Will die "zweite" afroamerikanische Präsidentin werden: Coco (Antoinette Robertson, li.) © Adam Rose/Netflix

Der Clou der Serie besteht in ihrer aufreizenden Dramaturgie. In der Mitte, am Ende von Episode fünf, wenn man sich schon fragen will, welche der Nebenfiguren ins Zentrum der nächsten Folge gerückt wird, ändert die Erzählung entschieden ihren Rhythmus. Es kommt zu einem Zwischenfall, der den Link zur Lebensgefahr herstellt, die für People of color von rassistischem Denken ausgeht, egal, welchen Abschluss sie haben oder wie viel Geld.

Ein Einbruch des Realen lässt die Figuren sentimental werden ("Was waren das für Zeiten, als wir über Blackface-Party diskutieren konnten") und macht den Erzähler (Giancarlo Esposito aka "Gus Fring" aus Breaking Bad), der am Beginn jeder Folge einen kurzen Auftritt hat, sprachlos. Von ihrer Robert-Altman-haften Kurzgeschichtenstruktur wechselt Dear White People in der zweiten Hälfte zu einem Politdrama, bei dem es darum geht, Mehrheiten und Argumente für eine angemessene Antwort auf den Zwischenfall zu finden.

Und wenn es beim Finale auch lange so scheint, also würde die Serie ihren Furor an die Einsicht ins Konventionelle verlieren, ergibt sich eine überraschende Pointe, die eine zweite Staffel nur logisch erscheinen lässt. Das wäre Justin Simien zu wünschen (und auch, dass die altbackene deutsche Synchronisation und Untertitelung das Niveau halten kann). Denn abwechslungsreicher und unterhaltsamer, klüger und witziger als Dear White People kann man von den gesellschaftlichen Schieflagen unserer Zeit kaum erzählen.

"Dear White People" läuft auf Netflix.