Die französische Schauspielerin Jeanne Morau ist tot. Sie starb im Alter von 89 Jahren. Das teilte ihr Agent mit. Nach Angaben der Bürgermeisterin des 8. Pariser Bezirks wurde sie tot in ihrer Wohnung in der französischen Hauptstadt gefunden. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach Moreaus Familie sein Beileid aus und würdigte die Pariserin als eine Schauspielerin, die das Kino in seiner "Komplexität" und seinem "Anspruch" verkörpert hat.

Liebende, Hure, Nonne, Femme fatale und Königin: Moreau – bekannt für ihre tiefe rauchige Stimme – spielte in mehr als 130 Filmen mit. Darunter sind mehrere, die in die Filmgeschichte eingegangen sind wie Gefährliche Liebschaften, Fahrstuhl zum Schafott und vor allem die Dreiecksgeschichte Jules et Jim von François Truffaut. Die Rolle als freiheitsliebende Frau brachte ihr den internationalen Durchbruch. Sie führte auch selbst Regie und nahm mehrere Platten auf. Sie wurde unter anderem mit dem französischen Filmpreis César und beim Filmfestival von Cannes ausgezeichnet.

"Sie ist eine Frau, die sich einer Unzahl von Hindernissen gegenüber sieht und sie überwindet, indem sie all ihre Fähigkeiten einsetzt", sagte der Regisseur Joseph Losey über ihre Wandlungsfähigkeit. Moreau, am 23. Januar 1928 in Paris geboren, wurde mit zahlreichen Theater- und Filmpreisen geehrt. Neben der Auszeichnung als beste Darstellerin in Cannes verlieh ihr das Festival 2004 auch die Goldene Palme für ihr Lebenswerk. Ein Leben ohne die Schauspielerei konnte sich Moreau nicht vorstellen. "Ich höre erst auf, wenn ich tot bin", sagte sie einst in einem Interview.

Erstmals stand die Tochter einer britischen Tänzerin und eines französischen Gastronomen 1948 vor der Kamera und arbeitete fortan mit den Größen der Branche zusammen. Als gelangweilte und frustrierte Gattin spielte sie etwa an der Seite von Jean-Paul Belmondo unter Peter Brook in Stunden voller Zärtlichkeit und als Partnerin von Marcello Mastroianni in Die Nacht von Michelangelo Antonioni. Viel gefragt war sie auch bei deutschen Filmemachern. Rainer Werner Fassbinder holte sie als Puffmutter für Querelle – Ein Pakt mit dem Teufel vor die Kamera und Wim Wenders für Bis ans Ende der Welt.