Ratten, heißt es, werden die Menschheit überleben, wenn diese sich eines Tages selbst den Garaus macht. Jetzt, da die Apokalypse so absehbar ist wie selten zuvor, ist es durchaus angebracht, sich mit diesem Gedanken eingehend zu beschäftigen. Ja, es mag sein, dass die unsympathischen Nager in den verlassenen Einkaufszentren des atomaren Winters immer noch nach Essbarem wühlen, wie es so ihre Art ist. Aber geschenkt. Denn die wahren Sieger werden andere sein. Sie haben sich längst der Raumschiffe bemächtigt, die wir doch eigentlich für uns gebaut hatten, um dem Inferno zu entkommen, und sind davon geschwebt auf einen heilen Planeten, auf dem sie ihre majestätische Lebensweise nahtlos fortsetzen können.

Die Rede ist – natürlich! – von Katzen.

Wie kann man diesen anmutigen Tieren nur solche Niedertracht unterstellen, fragen da schon die Verehrer der Katzen und werfen wütend mit Streu. Sie müssen blind vor Liebe sein. Niemand, der diese Spezies objektiv studiert hat, kann doch in Abrede stellen, dass sie die Menschheit seit jeher schamlos ausnutzt. Darüber kann auch keine tote Maus hinwegtäuschen, die uns dann und wann alibimäßig auf die Fußmatte gekotzt wird.

Doch ob man Katzen nun mag oder nicht, eines muss man anerkennen: Sie haben das Spiel durchschaut. Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag. Wer niedlich ist, muss nicht arbeiten. Ohne sich andauernd als servile Spielkameraden mit dümmlich heraushängender Zunge zu produzieren, wie Hunde es tun, können sie sich sicher sein, von vielen geradezu abgöttisch geliebt zu werden. Ja, sie haben sich den Menschen allein durch faules Herumgeliege Untertan gemacht, zu einem Grade, dass Gott die Hände überm Kopf zusammenschlagen muss. Und wo das nicht der Fall ist, wo man ihnen etwas abverlangen will, und sei es nur anständiges Benehmen, urinieren sie abfällig in den Kleiderschrank.

Dabei brauchen sie den Menschen nicht etwa als den, für den er sich hält, als Herrchen oder Frauchen, ha, darüber können Katzen nur grinsen. Sie machen sich doch nicht abhängig. Diese Symbiose gehen sie nur ein, weil, wie der Comic-Kater Garfield einmal in einem Augenblick seltener Ehrlichkeit zugab, sie keine Daumen hätten, und Daumen brauche man nun einmal, um einen Dosenöffner zu bedienen.

Kino - "Kedi – Von Menschen und Katzen" (Trailer) © Foto: Weltkino Filmverleih GmbH

Katzen mögen also handwerklich ungeschickt sein, aber sie sind auf geradezu impertinente Weise schlau. Deswegen ist davon auszugehen, dass sie auch hinter dem Film Kedi – Von Katzen und Menschen stecken, nicht nur als Hauptdarsteller, sondern sehr wahrscheinlich auch als Produzenten. Zumindest haben sie den Regisseur soweit indoktriniert, dass er ein Propagandawerk erstellt hat, das nur einem Zwecke dient: Niemand soll je wieder fragen dürfen, ob Katzen nicht auch endlich mal was beitragen könnten zum Wohle der Gesellschaft.

Der Streifen ist die konsequente Verlängerung einer seit Jahren andauernden gigantischen PR-Kampagne im Internet. Dort machen die schlicht Katzenvideos genannten Imagefilme längst einen Großteil des Datenvolumens aus, sie zeigen Katzen in allen Gemüts- und Aggregatzuständen, miauend, schlafend, sich in einem Knäuel verfangend, im Rhythmus eines Technostücks ein Gewölle hervorwürgend, Katzen, Katzen, überall Katzen. Nun macht sich Kedi nicht die Mühe, dem Ganzen etwas Erzählerisches hinzuzufügen, auch erhält man keine Erklärung dafür, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschen auf die Katzen hereinfielen. Es handelt sich einfach bloß um ein Katzenvideo in Spielfilmlänge.