krebitz’ Wild ein einziger Mann behaupten. Auch Maria Schraders Film Vor der Morgenröte gehört in diesen erstaunlichen Jahrgang starker, eigenwilliger Filme, doch dieser wurde schon im vergangenen Jahr für den Deutschen Filmpreis eingereicht. Ein guter Grund, mit den vier Regisseurinnen über ihre Arbeit zu sprechen und über die Widerstände, gegen die sie zu kämpfen haben.

ZEIT ONLINE: Dieses Jahr wird der Regiebereich plötzlich von Frauen dominiert: Wie fühlen Sie sich damit?

Schrader: Auf jeden Fall in guter Gesellschaft!

Ade: Es fühlt sich doch irgendwie anders an, mal nicht als einzige Frau zwischen vier Männern zu stehen.

Krebitz: Würde ich jetzt hier allerdings zwischen vier Männern sitzen, würde ich auch gefragt, wie ich mich fühle. Als Frau wird man irgendwie immer gefragt, wie man sich fühlt.

Schrader: Das kann ich bestätigen, denn ich saß im letzten Jahr hier nur unter Männern.

ZEIT ONLINE: Haben Sie denn eine Erklärung für diese Ballung?

Ade: Da ist schon Zufall im Spiel. Jedenfalls sollte nicht der Eindruck entstehen, das Problem sei gelöst.

Schrader: Auch die letzten Filme von Nicolette, Maren und mir kamen ungefähr zur gleichen Zeit raus, wir arbeiten scheinbar in einem ähnlichen Rhythmus. Damals hat man nicht vom Jahr der Frauen gesprochen. Diesmal sind unsere Filme erfolgreich und im Kollektiv generieren wir dann doch auch mehr Aufmerksamkeit. Es gab viele Besprechungen, in denen wir alle vier in einem Atemzug genannt worden sind.

Ade: Das ist für alle gut, die Filmbranche freut sich, die Filme bringen noch mal ganz andere Themen und interessante Frauenfiguren ins Spiel. Und du, Maria, hast einen besonderen Blick auf eine Männerfigur. In Filmen von Frauen finde ich oft gerade die Männerfiguren interessant, darum schaue ich mir auch gerne Filme von Frauen an. Aber man sollte diese Geschlechterfrage generell nicht überbewerten, schließlich gibt es auch von Männern gute Filme über Frauen.

Krebitz: Im nächsten Jahr kann das schon wieder ganz anders aussehen, das muss über einen längeren Zeitraum beobachtet werden.

ZEIT ONLINE: Kann es sein, dass Frauen härter, genauer, sorgfältiger arbeiten müssen, Frau Berrached?

Berrached: Ehrlich gesagt will ich einfach nur Filme machen, weil ich das Gefühl habe, das kann ich besser als alles andere. Sicher, ich weiß, dass man für viele Frauen steht und damit irgendwie auch eine Verantwortung hat. Aber dieses Thema langweilt mich inzwischen.

"Sich so zur Hauptsache zu machen, finde ich total geil"

ZEIT ONLINE: Haben Sie das Gefühl als Frau gegen besondere Widerstände ankämpfen zu müssen? Braucht es den Druck der Quote?

Schrader: Es gibt viele Stoffe, die in Fernsehredaktionen mit Autoren, Produzenten und Redakteuren entwickelt werden. Wenn das Projekt dann steht, wird gefragt: Wer führt jetzt Regie? Das ist ein beträchtlicher Bereich, in dem mittels Quote ein gewisser Druck ausgeübt werden kann, damit nicht immer mit denselben Männern gearbeitet wird. Wir vier hingegen haben unsere Filme ja selbst aus der Taufe gehoben.

ZEIT ONLINE: Frau Ade, dass Sie selbst an der Produktionsfirma Komplizen Film beteiligt sind, ist vermutlich ein unschätzbarer Vorteil, oder?

Ade: Ja, das ist wirklich ein großes Glück, schon weil es mir als Mutter von zwei kleinen Kindern sehr entgegenkommt, dass alles um mich herum so arrangiert wird, dass ich trotzdem Filme machen kann. Beim Team habe ich sehr auf relativ freie Verfügbarkeit geachtet, damit nicht ich diejenige bin, die sich nach anderen richten muss.

Krebitz: Das habe ich nur aus der Ferne mitbekommen, weil wir ja nicht persönlich befreundet sind, aber die Art, wie du dir die Bedingungen für deinen Film geschaffen hast, hat mich sehr beeindruckt und inspiriert. Dieses Selbstbewusstsein, sich so zur Hauptsache zu machen, finde ich total geil.

ZEIT ONLINE: Frau Schrader, im Unterschied zu ihren Kolleginnen können Sie auf den Rückhalt einer in langen Jahren gewachsenen Zusammenarbeit mit der Produktionsgesellschaft X Filme bauen.

Schrader: Zuerst würde ich mich gerne Nicolette anschließen: Maren hat mit ihren Partnern ihre eigene Firma so außergewöhnlich früh gegründet, sie erscheinen mir dadurch wie eine selbstbewusstere Generation. Ich war schon Ende zwanzig als X Filme bei Dani Levy und mir in der Küche gegründet wurde. Ein Jahr lang trafen sich bei uns regelmäßig die Berliner Filmemacher. Bei diesen Treffen war ich eingeschüchtert und so ziemlich die einzige Frau. Klar, ich hatte viel weniger Erfahrung als Michael Klier oder Oskar Röhler und wer da sonst noch alles saß, aber manchmal hab ich mich schon gefragt, warum es so selbstverständlich war, dass Dani ein Teil davon wurde, ich aber nicht. Inzwischen bezeichne ich mich ganz gern als Satellit, mit allen irgendwie verbunden. Ich weiß, dass ich Stefan Arndts Vertrauen genieße. Jetzt, bei derMorgenröte, konnte ich noch viel mehr die Bedingungen bestimmen. X Filme bot das Dach, ich bin Mitproduzentin, ohne ins finanzielle Risiko zu gehen. Insofern ist das eine Zwitterform und wahrscheinlich ziemlich außergewöhnlich.

ZEIT ONLINE: Sie beide, Frau Krebitz und Frau Schrader, standen zuerst vor der Kamera. Hilft diese Prominenz als angesehene Schauspielerin beim Verwirklichen der eigenen Projekte?

Schrader: Ja und nein. Ich kann mich gut daran erinnern, dass enge Mitarbeiter meines ersten Films mir später irgendwann eröffnet haben: "Als ich gehört habe, dass du jetzt selbst einen Film machen willst, habe ich dir das überhaupt nicht zugetraut." (Alle lachen)

ZEIT ONLINE: Dabei hatten Sie zu dieser Zeit ja bereits zusammen mit Dani Levy Co-Regie bei Meschugge geführt.

Schrader: Schauspielern im Allgemeinen eilt ein gewisser unselbstständiger Ruf voraus. Wir sind darin geschult, zu reagieren, Dinge aufzunehmen, alles im Dialog, im Zusammenspiel zu entwickeln. Jedenfalls war für mich am Anfang das größte Problem, wie Nicolette es vorhin so schön gesagt hat, "mich zur Hauptsache zu machen", Chef zu sein. Ich habe mich ständig für diese Position entschuldigt. Das war anstrengend für andere. Darum habe ich mich bei Vor der Morgenröte nur mit Leuten umgeben, die mich im Zweifel bei künstlerischen Risiken eher unterstützen als auf Nummer sicher zu gehen.

Ade: Ich versteh gar nicht, warum man Schauspielern das Filmemachen nicht zutraut. Ihr habt doch einen enormen Einblick und Erfahrungsschatz durch all die Sets, an denen ihr gestanden habt, die vielen unterschiedlichen Regisseure, die ihr bei der Arbeit erlebt habt.

Krebitz: Natürlich stimmt es nicht, dass Schauspieler nur weisungsgebundene Wesen sind. Sie sind an vielen inhaltlichen Entscheidungen beteiligt und oft sogar dafür verantwortlich, dass Filme überhaupt gemacht werden, weil Projekte auf sie hin finanziert werden. Also ist es einerseits ein Vorteil, dass man als Schauspieler das Geschäft kennt und weiß, an welche Tür man klopfen muss. Doch den wirklich entscheidenden Handschlag zu bekommen, dieses echte Vertrauen, dafür muss man als Schauspieler eine Extrameile gehen. Jemand, der nur Regie und Produktion macht, der nicht tausendmal in irgendwelchen Kleidern Leuten gefallen und sich scheinbar unterwerfen musste, wird sicher anders wahrgenommen.

"Der Erfolg der Serie 'Twilight'"

ZEIT ONLINE: Frau Schrader, Frau Krebitz, als Schauspielerinnen haben Sie es ja noch auf andere Weise mit den gängigen Projektionen und Erwartungen der Männer an Frauen, ihre Schönheit, Jugend und ihren Sexy-Appeal zu tun. Versucht man solchen Klischees dann als Regisseurin bewusst entgegenzuwirken?

Krebitz: Ich finde jedes Werk erst dann interessant, wenn es etwas mit dem Künstler selbst zu tun hat. Insofern spielt natürlich auch meine Biografie eine Rolle, und das, was ich als Frau erlebt habe. Die Frauenfigur in meinem Film wollte ich ganz klar von diesem männlichen Blick befreien. Und das hat auch etwas damit zu tun, wie ich mich als Schauspielerin von ihm befreit habe.

Ade: Eine Schauspielerin hat ja auch die Möglichkeit, ihre Rollen auszusuchen und sie auf besondere Weise zu spielen.

Krebitz: Wie zum Beispiel Kristen Stewart, die in Twilight eine Frau spielt, die in einen Vampir verknallt ist und ihr eigenes Leben für ihn aufgibt. Doch so, wie sie es gespielt hat, war es interessant, weil sie diesem altmodischen Konzept ihre Androgynität entgegengesetzt hat. Darin gründet sich auch der Erfolg der Serie, alles andere wäre unerträglich gewesen.

Schrader: Interessant finde ich, dass ich dieses Gespräch vor vielen Jahren im Zuge von Aimée und Jaguar immer umgekehrt führen musste. In fast jedem Interview wurde mir die Frage gestellt, ob diesen Film über eine lesbische Liebe im Dritten Reich nicht eine Frau hätte inszenieren müssen. Ich habe immer geantwortet: Nein! Ich hätte mir keinen besseren Regisseur, keine bessere Regisseurin vorstellen können als Max Färberböck. Wann immer jemand wirklich genau hinschaut, spielen Geschlechterfragen keine Rolle mehr.

ZEIT ONLINE: Dennoch wird Empathie eher Frauen zugeschrieben. Auch Ihre vier Filme zeichnen sich durch eine besondere Genauigkeit aus, die Sie ebenso behutsam wie entschieden erarbeitet und eingefordert haben: Ihre Schauspieler, Frau Ade, erzählen zum Beispiel, dass sie keine Ruhe geben, bis es für Sie wirklich stimmt.

Ade: Aber das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass Männer nicht genau sind! Jede Form der Verallgemeinerung führt da nicht weiter. Die Frage ist vielmehr, wie frei wir überhaupt in der Wahl unserer Themen sind. Ich wurde beiToni Erdmann zum Beispiel oft gefragt: Warum nicht Vater und Sohn? Ja, warum nicht? Es erschien mir ganz natürlich. Doch in dem Moment, in dem ich eine Frau in dieses Arbeitsumfeld setze, muss ich mich dummerweise thematisch damit beschäftigen, dass es etwas bedeutet, wie sie sich verhält und warum sie etwas macht – obwohl mich der Genderkonflikt gar nicht primär interessierte. Ich fände es sehr befreiend, wenn es diese Fragestellung gar nicht mehr gäbe! Wenn ich mir umgekehrt einen Film anschaue, etwa einen James Bond, dann identifiziere ich mich dabei nie mit dem Bond-Girl, sondern immer mit Bond! Warum auch nicht? Das will man doch im Kino erreichen: dass sich Grenzen auflösen!

ZEIT ONLINE: Frau Krebitz, was waren denn die ersten Reaktionen, wenn man eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Wolf erzählen will?

Krebitz: Ich hätte den Film sicher ein bisschen schneller machen können, wenn die Männerfigur vordergründig eine größere Wichtigkeit gehabt hätte. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass auf den Kinotouren, oder wo immer ich das Publikum erlebt habe, und auch in den Kritiken, die häufig von Männern geschrieben wurden, sehr deutlich wurde, dass sich die Männer nicht ausgegrenzt fühlen. Sie spüren, dass es auch mit ihnen etwas zu tun hat: Wo stehe ich als Mensch in unserer heutigen Welt? Wenn es um Sehnsüchte geht, um Leidenschaften und um den Drang, sich zu befreien, haben wir doch eine ganze Menge gemeinsam.

ZEIT ONLINE: Sie haben alle vier einen sehr persönlichen Ansatz, den Sie auch mit extremen Forderungen bei der Produktion durchgesetzt haben: In Wild musste es ein echter Wolf sein, in Vor der Morgenröte die echte Wildnis, in 24 Wochen treten echte Ärzte auf. Warum?

Krebitz: Für mich sind das zwei Fragen. Zum einen geht es um das Spiel mit der Authentizität und die Frage, ob Filmemacherinnen eher an der Konfrontation von Fiktion und Wirklichkeit interessiert sind als Filmemacher, die vielleicht eher auf CGI abfahren, also Unberechenbares per Computer herstellen. Ich würde dann sofort behaupten, Frauen haben generell weniger Angst und auch den Anspruch, ihre Wirklichkeit darzustellen. Die zweite Frage ist, ob ein Stoff eigentlich keiner mehr ist, wenn er aus dem eigenen Leben kommt. Das habe ich lange als Neutralisierungsversuch empfunden, als könnte ich als Frau gezwungenermaßen nur mein Tagebuch verfilmen. Inzwischen habe ich mich davon befreit und finde alles, was nicht persönlich motiviert ist, uninteressant. Die Frage ist also eher, warum wir das überhaupt gefragt werden.

"Was macht die da?"

ZEIT ONLINE: Frau Berrached, Sie haben gerade einen Tatort inszeniert, bei dem es üblicherweise nicht viele Regisseurinnen gibt. Wie schwer war es, sich zu behaupten?

Berrached: Dass ich eine Frau bin, war ständig Thema. Als mir das Exposé angeboten wurde, habe ich meine Entscheidung vom Treffen mit Maria Furtwängler und dem Autor abhängig gemacht. Dann habe ich darum gekämpft, fünf Monate lang in den Drehbuchprozess involviert zu sein. Und das sieht man dem Ergebnis auch an. Es ist ein besonderer Tatort geworden, auf den ich stolz bin – auch wenn der Film natürlich nicht so persönlich ist wie 24 Wochen.

ZEIT ONLINE: Und wie reagiert das Team, wenn man als Frau in diesem Tatort-Männeruniversum Regie führt?

Berrached: Zunächst habe ich mein gesamtes 24-Wochen-Team reingeboxt, was nicht einfach war, weil alle erst dachten, sie sind viel zu jung für einen Tatort. Auch danach, in den ersten Drehwochen, haben mir noch viele andere, etwa die Assistenten der Heads of Department, nicht richtig vertraut: "Was macht die da? Jetzt will sie improvisieren, und nicht proben. Das muss man doch proben!" Alles kam ihnen am Anfang ein bisschen ungewöhnlich vor, aber dann war die Zusammenarbeit toll.

Ade: Man muss sich wirklich rausnehmen, es zu machen, wie man es für richtig hält, ohne Rücksicht auf die eingefahrenen Abläufe. Das ist der Grund, warum ich wirklich Angst vor Fernsehen habe.

ZEIT ONLINE: Frau Berrached, Siehaben einmal gesagt, dass sie auf der Filmschule gemerkt haben, dass Männer besser Regie führen: Inwiefern?

Berrached:So habe ich das nicht gemeint...

Ade: ...obwohl es natürlich stimmt... (Gelächter)

Berrached: In der Filmhochschule habe ich beobachtet, dass es Frauen manchmal schwerer fällt, den Druck auszuhalten. Auch die Männer haben Druck, aber aufgegeben haben mehr Frauen.

Ade: Man muss sich diesem idiotischen Druck entziehen. Das Wichtigste, was man an der Filmhochschule erklären sollte, ist, dass die Produktionsstrukturen letztlich völlig variabel sind und gestaltet werden müssen, bis sie individuell passen.

ZEIT ONLINE: Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Teams zusammen? Sie haben zum Beispiel alle vier einen Mann hinter die Kamera gestellt.

Krebitz: Frauen sind immer so bossy. (Gelächter)

Ade: Genau, Männer kann man viel besser kontrollieren. Mich hat gerade jemand gefragt, warum ich gar nicht mehr Frauen ins Team hole, na, hab ich geantwortet, ich hab auch gern Männer unter mir.

ZEIT ONLINE: Gut, Spaß beiseite.

Krebitz: Das war gar kein Spaß. Es ist zwar lustig, aber auch die Wahrheit.

Berrached: Ich habe einfach Menschen ausgewählt, nicht Geschlechter.

Ade: Bei mir waren viele Frauen im Team. Auch als Firma machen wir viele Filme mit Frauen, ganz einfach weil uns die Stoffe interessieren. Und ich arbeite auch wahnsinnig gerne mit Frauen zusammen, fühle mich andererseits aber überhaupt nicht verpflichtet, als Frau eine Frauenquote zu erfüllen. Das wäre ein viel zu großer künstlerischer Eingriff. Ich entscheide mich für einen Kameramann, weil ich seine Arbeit interessant finde.

Krebitz: Und es gibt auch viel weniger Kamerafrauen als Kameramänner. Meine ersten beiden Filme habe ich mit Bella Halben als Kamerafrau gemacht. Das hat sich bei späteren Projekten nicht ergeben. Das Drehbuch zu Wild habe ich ihr und Reinhold Vorschneider geschickt, und ihm fiel zum Thema sehr viel mehr ein. So trifft man im Grunde alle Entscheidungen.

Schrader: Bei Vor der Morgenröte haben über 70 Männer und sehr wenige Frauen mitgespielt. Für mich war es daher schon ein Kriterium, einen Mann hinter der Kamera zu haben, um eine Balance herzustellen. Ich fand’s auch gut, dass der Kameramann Wolfgang Thaler und viele Schauspieler älter waren als ich. Natürlich geht es in erster Linie um künstlerische Entscheidungen. Aber man ist auch für eine Atmosphäre verantwortlich, in der Vertrauen entstehen kann. Je heterogener ein Team aufgestellt ist, umso besser.