Erst die Dinge ein bisschen streicheln und dann knallhart verkloppen: Bernhard Hoecker, Moderator Horst Lichter und Experte Albert Maier in der Spezialausgabe von "Bares für Rares". © ZDF/ Frank Dicks

Karla und ihr äußerst erwachsener Sohn ("Rüdiger, ist das deine Mami?", fragt ihn Lichter) wollen von dem Geld essen gehen, das sie für den alten schicken Kinderwagen zu bekommen hoffen – "da hat jeder was davon". Adrian, ein 21-jähriger angehender Wirtschaftsingenieur, und Justine, 25, kaufmännische Angestellte, haben das Gleiche vor. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass die Objekte von vielen Kandidaten gegen Erlebnisse getauscht werden sollen. Man gibt ein Familienerbstück weg und kauft sich davon Zeit, die man mit den Lieben verbringen will.

Unterhaltungsfernsehen mag nicht analytisch sein. Aber es liefert hier doch Anschauungsmaterial für die Beschäftigung mit der deutschen Überfluss- und Erbengesellschaft und der Dynamik von Werten.

Man könnte der Sendung sogar ein massenkonsumkritisches Empfinden unterstellen; schließlich geht es stets auch um den Versuch, die Dinge vor ihrem Tausch in Geld als solche wahrzunehmen. Die einzelnen Artefakte bekommen eine Biografie.

Hoffen, dass jemand anbeißt

Paradoxerweise hat das ZDF für diese Sendung über das subjektiv Besondere das Setting einer 08/15-Verkaufsshow gewählt. Der Plunder wird anschließend gleich vertickt. An einem Tisch sitzen Trödelhändler wie in einer Castingshow, davor stehen die Kandidaten und hoffen, häufig recht hilflos, dass jemand anbeißt und feststellt, dass dieses alte Grubentelefon doch wunderbar "in ein cooles Loft" passen würde. Die Dinge bekommen also ihre Warenform, die ihnen von Lichter gerade noch herausgestreichelt wurde, also umgehend wieder zurück.

Womöglich ist es genau diese Doppelbödigkeit, warum die Sendung so gut ankommt. Es geht nicht um die Erprobung einer Gegenkonsumstrategie. Bares für Rares bringt seine Zuschauer nirgends hin, sondern holt sie einfach nur zu Hause ab und führt sie auf bekanntes Terrain.

Der indonesische Ethnosoziologe, der die deutschen Flohmärkte studierte, hat die deutsche Gesellschaft einst kennengelernt als eine, die vor lauter Standards die Kunst des Gabentauschs nicht mehr draufhat. Für alle, die das vermissen, bietet Bares für Rares Ersatz. Die Sendung ist ein Flohmarkt von der Stange. Aber schließlich sind wir in Deutschland auch nicht auf dem Basar.

Bares für Rares läuft am 15. Juni und 13. Juli, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF