Terrence Malicks Filme sind entfesselte Seherfahrungen, die nur noch entfernt Ähnlichkeit mit konventionellem Kino haben. Seine abstrakten, von einer impressionistischen Farb- und Lichtsensibilität durchdrungenen Werke wie etwa The Tree of Life (2011) brechen klassische Sehgewohnheiten radikal – und produzieren damit in gleichem Maße Faszination wie Ablehnung.

Doch selbst wenn wie bei seinen beiden letzten Filmen To the Wonder (2012) und Knight of Cups (2015) eher die Kritik überwog, scheint unter Schauspielern und anderen Filmschaffenden das Interesse ungebrochen, mit dem notorisch unnahbaren Regisseur zu arbeiten. Auch in Malicks neuem Film Song to Song kann man einen prominenten Ensemblecast mit Rooney Mara, Ryan Gosling, Cate Blanchett, Michael Fassbender und Natalie Portman bestaunen. Und mit dem visionären Kameramann Emmanuel Lubezki, der für seine Arbeiten an Gravity (2013), Birdman (2014) und The Revenant (2015) zuletzt drei Oscars in Folge gewann, dreht Malick nun schon zum fünften Mal zusammen.

Song to Song spielt in Austin, Texas, und es gibt diesmal ungewohnt viel Narratives. In der selbsternannten "Welthauptstadt der Livemusik" Austin findet jährliche das SXSW-Festival statt, ein Riesenevent, bei dem Subkultur und Musikgeschäft zusammentreffen. Hier versucht Faye (Mara) als Musikerin in einer lokalen Rockband den Durchbruch zu schaffen. Der Songwriter BV (Gosling), zugleich einer ihrer Liebhaber, hat bereits eine vielversprechende Karriere von dem skrupellosen Musikmanager Cook (Fassbender), Fayes anderem Liebhaber, in Aussicht gestellt bekommen. Eifersucht und Rivalitäten lassen diese bohèmehafte Dreiecksbeziehung jedoch schnell in ihre Einzelteile zerfallen. Cook umwirbt mit seinem protzigen Reichtum die Kellnerin Rhonda (Portman), Faye hat eine Affäre mit Zoey (Bérénice Marlohe) und BV sucht sein Glück mit Amanda (Blanchett).

So entspinnt sich ein komplexes Netz aus Liebe, Begehren und Abhängigkeit, das permanent in Bewegung ist. Faye hungert nach ekstatischen Erlebnissen und ist überzeugt, jede Erfahrung sei besser als gar keine. Sie sucht den Kontakt – auch den körperlichen – zu einflussreichen Personen im Musikgeschäft in der Hoffnung, so den entscheidenden Schritt ihrer Karriere zu machen. Cook wiederum spielt sich mit ausschweifenden Partys auf seinem prächtigen Anwesen zum allmächtigen Guru auf.

Zwar ist Song to Song weder Musiker-Biopic noch Musical, aber dennoch zu jeder Zeit durchdrungen von Musik. Lubezkis Kamera führt ins staubige Publikumsgedränge eines Rockbandauftritts, gleitet durch die protzigen Häuser der Musikmanager und beobachtet Faye und BV beim ungezwungenen Jammen. Die Sprunghaftigkeit seiner Figuren absorbiert Malick zu einem rastlosen, musikalischen Bilderfluss. Immer wieder flaniert die Kamera über Festivals und fängt Berühmtheiten ein: Iggy Pop, Patti Smith und die Red Hot Chili Peppers tauchen ebenso beiläufig auf wie unbekannte Lokalmusiker. Malicks filmische Vision verwischt hier die Grenzen von Fiktion und Dokumentation, Star und Laiendarsteller, Schauspiel und Improvisation.

Song to Song ist so – wieder mal – näher an poetischer Evokation denn an erzählerischer Präzision. Der Film ist zwar fast schon linear erzählt, folgt aber vor allem den Gefühlszuständen seiner impulsiven Figuren, weniger einer dramaturgischen Logik. In einer Szene sehen wir, wie Faye und ihr Vater auf dem Parkplatz vor einer Tankstelle aufgewühlt umeinander kreisen. Worüber die beiden reden, ist kaum zu verstehen; in einem über die Szene gelegten Monolog bezweifelt Faye jedoch, ob ihr die ungebundene Künstlerexistenz jene Erfüllung bringt, die sie sich ersehnt. Dann dreht langsam die Musik auf und über ein paar aufgeregte Schnitte wirft Malick seine Zuschauer in eine neonfarbene Clubszenerie.