Wenn es wirklich das Schwerste ist, alles leicht wirken zu lassen, dann war Roger Moore ein großer Schauspieler. Doch es schien ja nicht so, als ob Moore sehr viel Zeit darauf verschwendet hat, sich zu fragen, wie bedeutend oder vielleicht auch nicht seine Karriere gewesen sein mag. Er ging darüber mit der scheinbaren Leichtigkeit hinweg, mit der er seine Rollen eher verkörperte als spielte. Roger Moore war weniger ein Schauspieler denn ein Star.

Einer ohne echtes Früh- und Spätwerk, das unterschied ihn von den beiden anderen noch lebenden britischen Schauspielern seiner Generation mit ähnlicher Prominenz, Michael Caine und natürlich: Sean Connery. James Bond war die Rolle, die Connerys und Moores Berufsleben in deren jeweiliger Mitte prägte, beim einen etwas früher, beim anderen etwas später. Doch im Gegensatz zu Connery kam bei Moore danach einfach nichts mehr. Keine berührenden Altersrollen, keine nachgeholte Versöhnung mit der doch eigentlich reichlich skurrilen Agentenfigur – kein Der Name der Rose, kein Die Unbestechlichen, kein Der-Vater-von-Indiana-Jones, kein Minutenauftritt als König Richard Löwenherz. Roger Moore trat einfach ab. Ein paar Filmauftritte noch, ein bisschen Fernsehen, vor allem aber humanitäre Arbeit für Unicef. Das war’s. Keine Auflösung.

Bemerkenswert ist, dass alle drei genannten Männer ursprünglich der britischen Arbeiterschicht entstammten, bestenfalls untere Mittelklasse: Caines Vater arbeitete auf dem Fischmarkt, Connerys war Fernfahrer, Moores Polizist. Ihre Herkunft hatte sie nicht auf die Gentlemanrollen vorbereitet, dank derer sie später berühmt wurden (bei Caine war es nicht Bond, sondern Alfie) – sie waren bereits Teil der persönlichen Verwandlung, des sozialen Aufstiegs in einer immer noch klassenbestimmten britischen Nachkriegsgesellschaft.

Wenn eine Motivation der Söhne die Sehnsucht gewesen sein mag, nicht so zu enden wie die Väter (oder jedenfalls nicht so hart körperlich arbeiten zu müssen), dann führte Moores Weg anfangs am weitesten nach oben und am weitesten weg von London, wo er 1927 geboren wurde: Roger Moore ging nach einem sehr kurzen Besuch der Royal Academy of Dramatic Art, dem Militärdienst im besetzten Deutschland und ein bisschen Modeln in der Heimat bald nach Hollywood. Das dortige Studiosystem steckte ihn in stereotype Nebenrollen, erst war Moore bei MGM unter Vertrag, später bei Warner Bros., alles Quatsch eigentlich, was er da drehte, nichts Aufsehenerregendes, Niedriglohnzeugs.

Das Fernsehen übernahm den blendend ausschauenden Moore dankend Ende der fünfziger Jahre, und die vierte Serie, in der er dann mitspielte, war die entscheidende, die Moore auch später zum Bond-Darsteller qualifizierte: Simon Templar, im Original The Saint, Gentleman-Schlawiner, kesse Sprüche, eine Augenbraue stets hochgezogen, Herz am rechten Fleck. Moore war zurück in Großbritannien, und der Sender ITV konnte die zwischen 1962 und 1969 gedrehte Serie in so ungefähr jedes Land auf dem weiten Erdenrund verkaufen – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Bond-Filmreihe mit dem Schotten Connery zeitgleich Britishness zum kulturellen Exportschlager machte. Der amerikanische Schriftsteller Jay McInerney schrieb 1996 in dem herrlich überkandidelten Bond-als-Modefigur-Bändchen The Suited Hero unter dem Titel How Bond Saved AmericaAnd Me, wie er sich als Junge in den Sechzigern dank Bond in Savile-Row-Anzüge und ein anderes Leben hineinträumen konnte: "Bond stand für eine urbane Form von cool: Außer dass er großartig aussah in der Verkörperung durch Sean Connery, war er zudem noch witzig, gutangezogen und unerschütterlich – er war der einzige Kinoheld, den wir je gesehen hatten, dessen erster Impuls nach dem Töten eines anderen Mannes es war, seine Krawatte wieder zurechtzuziehen."