Eigentlich ist es ein Kammerspiel. Aber eines mit Zombies, oder Ghulen, wie man die Untoten auch nennen darf, die versuchen, in ein abgelegenes Haus einzudringen, um dort ihr typisches Übel zu bewerkstelligen: Der Film Night of the Living Dead, zu Deutsch Die Nacht der lebenden Toten, 1968 mit einem Mikrobudget von 114.000 US-Dollar gedreht und mit lizenzfreier, sogenannter Stock Music unterlegt, wurde zum Klassiker, und spielte bis heute weltweit 30 Millionen Dollar ein. 

Sein Regisseur George A. Romero, der am Sonntag mit 77 Jahren in Kanada an Lungenkrebs starb, begründete damit das moderne Horrorgenre. Denn aus seinem schwarz-weißen, spannungsvoll inszenierten Drama lassen sich jede Menge gesellschaftliche Kommentare herauslesen. Neben dem schönen Schauer, den die grotesk langsam humpelnden Untoten mit den schlechten Zähnen beim Zuschauer hervorrufen und der Inszenierung auf kleinstem Raum setzte sich vor allem das Figurenkarussell dieses Films über das im Genre Übliche hinweg: Der Hauptdarsteller war schwarz – in einer Zeit, in der kein Schauspieler der in alle Richtungen expandierenden Traumfabrik "einfach so" schwarz sein durfte.

Ein Jahr nach Stanley Kramers überragendem, rassismuskritischem Drama Rate mal, wer zum Essen kommt mit Sidney Poitier scharte Romero in seiner imposanten Zombiesause ein ähnliches Personal um sich: Duane Jones als alleiniger Afroamerikaner unter Weißen im Bauernhaus, eine junge weiße Frau (Judith O’Dea), die durch eine Zombie-Begegnung stark traumatisiert ist, und zwei weiße Paare, die ebenfalls in der Hütte Schutz suchen. Jones ist der einzige, der vernünftig handelt – von ihm stammen sämtliche Impulse, gegen die Zombies vorzugehen. Am Ende wird er aus der Ferne kaltblütig von einer Gruppe weißer Männer erschossen, die ihn für eines der Monster hält.

"Godfather of Dead"

Dabei war es laut Romero reiner Zufall, dass seine Hauptfigur Ben von einem afroamerikanischen Schauspieler gespielt wurde – er sei "bei der Audition einfach der Beste gewesen" behauptete der Regisseur. Dennoch habe sein Team schon beim Dreh bemerkt, dass das Casting die Aussage des Films beeinflusste: "Als wir am letzten Drehtag nach New York fuhren, mit einer Kopie des Films im Gepäck, hörten wir im Radio, dass Martin Luther King erschossen wurde. Unsere Rektion war: Oh nein – aber das ist gut für uns", erzählte Romero in einem Interview 2008.

Doch der Film bietet noch mehr: In dem klaustrophobischen Szenarium mit einer an den Handelnden klebenden, subjektiven Kamera scheinen neben der beiläufig-offensichtlichen Aussage zur Hautfarbe auch die Gräuel des Vietnamkriegs durch sowie eine desolat-ignorante Gesellschaft, die sich der um sich greifenden Zombieseuche – im Film entsteht sie aufgrund einer gefährlichen, außerirdischen Strahlung – unterwirft. Der Zombie, so scheint Romeros Subtext zu sein, sind wir selbst, er lauert in uns allen: Er steht für den Rückzug von Individualität und freiem Denken.

Das von Romero und seinem Co-Drehbuchautor John Russo – nach The Ghoul von 1933 und Jacques Tourneurs Ich folgte einem Zombie von 1943 – kräftig renovierte Bild des Untoten, der trotz brutalster Tötungsversuche immer wieder aufersteht und sich hinkend auf die Suche nach Menschenfleisch macht, wurde vielleicht darum fortan zu einer der Lieblingsfiguren der Kinogemeinde. Seinen Schöpfer machte es zum weltweit kultig verehrten Godfather of the Dead, dessen spätere Filme sich meist auf seinen ersten Klassiker bezogen.