"Master of None", Staffel 2

Master of None galt lange als das alternative Friends, beziehungsweise als das diverse Sex in the City: eine Clique um einen indischstämmigen Schauspieler, einen Sohn taiwanesischer Einwanderer, eine schwarze Lesbe und einen großwüchsigen Weißen kämpft sich durch das herzlose New Yorker Liebesleben. Die Hauptfigur Dev, gespielt vom Serienschöpfer Aziz Ansari, verbaut sich durch Anfälle unberechenbarer Ehrlichkeit immer wieder die schönsten beruflichen und privaten Möglichkeiten. Die Zuschauer liebten ihn dafür. Staffel eins endete mit dem Scheitern von Devs erster ernsthafter Beziehung, liebeskummergeplagt brach er zu einem Pasta-Praktikum nach Italien auf.

Die Fortsetzung beginnt mit einer Hommage an den italienischen Neorealismus – Ansari spielt die Handlung von Vittorio de Sicas Fahrraddiebe nach. Nur dass diesmal nicht das existenzsichernde bicicletta gestohlen wird, sondern das für Dev mindestens so lebenswichtige Smartphone mit der Nummer seiner neuen Eroberung. Das ist für Cineasten natürlich ein Schmankerl, allerdings ist der Italien-und-Pasta-Exkurs der ersten beiden Folgen wohl eher auf ein amerikanisches Publikum und Chefs Table-Fans zugeschnitten (der italienische Spitzenkoch Massimo Bottura hat einen kleinen Auftritt!).

Auch zurück in New York nimmt die Fortsetzung nicht mehr das Tempo und den Witz der ersten Staffel auf. Eine Folge, die von Devs zahllosen Tinder-Dates handelt, wirkt sogar ein wenig anachronistisch für eine Serie, die für einen neuen Blick auf moderne Dating-Dramen berühmt geworden ist. Dennoch leistet sich Master of None zwischendurch immer wieder unvergleichliche Szenen: ein Folge, die großenteils ohne Ton und mit Gebärdensprache auskommt – und eine fünfminütige Schlusssequenz im Fond eines Taxis, in der einfach nur auf den Hauptdarsteller gehalten wird, in dessen Gesicht wir ablesen können, dass er sich gerade ernsthaft verliebt hat. (Carolin Ströbele)
"Master of None": Beide zehnteilige Staffeln laufen auf Netflix.