Das Problem ist zunächst das Geld. Dieser gigantische Haufen an Scheinen, der permanent anfällt und irgendwo unauffällig untergebracht werden muss. Aber was heißt unauffällig? Barry Seal wird es einfach dorthin stopfen, wo gerade Platz ist: in Schränke und Verschläge, in Koffer im Abstellraum, in die Pferdebox. Oder im Garten vergraben. Irgendwer wird es irgendwann wieder ausgraben, und es wird sich herausstellen, dass Barry Seal noch weitaus größere Schwierigkeiten hatte als die, sein Geld unterzubringen. Doch dann wird ohnehin alles zu spät und Barry Seal bald von kolumbianischen Auftragskillern erschossen worden sein.

Erstaunlich, dass die komplett wahnwitzige Geschichte des Barry Seal es bislang erst auf eine einzige Verfilmung gebracht hat, 1991, in einer Low-Budget-Produktion, immerhin mit Dennis Hopper in der Hauptrolle. Doublecrossed verschwand schnell wieder von der Bildfläche. Nun hat der amerikanische Regisseur Doug Liman (The Bourne Identiy; Mr. & Mrs. Smith) einen neuen Anlauf unternommen, mit Tom Cruise in der Hauptrolle, dieser Allzweckwaffe für die Rolle des fliegenden Sonnyboys. Es ist ein neuer und ziemlich erfolgreicher Anlauf.

Barry Seal gab es wirklich. Er wurde 1939 geboren und 1986 erschossen. Im Alter von 16 erwarb er den Pilotenschein; mit 20 war er der jüngste Boeing-707-Pilot der Welt. Er flog für die amerikanische Airline TWA. Doch schon an dieser Stelle trennt sich die Filmrealität von der Wirklichkeit. Denn in Wahrheit, darauf deuten zumindest alle verfügbaren Dokumente hin, war Barry Seal bereits seit den 1960er Jahren in diversen geheimen Missionen für die CIA unterwegs und der zivile TWA-Job nur seine Tarnung. Im Film dagegen ist Barry Seal ein bürgerlich domestizierter Pilot mit gut aussehender Frau (Wright Olsen) und Kleinfamilie, der sich ab und zu ein Späßchen im Flugzeug erlaubt. Tom Cruise verkörpert diesen Typus seit Top Gun mit Pilotenbrille und einem sonnigen Lächeln, dieser unfehlbaren amerikanischen Melange aus Lässigkeit und Konzentration.

Ohne Schmerzen und Nebenwirkungen

Im Film steht eines Tages ein freundlich lächelnder rothaariger junger Mann in einer Hotelbar neben Seal. Der CIA-Agent Monty Schafer (Domhnall Gleeson in mehreren glanzvollen Auftritten) ist eine diabolische Figur: schmeichelnd im Umgang, bedacht auf nichts als seine Karriere. Das Gegenstück zu dem sympathischen, aber nicht sonderlich schlauen Barry Seal, der eher an Forrest Gump als an Frank W. Abagnale aus Catch me if you can erinnert. Schafers Auftrag: Barry Seal soll zunächst in einer kleinen, schnellen Maschine Aufklärungsflüge über Mittelamerika fliegen. Es dauert nicht lange, bis Waffenlieferungen an die Contras in Nicaragua dazukommen. Und dann wird es wild und streckenweise ziemlich komisch. Die Contras verspüren wenig Lust zum Kämpfen, verticken ihre Waffen an das kolumbianische Medellín-Kartell um Pablo Escobar, das dafür wiederum Drogen nach Nicaragua liefert. Ein schwunghafter und lukrativer Handel. Mittendrin Barry Seal.

Dass hinter alldem in Wahrheit weit mehr steckte als die Abenteuerlust eines einzelnen Piloten, dass die Verquickungen von Politik und Drogenhandel weitreichend waren und bis heute zu großen Teilen im Dunkeln geblieben sind – all das ist nicht Doug Limans Sache. Er hat keinen investigativen Film gedreht, sondern eine glänzend ausstaffierte Thrillerkomödie mit absurden Noten.

Kino - "Barry Seal – Only in America" © Foto: Universal Pictures

Um Seals Aktivitäten zu verschleiern und ihn selbst aus dem Fokus der Polizei zu nehmen, siedelt die CIA im Jahr 1981 die komplette Familie von Louisiana nach Mena in Arkansas um und stampft dort gleich auch noch ein Trainingscamp für Widerstandskämpfer aus dem Boden. Dank Barrys Aktivitäten entwickelt sich das heruntergekommene Kaff binnen kurzer Zeit zu einer Bankenmetropole. Wie gesagt: Es gibt gar nicht genug Platz für all das Geld, das untergebracht werden muss.

Barry Seal ist bestes Popcorn-Kino, das weder Schmerzen noch Nebenwirkungen bereitet. Es gibt durchgeknallte kolumbianische Drogenbosse, Barrys sensationell unterbelichteten, aber latent aggressiven Schwager JB (Caleb Landry Jones), der nicht wenige Scherereien macht. Es gibt die aus einem Haufen grotesker Gestalten zusammengesetzte Luftflotte, die für Barry arbeitet, einige spektakuläre Flugszenen und selbstverständlich – hey, it's America – bei alldem auch immer wieder die liebevolle Hinwendung zur Familie.

Wer für die Ermordung Barry Seals am 19. Februar 1986 in Baton Rouge in Louisiana verantwortlich ist, blieb ungeklärt. Es gibt seriöse Recherchen, die den berüchtigten Militärberater Oliver North damit in Verbindung bringen. Doch im Film ist Barry Seal kein Drahtzieher, sondern ein aus dem Ruder gelaufener kleiner Junge. Das macht ihn charmanter, aber auch harmloser.