"Die Menschheit ist eine gescheiterte Spezies, sie hat es nicht verdient, weiter zu existieren." Dieser Satz fällt etwa in der Mitte von Alien: Covenant zwischen den beiden Androiden David (Michael Fassbender) und Walter (ebenfalls Fassbender). David, der sich selbst als Schöpfer einer neuen Spezies sieht, stellt Walter vor die Wahl: Er könne sich entscheiden, ob er des Himmels Knecht oder der Hölle Herr sein wolle. 

Es ist eine beispielhafte Szene, war doch die Prämisse der Alien-Filme stets, dass außerirdisches Leben dem menschlichen nicht nur zutiefst feindlich gegenübersteht, sondern organisch auch weit überlegen ist. Solch radikalen Pessimismus hatte man im Science-Fiction-Kino der letzten Jahre selten gesehen, im Gegenteil: Viele der stilprägenden Filme des Genres schlugen in den letzten Jahren einen beseelten, hoffnungsvollen Ton an. Arrival (2016) etwa entwarf eine Utopie der friedlichen Kommunikation mit fremden Lebensformen; Interstellar (2014) spielte die Erschließung fremder Planeten als Lebensraum für eine von Ökokatastrophen geplagte Menschheit als machbares Szenario durch. Ridley Scotts Alien: Covenant übergießt beide Träume mit ätzender Säure. 

Der Film knüpft an die Handlung von Prometheus (2012) an, Scotts Prequel zum ersten Alien-Film (1979). In Prometheus macht sich eine Forschergruppe auf die Suche nach den Schöpfern der Menschheit. Alien war nicht bloß eine der erfolgreichsten Franchise-Reihen des Science-Fiction-Kinos (vier Teile, zwei Crossover-Produktionen, ein Prequel), sondern auch stilprägend für eine neue Art des Horrorkinos. Dementsprechend groß waren die Erwartungen an den Film, der seit Wochen mit einer umfangreichen Marketingstrategie beworben wird. 

Alien: Covenant spielt im Jahr 2104, zehn Jahre nach Prometheus. Das Raumschiff Covenant ist mit einer Fracht von 2.000 eingefrorenen Menschen und 1.000 Embryonen auf dem Weg zu einem entlegenen Planeten, den Forscher aufgrund seiner klimatischen Bedingungen ausgesucht haben, um dort eine neue Menschenkolonie aufzubauen. Doch auf dem Weg dorthin empfängt die Crew ein mysteriöses Signal von einem nahe gelegenen, erdähnlichen Planeten. Gegen den Protest der skeptischen Terraforming-Expertin Daniels (Katherine Waterston) entscheidet sich der Kommandant Christopher (Billy Crudup), auf dem Planeten zu landen. Dort angekommen, findet die Crew inmitten einer paradiesischen Landschaft die Überreste des abgestürzten Raumschiffes aus Prometheus. Als zwei Crewmitglieder in der Nähe des Wracks die Sporen ätzender schwarzer Eier einatmen, infizieren sie sich mit einem fremdartigen Parasiten. Kurze Zeit später platzen in splatterhafter Manier Alien-Prototypen aus ihren Körpern. 

Nachdem die Crew von den beiden Wesen in kürzester Zeit dezimiert wird, taucht der Android David auf. Als einziger Überlebender der Prometheus-Expedition bewohnt er den verlassenen Planeten nun alleine. In seinem ruinenartigen Tempel finden Daniels und die verbliebene Crew Zuflucht. David gleicht äußerlich Walter, dem menschenfreundlichen Androiden der Crew, stammt aber aus einer früheren Produktionsgeneration. Was ist in den zehn Jahren nach dem Scheitern der Prometheus auf dem Planeten passiert?

Angelehnt an Paranoia-Thriller

Seit jeher beziehen die Alien-Filme ihre beunruhigende Wirkung nicht bloß aus ihrer nervenaufreibenden Inszenierung, sondern auch aus ihren Dystopien. Im ersten Alien will eine ominöse Firma das aggressive, extraterrestrische Wesen als Biowaffe benutzen, und opfert die Besatzung eines Raumschiffes, um an ein Exemplar des Alien zu kommen. Mit seiner zynischen Haltung knüpfte der Film in den 70er-Jahren an die Atmosphäre der zahlreichen Paranoia-Thriller dieser Zeit an: Zeuge einer Verschwörung (1974), Der Dialog (1974) oder Die Drei Tage des Condor (1975) sind alle von einer diffusen Angst vor den Machenschaften eines undurchschaubaren militärisch-industriellen Komplexes durchdrungen.